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Montag, 07.05.2018

Gesunde Luft im Bienenstock?

Die spezielle Atemtherapie ist umstritten. Erstmals zeigen Dresdner Chemiker nun, was dran und drin ist.

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Maske auf und tief durchatmen. Die Bienenstock-Therapie ist unerforschtes Gebiet. Wie effektiv sie ist, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Dresdner Forscher wollen die offenen Fragen nun klären.
Maske auf und tief durchatmen. Die Bienenstock-Therapie ist unerforschtes Gebiet. Wie effektiv sie ist, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Dresdner Forscher wollen die offenen Fragen nun klären.

© dpa

Thüringen hielt den Atem an. Zwischen Heilpraktikern und Behörden entbrannte im Herbst 2015 ein Streit. Das Jenaer Gesundheitsamt hatte damals einer Naturheilpraktikerin untersagt, ihre Patienten weiter mit der Bienenstock-Therapie zu behandeln. Dabei wird die Luft aus dem Bienenstock eingeatmet. Das soll unter anderem bei Atemwegserkrankungen helfen. Das zuständige Gesundheitsamt warnte allerdings vor allergischen Reaktionen. Ist die Bienenstock-Luft gesund oder macht sie krank? Dieser Frage widmen sich nun Chemiker der TU Dresden. Erstmals zeigen sie jetzt, was wirklich drin ist in der Luft.

Die Anhänger der Methode schwören auf die Therapie. Die rund 35 Grad warme Luft aus dem Bienenstock gelangt dabei über einen Pollenfilter und einen Schlauch in eine Atemmaske, die die Patienten während der Sitzung tragen. Laut Erfahrungsberichten hilft das nicht nur bei Bronchitis oder Asthma. Auch bei Migräne, Neurodermitis oder Depressionen soll das Ganze positive Effekte haben. Wissenschaftlich bewiesen wurde das bisher allerdings nicht. Karl Speer, Professor an der Fakultät für Chemie und Lebensmittelchemie der
TU Dresden, hat sich die Therapie gemeinsam mit seinen Kolleginnen Kristin Recklies und Franziska Kuhn näher angeschaut. Die Chemiker konnten schon über 50 Inhaltsstoffe, die die Stockluft enthält, entschlüsseln.

In ihrer Studie entnahmen die Forscher Luftproben aus den Bienenstöcken und analysierten deren Zusammensetzung. Unterstützung bekamen sie dabei von den Dresdner Imkern Tino Lorz und Lisa Becker. Mit einem speziellen Verfahren gelang es, das gewonnene Stoffgemisch in seine verschiedenen Einzelsubstanzen zu zerlegen. Diese wurden danach analysiert. Die Bienenstockluft besteht demzufolge vor allem aus dem Bienenharz Propolis und dem Bienenwachs. Honig fand sich nur wenig darin, dafür aber verschiedene Aromastoffe. Einige Substanzen müssen zwar noch bestimmt werden. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir anhand unserer bisherigen Ergebnisse aber keine Gesundheitsgefährdung durch die Therapie feststellen“, sagt Speer.

Jeweils ein Bienenstock in Dresden und einer im Forstbotanischen Garten in Tharandt wurden für die Studie vorbereitet. Wichtig war dabei, dass die eingesetzten Materialien selbst keine Aromen in die Stockluft abgeben. Deshalb wurden beim Aufbau der Versuchsanlage geruchsloses Teflon und Kupfer für Schläuche und Gehäuse der Messinstrumente verwendet. „Es muss das gemessen werden, was wirklich im Bienenstock enthalten ist, die reinen, natürlichen Komponenten“, betont Speer.

Die Arbeit der Wissenschaftler geht weiter. Verschiedene Entwickler haben in den vergangenen Jahren Geräte auf den Markt gebracht, mit denen die Bienenstock-Therapie möglich ist. Genau mit denen wollen sich die Forscher nun beschäftigen. „Wir werden die verschiedenen Modelle an einem Bienenstock testen und uns anschauen, welche Unterschiede es dabei gibt“, erklärt der Professor. Arbeiten die Geräte effektiv, wie beeinflussen sie durch ihre Funktionsweise die Stockluft?

Die Frage, ob die Bienenstock-Therapie nun wirklich effektiv ist, könnten allerdings erst weitere Untersuchungen in der Zukunft zeigen. „Dafür werden wir uns auch mit Ärzten zusammensetzen“, sagt Speer. Bis dahin werden Befürworter und Kritiker weiter streiten, ob die Luft aus dem Bienenstock gesund ist oder nicht.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Alfons Z.

    Es wäre sicher noch wesentlich nutzbringender, wenn der "Patient" während der Sitzung einen Aluhut trägt um von Flugzeugen versprühten Dihydrogenmonoxid verschont zu bleiben. Weiterhin wäre eine Magnetdecke und spezielle Erde für unten drunter notwendig, damit gefährliche Erdstrahlung keine negativen Effekte einbringen.

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