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Mittwoch, 07.12.2016

„Wir wollen keinen Globus in der Neustadt“

Will der Handelsriese an der Stauffenbergallee einen Markt eröffnen? An der Brache gibt es von vielen Seiten Interesse.

Von Sarah Grundmann

Schöner wohnen an der Ecke Stauffenberg-/Marienallee: Investoren planen 700 Wohnungen,  geplant. Auf einige muss nun zugunsten von Schulen verzichtet werden.
Schöner wohnen an der Ecke Stauffenberg-/Marienallee: Investoren planen 700 Wohnungen, geplant. Auf einige muss nun zugunsten von Schulen verzichtet werden.

© Visualisierung: Lorenzen Architekten

Nun geht es auch noch um Globus. Seit rund einem Jahr wird kontrovers über die Pläne an der Ecke Stauffenberg- und Marienallee diskutiert. Bislang ging es vor allem darum, dass auf dem Areal Platz für die umliegenden freien Grundschulen eingeplant wird. Jetzt mischt sich in die Debatte aber eine ganz andere Frage, die aus der Diskussion um den Masterplan Leipziger Vorstadt bekannt ist: Mit oder ohne Globus?

Erst kürzlich hatte der Handelsriese gegenüber der SZ erklärt, dass er auf seinen umstrittenen Markt am alten Leipziger Bahnhof verzichten würde, wenn die Stadt eine geeignete Alternativfläche zur Verfügung stellt. Ein Antrag, welcher die Verwaltung zur Grundstückssuche auffordert, wird derzeit von der rot-rot-grünen Stadtratsmehrheit vorbereitet. Obwohl weder Stadt noch Globus bislang mögliche Standorte nennen, brodelt die Gerüchteküche. Bereits im vergangenen Jahr gab es Spekulationen, dass der 8 000-Quadratmeter-Markt an der Ecke Stauffenberg-/Marienallee errichtet werden könnte.

Schon damals dementierte die Stadt. Mittlerweile hat sie einen Bebauungsplan erarbeitet, nach dem auf der Brache 700 Wohnungen entstehen sollen. Trotzdem nutzte der Neustädter Ortsbeirat am Montagabend die Debatte darüber, um klar Position zu beziehen: „Wir wollen keinen Globus in der Neustadt“, sagt Christoph Meyer (SPD) und erntet von den Politikern zustimmendes Nicken. „Auch nicht für einen anderen großflächigen Einzelhandel“, ergänzt Annegret Gieland von den Linken. So einigten die Politiker sich mit großer Mehrheit auf ein Globus-Verbot an dem Standort. Und es gab noch viel mehr nachzubessern.

Denn im Fokus der Ortsbeiräte lag eine ganz andere Frage: Wohnungen oder Schulplätze? Beides ist in einer stetig wachsenden Stadt wie Dresden Mangelware. Der Wohnungsnot soll auf dem Areal durch den Bau von Mehrfamilienhäusern mit 700 Apartments zwar ein wenig abgeholfen werden. Doch die Schulplatznot würde sich durch das Neubaugebiet verschärfen. Denn die umliegenden Grundschulen haben in den kommenden Jahren einen steigenden Bedarf an Freiflächen.

Pro Kind müssen sie je nach Alter zwischen vier und zehn Quadratmetern vorweisen können – bislang noch kein Problem. Doch jedes Jahr kommen neue Schüler hinzu. Rund 4 000 Quadratmeter mehr benötigen die Freie Alternativschule, die Melli-Beese-Grundschule und die Freie Waldorfschule in den kommenden Jahren. Ansonsten wird den Bildungseinrichtungen die Betriebserlaubnis entzogen. Vor diesem Problem steht die Freie Waldorf-Schule bereits im kommenden Schuljahr.

„Dabei decken die Freien Grundschulen in der Neustadt 20 Prozent des Bedarfs ab“, sagt Ortsbeirat Oliver Mehl (Grüne), der auch ehrenamtlich im Vorstand der Waldorfschule aktiv ist und wegen seiner Befangenheit am Montagabend im Publikum Platz genommen und nicht über die Vorlage abgestimmt hat. Deshalb hatte das Gremium der Stadt bereits vor einem Jahr den Auftrag gegeben, den Bedarf bei den Schulen abzufragen und in die Planungen mit aufzunehmen. Passiert ist das nicht.

Im vergangenen Monat stellte die Stadt ihre Pläne unverändert vor. Der Neustädter Ortsbeirat plädierte dennoch auf Vertagung und gab den Auftrag zur Nachbesserung – erneut ohne Erfolg. Zwar gab es in der Zwischenzeit Gespräche zwischen Stadt und Schule. Doch die seien „ergebnislos“ , heißt es in einer Pressemitteilung der Schulen. Auch in der Sitzung am Montag verwiesen die Stadtplaner immer wieder auf die Schwierigkeiten.

Denn das Areal gehört zum größten Teil zwei privaten Investoren, denen man keinen Nachteil entstehen lassen könne. Außerdem sei auf der angrenzenden Fläche – im geplanten Wohngebiet „Am Jägerpark“ – der Bau einer zweizügigen Grundschule mit großer Turnhalle geplant. Wenn man diese Pläne noch einmal überarbeite, könne die Turnhalle auch größer gebaut und von den anderen Schulen mitgenutzt werden.

Doch diese Versprechungen reichten dem Neustädter Ortsbeirat nicht aus. Sie stimmten den Plänen der Stadt nur nach einer langen Ergänzungsliste zu: Demnach sollen auf dem Areal an der Stauffenberg-/Marienallee eine Schwimm- sowie eine Turnhalle errichtet werden. Außerdem muss eine große Freifläche für Schulen eingeplant werden. Mit verkehrsberuhigten Straßen, Bushaltestellen und gut ausgebauten Fußwegen soll zudem der Verkehr und der daraus resultierende Lärm in Grenzen gehalten werden. Und auf die eingangs gestellte Frage gab es auch eine klare Antwort: nur ohne Globus.