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Donnerstag, 01.03.2018

Greenpeace warnt vor anhaltenden Fukushima-Risiken

Sieben Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima gibt es aus Sicht der Regierung keinen Grund zur Angst vor Strahlung mehr. Umweltschützer sehen das anders. Greenpeace warnt vor gesundheitlichen Risiken.

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Die beschädigten Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima Dai-ichi auf einem Archivfoto vom 28. Mai 2012.
Die beschädigten Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima Dai-ichi auf einem Archivfoto vom 28. Mai 2012.

© Tom Curley/AP/dpa

Fukushima. Sieben Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace die früheren Anwohner wegen weiter teils hoher Strahlenbelastung vor einer Rückkehr gewarnt.

In den umliegenden Gemeinden Iitate und Namie habe man stellenweise eine Radioaktivität gemessen, die bis zum Hundertfachen über den international für die Bevölkerung geltenden Grenzwerten liege, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichen Untersuchung von Greenpeace Japan. Die hohe Radioaktivität in diesen Gebieten stelle mindestens bis in die 2050er Jahre und sogar teils ins nächste Jahrhundert hinein ein „signifikantes Risiko“ für die Rückkehr in Sicherheit gebrachter Anwohner dar. Im März 2011 war es in Folge eines schweren Erdbebens und Tsunamis zum Gau im Atomkraftwerk Fukushima gekommen.

Hunderttausende Menschen in der Region mussten damals wegen der austretenden Strahlung ihre Häuser verlassen. Die Regierung ließ die Gegend in den vergangenen Jahren weitflächig dekontaminieren. Dennoch ist der Zugang in einigen Orten noch heute beschränkt. Für Iitate und Teile Namies hob die Regierung die Evakuierungsanweisungen vor einem Jahr auf. Doch lediglich drei Prozent der einstigen Bewohner von Namie sowie nur neun Prozent der aus Iitae Geflohenen kehrten zurück. Kritiker werfen der Regierung vor, die Menschen durch Einstellung finanzieller Hilfen zur Rückkehr zu zwingen.

Die Regierung wolle mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio der Welt Normalität vorgaukeln, beklagen Kritiker. Die Auftaktspiele für Baseball werden in der Provinz Fukushima stattfinden. „Es ist eine Gelegenheit, der Welt zu zeigen, wie die Menschen die Katastrophe hinter sich gelassen haben“, sagte kürzlich Maki Kobayashi, Exekutivdirektorin des Olympia-Organisationskomitees. Angst vor Strahlung wies sie zurück. Es gebe keinen Grund zur Sorge.

Nach Einschätzung von Greenpeace ist das staatliche Dekontaminierungsprogramm jedoch ineffektiv, das zeigten die eigenen Messungen. Hinzu komme, dass die Region zu 70 bis 80 Prozent aus bewaldeten Bergen bestehe, die gar nicht dekontaminiert werden könnten. Ein Vertreter der Regierung wies die Behauptung zurück und erklärte, die Dekontaminierungsarbeiten seien sehr wohl effektiv gewesen. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Wolf

    Umweltschützer, zumal Greenpeace, sehen alles, was mit Kernenergie zusammenhängt immer anders, als Fachleute, da sie ihr Wissen aus ihrem starken Glauben an die allgegenwärtigen Gefahren menschlichen Tuns ableiten und nicht aus naturwissenschaftlicher Kenntnis. Studien von Greenpeace und Messungen kann man daher kaum Glauben schenken, da sie dort so gut wie nie nachvollziehbare und objektive Werte mitteilen, sondern fast immer gewillkürte oder bewußt falsch interpretierte Daten liefern. Jeder kann dazu anderer Meinung sein, vorher jedoch mal in die Tiefe gehen und nachsehen, was diese selbstgerechten Umweltschützer tun und was sie treibt.

