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Dienstag, 29.05.2018

Haben Kopfbälle Folgen für das Fußballergehirn?

Sportmediziner wollen klären, ob es Handlungsbedarf für ein Kopfballverbot gibt.

Von Bernhard Sprengel

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Oft ist auch im wörtlichen Sinn der Kopf gefragt, wenn es darum geht, wer das Duell gewinnt.
Oft ist auch im wörtlichen Sinn der Kopf gefragt, wenn es darum geht, wer das Duell gewinnt.

© dpa/Uli Deck

Die Auswirkungen von Kopfbällen auf die Gesundheit von Fußballern sind das Thema einer Studie von Sportmedizinern aus Deutschland, der Schweiz und den USA. Derzeit werde bei 50 Profi-Sportlern untersucht, wie oft und wie sie köpfen, teilte der Deutsche Olympische Sportärztekongress jetzt mit. „Insbesondere von Kopfbällen, die nicht zu Gehirnerschütterungen führen, wissen wir noch nicht sicher, ob sie auch langfristig das Gehirn schädigen“, erklärte der Leiter der Studie, der Paderborner Neurologe Claus Reinsberger.

Die Studie ist auf drei Jahre angelegt und soll bis 2020 abgeschlossen sein. Vor allem Fußballer der U21 vom Hamburger SV sind beteiligt, Schweizer Spieler sollen hinzukommen. Die Wissenschaftler wollen die Fußballer mit dem Kernspintomografen untersuchen und dann alle Kopfbälle bei Trainingseinheiten und Spielen beobachten. Schließlich sollen die Spieler erneut klinisch untersucht werden. In einer Vorstudie werteten die Sportmediziner bereits Videos aus der Bayern-Liga mit 11 500 Kopfbällen aus.

Reinsberger und Kollegen unterscheiden zwischen Treffern, die eine leichte Gehirnerschütterung hervorrufen, und solchen, die nicht derartige Symptome zur Folge haben. Dass Gehirnerschütterungen – verursacht meist durch Zusammenstöße von Köpfen bei Duellen oder unbeabsichtigte Kopftreffer – schwere Folgen haben können, ist für die Forscher offensichtlich. Wenn sie nicht therapiert werden, könne es zu Schäden für Gedächtnis, Augen, Reaktionsgeschwindigkeit und Balance kommen. Im schlimmsten Fall seien bei einem erneuten Kopftreffer sogar eine Behinderung oder der Tod möglich, hieß es. Darum sei es wichtig, Fußballer nach einem solchen Vorfall aus dem Spiel zu nehmen.

Ob häufige Kopfbälle, bei denen Fußballer anschließend keine Symptome zeigen, auch gefährlich sind, ist für Reinsberger dagegen eine offene Frage. Frühere Studien gäben Anhaltspunkte dafür, wonach die Kommunikation zwischen bestimmten Gehirnteilen gestört werde. „Klar ist schon, dass es Veränderungen und Anpassungserscheinungen des Gehirns dabei gibt“, sagte der Neurologe. Ob das positiv zu bewerten sei, wie etwa der schnellere Herzschlag bei einem Jogger, sei noch offen. Der US-Fußballverband hat bereits ein Kopfballverbot im Juniorenfußball verhängt. Reinsberger sieht allerdings noch keinen wissenschaftlich begründeten Handlungsbedarf.

Eine Vorstudie von Regensburger Kollegen Reinsbergers ergab übrigens, dass in den Ligen unterschiedlich oft der Kopf eingesetzt wird. In der ersten Bundesliga wurde der Ball im Schnitt pro Spiel rund 111-mal geköpft, in der zweiten Liga 128-mal und in der dritten 143-mal. Bei der bevorstehenden WM in Russland hätte Reinsberger eigentlich nichts gegen ein gutes Kopfballspiel. „Mit einem Kopfball, der auch ins Tor geht, hätte ich auch als Neurologe kein Problem“, sagte er. Der Sportmediziner hofft allerdings, dass sich ein Fall wie der von Alvaro Pereira bei der WM vor vier Jahren nicht wiederholt. Im Spiel gegen England bekam der Uruguayer damals ein Knie gegen den Kopf. Trotz einer Gehirnerschütterung spielte er auf eigenen Wunsch weiter. Daraufhin führte die Fifa die Drei-Minuten-Regel ein. Das heißt, das Spiel muss jetzt nach einem solchen Zwischenfall unterbrochen werden, um einem Sportarzt die Gelegenheit zu geben, eine Gehirnerschütterung auszuschließen. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. ronny

    An der Vermutung muss wa dran sein. Man erinnere sich an die Aktion von Özil und Gündokan.

  2. Kanonikus

    @ronny: Dieser Aussetzer kam bestimmt nicht von Kopfbällen. Ein guter Interviewpartner für Kopfbälle wäre bestimmt Horst Hrubesch.

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