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Donnerstag, 01.03.2018

Luftblasen gegen Unterwasserlärm

Beim Bau von Windkraftparks auf hoher See wird der Krach erfolgreich gedämpft.

Von Roland Knauer

Blasenschleier aus Schläuchen, die von Begleitschiffen auf den Seeboden gelegt werden, schützen vor dem Schall der Rammschläge.
Blasenschleier aus Schläuchen, die von Begleitschiffen auf den Seeboden gelegt werden, schützen vor dem Schall der Rammschläge.

© Dantysk Offshore Wind/Vattenfall

Wenn die Schweinswale beim Bau von Windkraftanlagen auf hoher See in einem Umkreis von zwölf Kilometern um die Baustelle vertrieben werden, ist das für Michael Dähne vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund eine gute Nachricht. Schließlich weiß der Biologe, dass der einzige Wal, der vor deutschen Küsten lebt, normalerweise meist etliche Kilometer weit flieht, wenn die Fundamente einer solchen Anlage in den Meeresgrund gerammt werden.

Beim Bau der Turbinen des Dantysk-Windparks rund 70 Kilometer vor der Insel Sylt wurde der dabei entstehende Lärm deshalb mit sogenannten Blasenschleiern stark gedämpft. Die Maßnahme war erfolgreich, die Schweinswale mieden ein viel kleineres Gebiet rund um Baustellen als ohne eine solche Lärmminderung, berichten Michael Dähne und seine Kollegen von der Universität im dänischen Aarhus und vom Consulting-Büro Bioconsult SH in Husum in der Zeitschrift Marine Ecology Progress Series.

Bereits als die ersten Pläne auftauchten, weit vor den Küsten in flachen Gewässern wie der Nordsee Windkraftanlagen zu bauen, waren Walexperten alarmiert: Die gerade einmal 50 oder 60 Kilogramm schweren und kaum mehr als 180 Zentimeter langen Schweinswale jagen in den gleichen Gewässern nach Fischen. Da die Sicht unter Wasser recht mäßig ist, orientieren sie sich mit einer „Echo-Ortung“ genannten Methode, bei der sie sehr hohe Klicklaute ausstoßen, von denen ein Mensch kaum etwas hören kann. Mit ihrem extrem feinen Gehör analysieren sie dann die Echos, die vom Meeresgrund oder von Fischen zu ihnen zurückgeworfen werden.

Genauso wie ein Mensch eine Zeit lang oder sogar dauerhaft schlechter oder gar nichts mehr hört, wenn er ohne Schutz an einer sehr lauten Maschine gearbeitet oder extrem laute Musik gehört hat, kann es auch einem Schweinswal in der Nähe einer Windkraftanlagen-Baustelle im Meer gehen. Jede der 80 Turbinen des Dantysk-Windparks sitzt auf einem Stahlpfahl mit einem Durchmesser von sechs Metern, den ein riesiger Hydraulikhammer mit durchschnittlich 4 000 gewaltigen Schlägen innerhalb von weniger als zwei Stunden tief in den Meeresboden rammt. Dabei entsteht Lärm wie von einem Presslufthammer, der unter Wasser das Gehör eines Schweinswals noch in etlichen Hundert Metern Entfernung längere Zeit und bei häufigen Belastungen auch dauerhaft außer Gefecht setzen kann.

Mithilfe von Unterwassermikrofonen stellten die Meereswissenschaftler fest, dass die Klicklaute der Schweinswale in einem Bereich von rund 20 Kilometern um die Baustelle herum verschwinden. Offensichtlich meiden die Tiere also ein sehr großes Gebiet, um diesem Lärm zu entgehen. Da das Einrammen der Stahlpfähle für die Turbinen des Dantysk-Windparks mehr als neun Monate dauerte, hätten die Schweinswale also sehr lange einen Teil ihres Lebensraums verloren.

Um das zu vermeiden, haben die deutschen Behörden Obergrenzen für den Lärm beim Bau von Windkraftanlagen auf hoher See festgelegt. Um diese Werte einzuhalten, müssen die Baufirmen den Unterwasserschall dämpfen und setzen dazu meist die Blasenschleier-Methode ein.

Bevor ein Stahlpfahl eingerammt wurde, legte dafür beim Bau von Dantysk ein Schiff zum Beispiel in rund 160 Metern einen Schlauch auf den rund 20 Meter tiefen Meeresboden um die Baustelle herum. Kompressoren drückten dann Luft hinein, die durch regelmäßige Löcher wieder aus dem Schlauch heraus blubberte. Rund um den Stahlpfahl stieg daher ein Vorhang aus Luftbläschen vom Meeresboden an die Wasseroberfläche. Dieser Blasenschleier aber dämpft ähnlich wie ein Vorhang am Fenster den Schall. „Trifft der Schall auf die Bläschen, wird ein Teil davon in Wärme umgewandelt“, erklärt Michael Dähne. Genau wie beim Vorhang im Wohnzimmer wird der Lärm dadurch zwar nicht ganz geschluckt, aber deutlich verringert.

Um zu erfahren, wie die Schweinswale auf diesen reduzierten Krach reagieren, brachten Michael Dähne und seine Kollegen bis in 31 Kilometer Entfernung von der Baustelle Unterwassermikrofone aus. Und stellten damit fest, dass die Klicklaute der Schweinswale nur noch aus einem Kreis verschwanden, der sich in zwölf Kilometern Entfernung um den Stahlpfahl zieht. Durch den Einsatz der Blasenschleier verlieren die Schweinswale also viel weniger Lebensraum also ohne diesen Lärmschutz.

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