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Donnerstag, 17.05.2018

Killer-Pilz rottet Frösche aus

Von André Jahnke

Opfer einer Bd-Epidemie in den französischen Pyrenäen.
Opfer einer Bd-Epidemie in den französischen Pyrenäen.

© UFZ/Dirk S. Schmeller

Ein extrem aggressiver und tödlicher Pilz bedroht die Bestände von Fröschen und weiteren Amphibien weltweit. Ein großes, internationales Forscherteam fordert aufgrund seiner neuen Erkenntnisse nun ein Ende des weltweiten Handels mit Amphibien. Der Pilz stamme ursprünglich von der koreanischen Halbinsel und habe sich vor allem über den Amphibienhandel weltweit verbreitet, schreiben die Forscher im Fachmagazin Science.

„Von den knapp 8 000 bekannten Amphibienarten sind bereits mindestens 120 durch den Pilz ausgelöscht worden. Er ist der Sargnagel für die Amphibien“, sagte der an der Studie beteiligte Biologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, Dirk Schmeller. Durch den Handel seien zudem neue besonders gefährliche Linien entstanden. Das könne sich künftig noch beschleunigen.

Der Pilz Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) nistet sich in der Haut von Amphibien ein, stört die Hautatmung seiner Opfer, bringt ihren Stoffwechsel durcheinander – und vernichtet so in kürzester Zeit ganze Bestände. Da der Handel mit Amphibien der wichtigste Verbreitungsweg sei, ist ein Verbot der einzige Ausweg für die Forscher. „Sonst werden immer neue Bd-Linien geschaffen“, warnte Schmeller. Neue Erreger könnten Resistenzen umgehen, die einige Arten gegen Bd zu entwickeln scheinen. So hatten Wissenschaftler entdeckt, dass in Panama einige Amphibien eine gewisse Immunität gegen den Pilz entwickelt hatten.

Nicht nur in Übersee richtet dieser Pilz enormen Schaden an. Seit den frühen 2000er-Jahren verbreitet sich Bd auch in Europa, etwa Spanien, Frankreich und Deutschland.

Die Forscher aus rund 40 Instituten hatten per Genanalyse herausgefunden, dass der Ahn der besonders gefährlichen Pilzlinie BdGPL (Global Panzootic Lineage) vor 50 bis 120 Jahren auf der koreanischen Halbinsel entstanden ist. Mehr als 500 Amphibien-Arten habe diese Variante bisher infiziert. (dpa)