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Montag, 28.05.2018

Blick in riesiges Fußballer-Gehirn

Das Gehirn von Rekordkicker Charly Körbel wird begehbar. Vorher wird die Fußballlegende noch ordentlich vermessen.

Eintracht-Frankfurt-Legende Karl-Heinz „Charly“ Körbel sitzt im Anschluss in einem Magnetenzephalographen, in dem seine Gehirnaktivitäten aufgezeichnet werden.
Eintracht-Frankfurt-Legende Karl-Heinz „Charly“ Körbel sitzt im Anschluss in einem Magnetenzephalographen, in dem seine Gehirnaktivitäten aufgezeichnet werden.

© Arne Dedert/dpa

Frankfurt/Main Rekordbundesligaspieler Charly Körbel sitzt recht entspannt unter einem High-Tech-Apparat, der wie ein gigantischer Haartrockner aussieht. Plötzlich werden auf einem Bildschirm vor ihm Bilder vom DFB-Pokal oder eines Fußballs eingeblendet. Zusätzlich hört die inzwischen 63 Jahre alte Fußball-Legende der Frankfurter Eintracht akustisch den Trillerpfiff eines Schiedsrichters. Währenddessen werden die Hirnströme von Körbel vermessen. Das Ziel der Prozedur am Montag: Das Frankfurter Senckenberg Museum will ein 50-fach vergrößertes Modell von Körbels Hirn ausstellen: das „begehbare Gehirn“.

Körbel ist an ein Magnetenzephalographie-Gerät (MEG) angeschlossen, das mit 275 Sensoren die magnetischen Felder misst, die die elektrischen Impulse der Nervenzellen seiner Hirnrinde erzeugen. Die Ergebnisse können anschließend grafisch dargestellt werden. Dabei wird der Pfiff einer Trillerpfeife vom Gehirn innerhalb einer Zehntelsekunde registriert - und zuerst einmal abgehakt. Das lässt sich an den Amplituden der grafischen Aufbereitung erkennen.

Im Gehirn geht es um Millisekunden. Alles funktioniert dort elektromagnetisch. Es ist zwar relativ klein, aber hochkomplex. Etwa 86 Milliarden Zellen bilden die Infrastruktur.

Wie die Hirnrinde Körbels auf so freudige Reize wie etwa das Bild vom „Pott“ reagiert, den die Eintracht vor einigen Tagen sensationell im Finale gegen Bayern München gewonnen hatte, sollen auch die Senckenberg-Besucher später nachvollziehen können.

Scans von Körbels Hirnlappen sind bereits mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) erstellt worden. Am Montag wurde Körbel nun ein Modell von seinem Denkapparat in einem Maßstab von 1:10 präsentiert. „Es ist schon ein großes Ding“, sagte er. Körbel bestritt zwischen 1972 und 1991 602 Spiele in der Fußballbundesliga. Auf mehr Einsätze kommt sonst niemand.

Für das Hirnprojekt ist Körbel vor zwei Jahren in einer Online-Abstimmung ausgewählt worden - vor Albert Einstein. Fußball hält Körbel für eine herausfordernde Sportart, weil der Spieler ständig Entscheidungen treffen und sich auch noch mit dem Schiedsrichter auseinandersetzen müsse. Eigentlich - meint Körbel ironisch - hätte sein Hirn nach jedem Spiel „explodieren“ müssen.

Wann die Schau im Museum eröffnet wird, ist noch unklar. (dpa)

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