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Donnerstag, 07.06.2018

Jubiläum mit deutschem Kommando

Die ISS kommt in die Jahre. Seit zwei Jahrzehnten kreist sie um die Erde – für Weltraumtechnik ein beachtliches Alter. Wie lange hält die Station noch durch?

Von Thomas Körbel, Christina Horsten und Sebastian Kunigkeit

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Die undatierte Aufnahme zeigt die Internationale Raumstation (ISS) mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus (Mitte unten links) in der Erdumlaufbahn.
Die undatierte Aufnahme zeigt die Internationale Raumstation (ISS) mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus (Mitte unten links) in der Erdumlaufbahn.

© ---/Nasa/dpa

  • Die undatierte Aufnahme zeigt die Internationale Raumstation (ISS) mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus (Mitte unten links) in der Erdumlaufbahn.
    Die undatierte Aufnahme zeigt die Internationale Raumstation (ISS) mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus (Mitte unten links) in der Erdumlaufbahn.

Auf der Internationalen Raumstation (ISS) gibt es Grund zu feiern, wenn der Astronaut Alexander Gerst im Herbst das Kommando übernimmt. Nicht nur, weil er der erste Deutsche ist, dem diese Ehre zuteil wird, sondern auch, weil die ISS 20 Jahre alt wird. Als erstes Bauteil der Station wurde am 20. November 1998 das russische Modul „Sarja“ (Morgenröte) in den Orbit geschickt. Seither ist die sogenannte Weltraum-WG auf mehr als ein Dutzend Module gewachsen, in denen bis zu sechs Raumfahrer leben und arbeiten.

„Die Module, die im Orbit zusammengefügt wurden, sind vorher nie probeweise auf der Erde zusammengesteckt worden“, sagt Gerst. Die Bauteile müssten aber auf einen hundertstel Millimeter genau passen. „Das ist ein wundervolles Beispiel dafür, dass Menschen noch zusammenarbeiten können.“ Die Raumfahrtbehörden der USA, Russlands, Kanadas und Japans sowie die Europäische Raumfahrtagentur Esa loben die ISS als Vorbild der Kooperation in politisch schwierigen Zeiten.

„Es ist viel Erfahrung von den früheren Raumstationen Saljut und Mir in die ISS eingeflossen“, sagt Wladimir Solowjow, der Flugleiter des russischen Segments. Bei dem Ex-Kosmonauten laufen die Fäden beim Start zur ISS zusammen. Solowjow nennt die Automatisierung von Abläufen und Notfallpläne als Beispiele für das Wissen, das von den alten sowjetischen und russischen Raumstationen übernommen wurde.

Zustand der ISS

Vor seiner ersten Weltraummission 2014 hatte sich Gerst gefragt, wie gut die Raumstation wohl in Schuss ist. „Ich war hin und weg, wie gut die aussieht“, sagte er bei einem Training in Moskau im Frühjahr. In einem Modul hätten sie mal die Wandverkleidung erneuert. Denn wenn Tomatensoße auf dem Speiseplan steht, dann fliege schon mal ein Tröpfchen weg und lande an der Wand. „Das sah zwischendurch nicht so gut aus.“ Andere Module seien astrein. Die Außenwand sei ein anderes Thema, räumt Gerst ein. „Es gibt Tausende kleinste Meteoriteneinschläge. Das sind ganz kleine Krater“, erzählt er. „Aber das betrifft die Funktion nicht.“ Die Technik unter der Abdeckung sei wie neu. Das habe er bei seinem Außeneinsatz damals selbst gesehen. Diese Außeneinsätze seien wichtig für die Wartung.

Lebensdauer

Wie lange die ISS noch durchhält, sei eine Frage der Kosten, sagt Flugleiter Solowjow. „Der anfälligste Bereich ist die Konstruktion selbst.“ Sie hermetisch dicht zu halten, sei eine große Herausforderung. Wenn ein Modul in einem kritischen Zustand sei, könne man dieses ersetzen. Doch dies sei eine Kosten-Nutzen-Frage. Die Bordsysteme könnten leichter aktuell gehalten werden, sagt Solowjow. Rund 100 Computer seien in einem Netzwerk verbunden. „In den vergangenen 20 Jahren haben wir schon achtmal den ,Intellekt‘ der Station komplett erneuert.“ Dies sei wichtig, „damit wir auch zeitgemäße und seriöse Experimente machen können“, sagt er.

Kosten der Station

Kritiker bezeichnen die ISS gerne als das teuerste Gebäude der Welt – die Gesamtkosten seit 1998 liegen nach Schätzungen bei umgerechnet über 85 Milliarden Euro. Zu den exakten Ausgaben halten sich die ISS-Mitglieder bedeckt. Sicher ist aber, dass die USA – noch vor Russland – den Löwenanteil zahlen. Mehr als drei Milliarden Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) zahlen die USA Berichten zufolge jedes Jahr für den Betrieb. Die Esa gibt etwa 300 Millionen Euro im Jahr aus.

Zukunftspläne

Bis 2024 ist die Finanzierung durch die Mitglieder gesichert. Danach strebt die Regierung von US-Präsident Donald Trump aber einen Schnitt an. Eine offizielle Strategie gibt es bislang nicht, aber Medienberichten zufolge wollen die USA aus der Finanzierung aussteigen und das Weltraumlabor privatisieren. Aus Russland heißt es zwar, man sei mit den internationalen Partnern im Gespräch über eine Verlängerung bis 2028. Aber auch in Moskau gibt es noch keine klare Linie. Die Behörden erwägen ebenfalls den Einstieg privater Firmen. Weitere Ideen: ein Weltraumhotel oder eine eigene russische Station aus den russischen ISS-Modulen bauen.

Die Esa ist interessiert, an der ISS festzuhalten. „Auch über 2024 hinaus werden wir Schwerelosigkeitsversuche im niedrigen Erdorbit brauchen“, sagt Esa-Chef Jan Wörner.

Alternativen zur ISS

Die USA und Russland arbeiten an Plänen für eine bemannte Raumstation, die um den Mond kreist. Dieser „Deep Space Gateway“ könnte Ausgangspunkt für Landungen auf dem Erdtrabanten und Flüge zum Mars werden. Russlands Flugleiter Solowjow hält davon nicht viel. „Wir können die Strahlungsbelastung dort nicht abschätzen“, sagt der 71-Jährige. Er sei stattdessen für eine neue Raumstation im Erdorbit. „Dort könnten wir Geräte für den Flug zum Mond und zum Mars zusammenbauen“, sagt er.

(dpa)

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