erweiterte Suche
Mittwoch, 16.05.2018

Floh hier ein Riesenfaultier vor den Jägern?

Von Annett Stein

Bild 1 von 3

So könnte die Jagd auf das Riesenfaultier vor mehr als 10000 Jahren abgelaufen sein.
So könnte die Jagd auf das Riesenfaultier vor mehr als 10 000 Jahren abgelaufen sein.

© Alex McClelland, Bournemouth Uni

  • So könnte die Jagd auf das Riesenfaultier vor mehr als 10000 Jahren abgelaufen sein.
    So könnte die Jagd auf das Riesenfaultier vor mehr als 10 000 Jahren abgelaufen sein.
  • In einem ausgetrockneten See in New Mexico untersuchten die Forscher um Matthew Bennett mehr als hundert Fußspuren von Riesenfaultieren und Menschen.
    In einem ausgetrockneten See in New Mexico untersuchten die Forscher um Matthew Bennett mehr als hundert Fußspuren von Riesenfaultieren und Menschen.
  • Matthew Bennett bei der Arbeit.
    Matthew Bennett bei der Arbeit.

Spuren im Sand können Geschichten erzählen – manchmal noch nach Tausenden von Jahren. Fußabdrücke in einem Gipsfeld im Süden der USA lassen Forscher darauf schließen, dass dort einst Menschen gewaltigen Riesenfaultieren nachpirschten. Sie folgten wohl gezielt den Spuren der flüchtenden Riesen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Science Advances. Sie hatten Abdrücke in dem Gebiet des White Sands National Monument untersucht, einem Naturschutzgebiet im US-Bundesstaat New Mexico am nördlichen Ende der Chihuahua-Wüste.

In dem Gebiet liegt ein Hunderte Quadratkilometer großes Gipsfeld mit großen Dünen. Die Forscher um Matthew Bennett von der Bournemouth University in Poole (Großbritannien) untersuchten mehr als hundert Fußspuren von Riesenfaultieren und Menschen in einer Ebene, die ein großer See – der Lake Otero – beim Austrocknen hinterließ. Die nierenförmigen Abdrücke der Faultiere waren 30 bis 56 Zentimeter lang und 10 bis 35 Zentimeter breit. Ebenso wie die der Menschen stammen sie aus dem späten Pleistozän, wie die Forscher schreiben. Eine genaue Datierung sei schwierig, vermutlich seien die Abdrücke vor knapp 16 000 bis 10 000 Jahren entstanden.

Skelettfunde in der Region lassen demnach darauf schließen, dass es sich um Riesenfaultiere aus der Gruppe Nothroteriops oder Paramylodon handelte. Diese konnten gut eine Tonne wiegen, fraßen wahrscheinlich vorwiegend Gras und starben wie die meisten großen, bodenlebenden Faultiere gegen Ende des Pleistozäns aus. Ob der Mensch oder der Klimawandel jener Zeit dafür den Ausschlag gab, ist derzeit noch umstritten.

Bei den von menschlichen Fußabdrücken begleiteten Faultierspuren zeigten sich scharfe Richtungswechsel. Zudem gab es ungewöhnliche kreisförmige Bahnen mit deutlichen Klauenabdrücken: Offenbar hätten sich die Tiere umgedreht und auf die Hinterbeine erhoben, wohl, um sich zu verteidigen, schließen die Forscher.

Es gebe mehrere solche Spuren-Kombinationen von verfolgtem Faultier und verfolgendem Menschen. Unklar sei dabei, ob es sich um mehrere Ereignisse handelt oder eine Gruppe Menschen eine Gruppe Faultiere verfolgte. Wahrscheinlicher sei wegen der Lage der Spuren Letzteres, was auf ein soziales Leben der Riesenfaultiere hinweise.

Ob der Mensch gezielt Jagd auf Riesenfaultiere machte, sei unklar, unwahrscheinlich sei es nicht, so die Forscher. Dass an dieser Stelle keine Überreste der Tiere zu finden sind, verwundere nicht: Bei Weitem nicht jede Jagd sei erfolgreich, zudem seien Knochen in dem alkalischen Boden der Region rasch zersetzt worden.

Nicht auszuschließen sei allerdings, dass die Menschen nicht gezielt den Faultieren, sondern einem bestehenden Pfad folgten, schränken die Forscher ihre Schlussfolgerungen ein. (dpa)