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Donnerstag, 22.02.2018

Sachse züchtet Erdbeeren am Südpol

Die Aussaat beginnt: Der Gärtner fürs Hightech-Beet ist da und kommt von der TU Dresden.

Von Stephan Schön

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Der Dresdner Wissenschaftler  Paul Zabel (l.) wird in der Antarktis zum Gärtner. Dafür hat er ein ganz besonderes Gewächshaus (r).
Der Dresdner Wissenschaftler Paul Zabel (l.) wird in der Antarktis zum Gärtner. Dafür hat er ein ganz besonderes Gewächshaus (r).

© DLR

  • Der Dresdner Wissenschaftler  Paul Zabel (l.) wird in der Antarktis zum Gärtner. Dafür hat er ein ganz besonderes Gewächshaus (r).
    Der Dresdner Wissenschaftler Paul Zabel (l.) wird in der Antarktis zum Gärtner. Dafür hat er ein ganz besonderes Gewächshaus (r).
  • In wenigen Wochen geht komplett das Licht aus, nur Kälte und sehr viel Eis. Doch drinnen im Labor wächst dann etwas. Eine Gurke zum Beispiel. Ein Weltraumexperiment beginnt. Willkommen im Eden-ISS.
    In wenigen Wochen geht komplett das Licht aus, nur Kälte und sehr viel Eis. Doch drinnen im Labor wächst dann etwas. Eine Gurke zum Beispiel. Ein Weltraumexperiment beginnt. Willkommen im Eden-ISS.

Das große Gärtnern kann beginnen. Nicht irgendwo, sondern mitten im Eis. Einen Winter lang und länger. Bei minus 40 Grad am Südpol. Der Gärtner ist Paul Zabel, ein Dresdner Doktorand. Ein Jahr wird er nun in der deutschen Polarstation in der Antarktis verbringen. Sein Job ist es dort, den Hausgarten zu pflegen, die Pflänzchen zu düngen, für Lüftung, Licht und Luft zu sorgen. Sein Arbeitsplatz ist gleich um die Ecke. Nur 800 Meter von der Wohnung entfernt. Doch die können es in sich haben. Bei Sturm und Schneetreiben.

Paul Zabel ist Mitarbeiter am TU-Institut für Luft- und Raumfahrttechnik in Dresden. Dort schreibt er zumindest derzeit seine Doktorarbeit. Das wird nun die kommenden Monate wohl mehr zum Nebenjob. Seit Montag nämlich ist die Saat ausgebracht, es geht los. Im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) züchtet er in einem Gewächshaus nahe der Forschungsstation Neumayer III frisches, essbares Gemüse.

Vier bis fünf Kilogramm Frischgemüse will er pro Woche ernten. Erstmalig dann im März, so seine gärtnerische Planung. Die Aussaat dafür hat begonnen. Stecklinge kommen in den Nährboden. „Ziel ist es, der Stations-Crew den Großteil davon zur Verfügung zu stellen“, sagt Zabel. Das Gemüsebeet am Pol befindet sich in einem Doppelcontainer. Extrem gut isoliert, super ausgestattet mit Klimatechnik, vollgestopft mit Elektronik. Das Gärtnern in der Antarktis soll nur ein Schritt hin zu einer großen Vision sein: Astronauten auf Langzeit-Weltraummissionen wie die zum Mars mit Frischgemüse zu versorgen. „Die Antarktis mit ihren extremen klimatischen Bedingungen mit bis zu minus 40 Grad bietet ein optimales Testumfeld“, sagt DLR-Projektleiter Daniel Schubert. Vor allem aber geht es um die Abgeschiedenheit und auch das Fehlen von Tageslicht. Erstmals nun kann das neunköpfige Überwinterungsteam des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) auf frische Ware aus eigenem Anbau hoffen.

Spreewaldgurken und Kräuter

Tomaten, Gurken und Erdbeeren wachsen neben Blattsalaten, Rucola, Radieschen, Paprika, Basilikum, Schnittlauch, Petersilie, Zitronenmelisse und Minze. Und Paul Zabel kommt aus Lübbenau im Spreewald. Eigene Gurkengewächse für den Gemüsecontainer am Südpol sind da logischerweise inklusive.

Statt Sonne bekommen die Pflanzen künstliches Licht. Statt Erde kräftigt eine Nährlösung die gezüchteten Gemüse und Kräuter. Das Wasser in diesem geschlossenen Lebenserhaltungssystem wird recycelt. Es verlässt den Container nur in den geernteten Lebensmitteln. „Alle Subsysteme wie Licht, Bewässerung, Luft-Umwälzsystem und Kameras sind getestet und funktionieren einwandfrei“, berichtet Projektleiter Schubert. Eine Sonnenbrille ist nun für den forschenden Gärtner drinnen im Labor Pflicht. Sie schützt vor den schädigenden UV-Strahlen, die die Pflanzen zum Überleben brauchen.

Bevor Paul Zabel sein neues Gewächshaus übernehmen konnte, standen noch einige Trainingskurse und letzte Instruktionen für ihn an: Wie laufen die verschiedenen Subsysteme? Welche Pflanze benötigt welche Pflege? Nun ist er in der Antarktis alleine verantwortlich für die Gemüsezucht: „Es ist spannend, sich dieser Herausforderung zu stellen“, sagt Paul Zabel. „Mir geht es ähnlich, wie es später wohl auch einmal Astronauten auf anderen Planeten gehen wird: Ich werde viel an Zuhause denken. Zumindest habe ich aber hier in der Antarktis im Gewächshaus etwas Grünes vor Augen. Etwas Wehmut, dass ich für Monate Familie und Freunde nicht sehen kann, ist natürlich auch dabei.“

Der deutsche Esa-Astronaut Alexander Gerst kennt das nur zu gut. Aus dem All und auch von seinem Aufenthalt in der Antarktis. „Das wird kein Sprint. Das ist ein Marathon“, schickt er Paul noch eine Videobotschaft per Twitter ins Eis. Bei einem so langen Aufenthalt müsse man seine Kräfte gut einteilen und dürfe sich keinesfalls in den ersten Wochen voll verausgaben. „Wir schauen zu dir rüber“, sagt Gerst. Das machen auch die DLR-Kollegen von Paul Zabel. Während unter seiner Obhut die ersten Pflanzen wachsen, schauen seine Kollegen aus dem Bremer Missionskontrollzentrum, wie es Pflanzen und auch ihm so geht. Ein Jahr lang im Eis. (mit dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. nettosteuerzahler

    Ja diese Technologie Entwicklung ist ein Langzeit Projekt 1. Schritt: Entwicklung und Test der Anbaumethoden und Untersuchung der Nährstoff Bilanzen über mehrere Saatgut-Generationen hinweg. 2. Schritt: Entwicklung einer Langzeit lauffähigen + wartungsarmen Geräte/System Technologie für das geschlossene Biosphärensystem. 3. Langzeit Komplexerprobung über min. 5 Jahre Reallauftzeit , was in etwa den angestrebten Mars und Jupiter Missionen entspricht.

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