  2. besucher47

    @1. Es zeugt schon von ziemlicher Arroganz, einer ausschließlich aus Spenden und Ehrenamt finanzierten Organisation, die sich für den Erhalt von Lebensräumen, Natur um Umwelt engagiert, pures Eigeninteresse und Fälschung zu unterstellen. Aber im Gegenzug den Verantwortlichen, die dort gigantische Großveranstaltungen organisieren wollen, bei denen es um Unmengen Geld geht, völlig unkritisch alles zu glauben. Nein, bloß nicht auf die Idee kommen, dass das menschliche Handeln durchaus hinterfragt werden sollte, insbesondere wenn es um wirtschaftliche Interessen geht. Die, die sich uneigennützig für andere ohne Lobby einsetzen, die müssen auf jeden Fall böse Absichten haben! Die sollte man unbedingt verfolgen und zur Strecke bringen, damit endlich frei gewirtschaftet werden kann.

  3. Ungläubiger

    @1.Wolf: Sie sind also Fachmann für Fragen der Kernenergie oder schöpfen Sie ihr "Wissen" doch nur aus Ihrem Glauben? Wer besitzt denn Ihrer Ansicht nach die Deutungshoheit, ein gewinnorientierter Konzern, eine Regierung mit gewissen Interessen oder eben eine (leider nicht ganz unabhängige) Umweltorganisation? Lassen Sie uns doch bitte an Ihrem Expertenwissen teilhaben! Welche Zahlen sind stimmig und weshalb, welche sind unwahr und wo kann ich Ihre unabhängig entstandenen Messergebnisse (welche natürlich statistisch einwandfrei beweisen das sie signifikant abweichen) einsehen? In welche Tiefe sind Sie denn gegangen, Physikstudium mit Schwerpunkt Atomphysik oder doch nur Stammtisch in Hinterguggema? Kernenergie ist ein heißes Eisen, welches scheinbar auch unserer Bundesphysikerin Kopfzerbrechen bereitet(e), hat Sie ja bei der Thematik etwas unentschlossen gewirkt. Fahren Sie doch mal in das besagte Gebiet (lassen Sie bitte Freunde und Familie zuhause) u machen den Selbstversuch!?! MfG

  4. Wolf

    Bei solchen Themen kann man in Deutschland nur verlieren. Ich bin Naturwissenschaftler und ich war 2016 vor Ort. wenn das für @2 und @3 reicht - vermute aber, eher nicht. Für mehr bieten die 1000 Zeichen keinen Platz. Was Frau Merkel anbelangt, hat sie den Ausstieg aus der Stromerzeugung in Kernkraftwerken aus wahltaktischen Gründen vollzogen, nachdem sie die 15-köpfige Ethikkomission "Sichere Energieversorgung" berufen hatte, in der unter anderem zwei Bischöfe saßen und auch ansonsten keine Fachkompetenz in Fragen der Reaktorsicherheit zu verzeichnen war. Japaner sind i.d.R., was die Rücksichtnahme auf Mitmenschen anbelangt, eher viel zu vorsichtig, als dass sie bewußt Risiken eingehen. Was im Moment konkret veranlasst wird, hat einen sehr sorgfältig untersetzten Hintergrund. Am Stammtisch oder im wohligen Gesprächskreis gleichgesinnter Energiewender hat man das jedenfalls nicht ausgedacht.

  5. NoFear

    @Wolf: Ob Sie Naturwissenschaftler sind oder nicht - das Wort "Ethikkommission" wird mit Doppel-M geschrieben. Wenn der deutsche Atom-Ausstieg aus wahltaktischen Gründen erfolgte, ist das doch nichts Verwerfliches: die Mehrheit der Wahlbevölkerung will keine Atomkraftwerke im Lande haben und dem wurde endlich auch von der CDU Rechnung getragen. Daß Japaner bei der Rücksichtnahme auf ihre Mitmenschen eher viel zu vorsichtig sein sollen, werden Ihnen Chinesen und Koreaner sicher auch nicht so einfach unterschreiben. Sei es wie es sei, die Nutzung der Atomenergie hat Pros und Cons, je nach Sichtweise bildet man sich eine Meinung, allerdings werden auch Sie nicht leugnen können, daß die Cons nach dem GAU von Fukushima noch ein bißchen schwerer wiegen - oder?

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