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Freitag, 04.05.2018

„Wir wissen um die Brisanz“

Aue war gefühlt schon so gut wie aus dem Schneider. Jetzt stehen die Veilchen sogar hinter Dynamo. Hannes Drews weiß, worauf es beim Sachsenkracher am Sonntag ankommt.

In welche Richtung geht es für Hannes Drews mit Erzgebirge Aue? Das Sachsenderby gegen Dynamo ist auch für den Trainer ein besonderes Spiel.
In welche Richtung geht es für Hannes Drews mit Erzgebirge Aue? Das Sachsenderby gegen Dynamo ist auch für den Trainer ein besonderes Spiel.

© Picture Point/Sven Sonntag

Herr Drews, das Sachsenderby als Kellerduell: Ausgerechnet oder kommt Ihnen diese Konstellation gerade recht?

Nein, es wäre für beide Vereine gut, wenn es nur die Brisanz eines Derbys hätte und es nicht noch für beide Mannschaften um sehr, sehr viel gehen würde.

Aue war mit 39 Punkten gefühlt schon so gut wie aus dem Schneider. Dann gab es drei Niederlagen. Was ist passiert?

So ein bisschen das, was Sie gesagt haben: 39 Punkte, alle haben uns auf die Schulter geklopft und gesagt: Mensch, das sieht gut aus. Vielleicht haben deshalb in den Spielen danach ein paar Prozentpunkte gefehlt, wobei ich das gegen Bochum (1:2/d. A.) vorigen Freitag ausnehme, weil sich meine Mannschaft in dem Spiel wieder anders präsentiert hat. Aber gerade gegen Bielefeld (0:2) und Duisburg (1:3) hat etwas von dem gefehlt, was wir in den Wochen zuvor auf den Platz bekommen hatten.

Was meinen Sie konkret?

In Bielefeld hat man gesehen, dass es der Gegner mehr wollte: an der Zweikampfstatistik, an der Laufleistung. Und gegen Duisburg ist in der ersten Halbzeit nicht viel passiert, dann gab es ein paar strittige Schiedsrichter-Entscheidungen und trotzdem war der Gegner in den wichtigen Situationen vom Kopf her mehr da, hat die entscheidenden Zweikämpfe gewonnen.

Sie sind mit 36 Jahren ein junger Trainer. Wie gehen Sie persönlich mit dieser Situation um?

Es ist wichtig, auch wenn diese Phase nicht einfach ist, eine gewisse Ruhe auszustrahlen und Zuversicht. Die ist auch nicht gespielt. Wir haben in dieser Saison gezeigt, was wir können. Das versuche ich, in die Köpfe der Spieler zu bringen. Ich persönlich konzentriere mich auf die Sache, also das Spiel gegen Dresden. Alles drumherum blende ich aus.

Stichwort: Ruhe ausstrahlen. Das ist Ihnen in Bochum weniger gut gelungen, als Sie wegen einer Abseitsstellung beim Führungstor des VfL so heftig protestierten, dass Sie nach fünf Minuten auf die Tribüne mussten …

Sie haben absolut recht, das darf mir nicht passieren. Wobei vielleicht jeder verstehen kann, dass man bei einer klaren Fehlentscheidung in so einer Situation emotional reagiert. Ich darf mich aufregen, aber keine Flasche schmeißen. Das habe ich direkt danach in der Pressekonferenz gesagt: Vielleicht gucken Kinder zu, was bin ich denen für ein Vorbild? Das macht man nicht.

Dynamo contra Aue - die heißesten Derbys

Was spricht für Ihre Mannschaft?

Wir hatten bis vor den drei Spielen eine gute Serie, weil wir kompakt standen, fußballerisch tolle Spiele abgeliefert haben, auswärts wie zu Hause. Daran müssen wir uns erinnern, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass wir am Sonntag gewinnen.

Was spricht für Dynamo?

Wenn man die Spiele gegen Düsseldorf und Kiel anguckt – die hätten auch andersrum ausgehen können. Dresden hat eine gute Offensive, eine gute Kompaktheit, sprich: taktische Disziplin. Da ist ganz klar die Handschrift des Trainers zu erkennen. Uns erwartet ein schwerer Gegner. Wie so oft in der Liga entscheidet die Tagesform.

Sie setzen als Trainer auf die spielerische Linie. Sind denn die traditionellen Auer Tugenden wie Kampf, Leidenschaft und Wille noch abrufbar?

Ja, die Mischung macht’s. Nur diese Tugenden – Mentalität noch dazu – schießen keine Tore. Andererseits: Wenn es einem nur darum geht, guten Fußball zu spielen, und man die Zweikämpfe nicht annimmt, wird es schwierig. Wir haben es in dieser Saison gezeigt: Die richtig gute fußballerische Qualität, die wir in unseren Reihen haben, gepaart mit diesen Tugenden – damit machen wir es jedem Gegner schwer.

Ist es in Aue einfacher, mit so einer Situation umzugehen, weil der Erwartungsdruck geringer ist als in Dresden?

Ich kann nur für uns sprechen. In Aue geht es immer darum, die Klasse zu halten, von daher kennen viele Verantwortliche und auch die meisten Spieler diese Situation. Wir wissen um die Brisanz, aber auch damit umzugehen.

Ist Ihr Kollege Uwe Neuhaus aufgrund seiner Erfahrung im Vorteil?

Das ist natürlich eine gefährliche Frage. Ich schätze den Kollegen und finde, dass er einen tollen Job macht in Dresden. Nach dem Hinspiel (4:0 für Dynamo/d. A.) hat er mir sehr positive Worte gesagt, das fand ich sehr sympathisch. Sicher hat er eine gewisse Erfahrung, aber ob die für das Spiel am Sonntag entscheidend ist, weiß ich nicht.

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Sowohl in Aue als auch bei Dynamo wurde in dieser Saison bereits über einen Trainerwechsel diskutiert. Wie sind Sie damit umgegangen?

In dem Fall ist es wahrscheinlich wirklich so: Wenn man es schon häufiger erlebt hat, dass Kritik an seiner Person aufkommt, hilft es, auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen zu können. Für mich war diese geballte mediale Kritik Neuland.

Wie sind Sie damit klargekommen?

Ich habe viele Gespräche geführt mit den Verantwortlichen im Verein, zudem hatte ich die familiäre Unterstützung, wo mir Mut zugesprochen wurde.

Woran liegt es, dass sowohl Aue als auch Dynamo diese Saison als Berg- und Talfahrt erleben?

Es haben viele Mannschaften solchen Höhen und Tiefen erlebt. Man fährt zu einem Gegner, der sechsmal nicht gewonnen hat und verliert auf einmal, wie wir in Duisburg. Andersrum fahren wir nach acht ungeschlagenen Spielen nach Bielefeld und verlieren dort. Das liegt an der Ausgeglichenheit der Liga.

Sie haben die Brisanz angesprochen: Was wünschen Sie sich fürs Derby?

Dass die Fans im Stadion ihre Mannschaft lautstark unterstützen und alle friedlich miteinander umgehen. Egal, welches Ergebnis es am Ende gibt: Ich wünsche mir, dass beide Mannschaften drin bleiben, weil das für die Region wichtig wäre.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

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