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Samstag, 02.06.2018

Das Ende der Baumbewohner

Vor 66 Millionen Jahren schlug ein Asteroid auf der Erde ein – und ließ den Lebensraum Wald verschwinden.

Von Anja Garms

Kleine Bodenbrüter konnten vor den Waldbränden nach dem Asteroideneinschlag eher flüchten.
Kleine Bodenbrüter konnten vor den Waldbränden nach dem Asteroideneinschlag eher flüchten.

© Philipp M. Krzeminski

Der Einschlag eines mächtigen Asteroiden auf die Erde vor etwa 66 Millionen Jahren raffte nicht nur die Dinosaurier dahin, sondern auch alle damaligen baumbewohnenden Vögel. Nach dem Aufprall seien alle Wälder von der Erde verschwunden – und damit der Lebensraum jener Vögel, schreibt ein internationales Forscherteam im Fachblatt Current Biology. Alle heutigen in Bäumen lebenden Vögel seien Nachfahren von Bodenbewohnern, die das Inferno überlebt hätten, betonen sie.

Die Wissenschaftler um Daniel Field von der University of Bath (Großbritannien) hatten verschiedene Daten zusammengeführt, etwa Fossilien, die evolutionären Stammbäume der Vögel sowie Gesteine mit Pflanzenresten aus der Zeit nach dem Einschlag. Von dem Ereignis, bei dem unter anderem die Dinosaurier ausstarben, zeugt heute der etwa 180 Kilometer durchmessende Chicxulub-Krater im Norden der Halbinsel Yucatan in Mexiko.

Die Wissenschaftler rekonstruieren aus den Daten folgendes Szenario: Demnach fegte die Detonation, die rund eine Million Mal stärker war als die der stärksten Atombombe, zunächst im Umkreis von etwa 1 500 Kilometern alle Bäume und Wälder hinweg. Weitere Wälder verschwanden infolge der Hitzestrahlung, die weltweit Waldbrände verursachte. Der Ausstoß schwefelhaltiger Dämpfe habe wahrscheinlich zu saurem Regen geführt. Außerdem seien große Mengen Ruß in die Atmosphäre gelangt, was die Fotosynthese der Pflanzen für Jahre quasi zum Erliegen gebracht habe und die Welt abgekühlt ließ. Mit den Wäldern verschwanden demnach die Lebensräume der baumbewohnenden Vögel – und damit die Vögel selbst.

Als Beleg für ihre Hypothese führen die Forscher Analysen von Gesteinsproben an. Sie isolierten daraus Sporen von Farnen. Unmittelbar nach dem Einschlag gab es demnach einen steilen Anstieg in der Menge der Pollen, der für etwa 1 000 Jahre nachweisbar ist. Dieses Phänomen sei weltweit beobachtet worden und gelte als Beleg für den Verlust von Wäldern, schreiben die Forscher. Farne würden auch als „Katastrophen-Flora“ bezeichnet, die sich nach Waldbränden, Vulkanausbrüchen oder ähnlichen Naturereignissen schnell wieder ansiedele.

Stammbaum-Analysen belegten, dass die Vogelarten, die den Einschlag überlebt hatten, eher Bodenbewohner waren. Baumbewohner hingegen verschwanden. Im weiteren Verlauf der Evolution hätten einige Bodenbewohner den Lebensraum in den Bäumen wieder erobert.

(dpa)