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Dienstag, 10.07.2018

Magritte auf Magritte

Von Anja Garms

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In einer virtuellen Rekonstruktion haben die Wissenschaftler das Gemälde „La pose enchantée“ (l.) wiederauferstehen lassen. Das zuletzt noch fehlende Stück hatte Magritte in den 1930er-Jahren mit dem Bild „Dieu n’est pas un saint“ (o. r.) übermalt. Mit speziellen Röntgenverfahren (u. r.) entdeckten Fachleute es im Jahr 2017. Fotos: RMFAB, Brüssel/J. Geleyns – Art Photography; Ch. Hersovici, Belgien/dpa
In einer virtuellen Rekonstruktion haben die Wissenschaftler das Gemälde „La pose enchantée“ (l.) wiederauferstehen lassen. Das zuletzt noch fehlende Stück hatte Magritte in den 1930er-Jahren mit dem Bild „Dieu n’est pas un saint“ (o. r.) übermalt. Mit speziellen Röntgenverfahren (u. r.) entdeckten Fachleute es im Jahr 2017. Fotos: RMFAB, Brüssel/J. Geleyns – Art Photography; Ch. Hersovici, Belgien/dpa

© © RMFAB, Brussels / photo: J. G

  • In einer virtuellen Rekonstruktion haben die Wissenschaftler das Gemälde „La pose enchantée“ (l.) wiederauferstehen lassen. Das zuletzt noch fehlende Stück hatte Magritte in den 1930er-Jahren mit dem Bild „Dieu n’est pas un saint“ (o. r.) übermalt. Mit speziellen Röntgenverfahren (u. r.) entdeckten Fachleute es im Jahr 2017. Fotos: RMFAB, Brüssel/J. Geleyns – Art Photography; Ch. Hersovici, Belgien/dpa
    In einer virtuellen Rekonstruktion haben die Wissenschaftler das Gemälde „La pose enchantée“ (l.) wiederauferstehen lassen. Das zuletzt noch fehlende Stück hatte Magritte in den 1930er-Jahren mit dem Bild „Dieu n’est pas un saint“ (o. r.) übermalt. Mit speziellen Röntgenverfahren (u. r.) entdeckten Fachleute es im Jahr 2017. Fotos: RMFAB, Brüssel/J. Geleyns – Art Photography; Ch. Hersovici, Belgien/dpa

Unter einem Bild des belgischen Malers René Magritte haben Fachleute das fehlende Viertel eines mehr als 80 Jahre verschollenen Gemäldes des Surrealisten entdeckt. Nach einer detaillierten Analyse der verwendeten Pigmente restaurierten sie das in Gänze für immer verlorene Werk zumindest virtuell und in Farbe. Sie stellen ihre Untersuchung im Fachmagazin Heritage Science vor.

Magritte lebte von 1898 bis 1967. Zwischen 1920 und 1935 nötigte ihn wohl seine „prekäre finanzielle Situation“ dazu, fertige Werke zu übermalen und die Leinwände dafür teils zu zerschneiden, berichten die Wissenschaftler um Catherine Defeyt von der belgischen Universität Liège.

Zu den wiederverwerteten Werken gehört das Ölgemälde „La pose enchantée“ aus dem Jahr 1927, das seit 1932 verschwunden war. Darauf sind zwei identische nackte Frauen zu sehen, gestützt auf Säulenreste. 2013 tauchten zwei Viertel des Bildes unter zwei Bildern des Malers aus dem Jahr 1935 wieder auf, 2016 dann ein drittes Viertel. Das letzte fehlende Stück entdeckten Fachleute schließlich im Jahr 2017. Es ist verborgen unter dem Bild „Dieu n’est pas un saint“, das Magritte 1935/36 malte. Es zeigt einen grauen Vogel, der mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Frauenschuh sitzt.

Die Spezialisten hatten das Bild neben 41 anderen Ölgemälden und weiteren Werken innerhalb des Forschungsprojekts „Magritte on practice“ untersucht. Sie analysierten es unter anderem mit hochauflösenden Fotografietechniken unter sichtbarem und unter UV-Licht, mit dem Mikroskop und mit speziellen Röntgenverfahren. So konnten sie die unter dem eigentlichen Bild liegenden Farbschichten und das Motiv sichtbar machen und die verwendeten Farbpigmente rekonstruieren. „Das Doppelbild stellt eine Herausforderung dar für die, die das Bild untersuchen, und verschiedene wissenschaftliche bildgebende und Analyseverfahren waren nötig, um die eingesetzten Materialien und Techniken zu bewerten“, sagte Defeyt.

Die Untersuchung machte unter anderem deutlich, dass eine scharfe Trennlinie zwischen Himmel und Wand auf dem ursprünglichen Bild in dem neuen Werk als Trennung des blauen und des ockerfarbenen Hintergrunds erhalten blieb, die Farben veränderte der Künstler hingegen.

Analysen der Pigmente mit Röntgenfluoreszenz und mikroskopische Untersuchungen – unter anderem am Rand der Leinwand, die normalerweise unter dem Rahmen verborgen liegt – halfen den Forschern dabei, die ursprünglich verwendeten Farben zu rekonstruieren und das Bild virtuell auferstehen zu lassen.

Da das neu gemalte Bild kleiner ist als die anderen drei Viertel des ursprünglichen Gemäldes, fehlen von diesem noch immer Leinwandstreifen von einigen Zentimetern Breite. (dpa)

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