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Donnerstag, 12.07.2018

Hitze lässt uns langsamer denken

Boston. Hohe Temperaturen im Schlafzimmer vermindern das Denkvermögen. Das geht aus einer US-Studie hervor, die die morgendliche Reaktionsschnelligkeit von Studenten während einer Hitzewelle in Boston untersuchte.

Umweltmediziner der Harvard Chan School verglichen dazu zwölf Tage lang die kognitiven Leistungen von 44 Studenten vor, während und nach einer fünftägigen Hitzewelle. Demnach stieg die Reaktionszeit der Studenten in einem Wohnheim ohne Klimaanlage deutlich an: Für ihre Antworten in einem Wörtertest brauchten sie gut 13 Prozent länger als ihre Studienkollegen, die in einem Gebäude mit Klimaanlage und deutlich geringerer Durchschnittstemperatur lebten und schliefen. Dort waren es im Mittel nur 21,4 Grad Celsius, im nicht-gekühlten Wohnheim hingegen 26,3 Grad.

Neben den Temperaturen berücksichtigten die Forscher während der zwölf Tage auch die Lärm- und Feuchtigkeitsbelastung in den Räumen sowie die Schlaf-, Trink- und Aktivitätsmuster der Studenten. Diese mussten jeden Morgen gleich nach dem Aufwachen auf ihren Smartphones zwei kurze Tests machen: Die Farbe von Wörtern schnell und richtig erkennen und einfache Rechenaufgaben lösen. „Die meiste Forschung zu Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit wurde bisher an Risikogruppen, etwa Älteren, gemacht. So entstand der Eindruck, dass die Allgemeinbevölkerung durch Hitzewellen nicht beeinträchtigt wird“, sagte Mitautor Jose Guillermo Cedeno Laurent.

Auf Deutschland seien die Ergebnisse durchaus übertragbar, sagte Alexandra Schneider, Epidemiologin am Helmholtz Zentrum in München. „Das Design der Studie ist insgesamt gut, aber die Ergebnisse sind nicht wirklich überraschend.“ Dass man bei hohen Temperaturen, und vor allem nach durch Hitze beeinträchtigtem Nachtschlaf, nicht so leistungsfähig ist, findet sie nicht erstaunlich.

Philip Lewis und Thomas Erren von der Universität Köln betonten, dass weitere Studien prüfen müssten, ob sich durch die reduzierte Aufmerksamkeit etwa auch das Risiko für Unfälle erhöhe. Überraschend seien die Funde nicht. Die Studie, die erstmals gesunde und junge Menschen untersucht, zeige aber, dass eine sich erwärmende Erde weitreichendere gesundheitliche Probleme mit sich bringen könne als bisher angenommen. (dpa)

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