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Donnerstag, 09.08.2018

„Wir stecken mittendrin im Klimawandel“

Johannes Franke (44) ist Klimatologe am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.
Johannes Franke (44) ist Klimatologe am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

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Brennende Felder, aufgeweichter Asphalt, ausgetrocknete Wasserläufe, Rekordhitze: Was wir gerade als ausgesprochenes Wetterextrem empfinden, könnte künftig zur Normalität werden, ganz besonders in der Oberlausitz. Davon ist Klimatologe Johannes Franke vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie überzeugt. Im Gespräch mit der SZ erklärt der 44-Jährige, was die gegenwärtige Witterung mit dem Klimawandel zu tun hat.

Herr Dr. Franke, ist dieses Wetter ein Hinweis auf den Klimawandel?

Ich würde sagen, wir stecken schon mittendrin. Der Witterungsabschnitt, den wir so schon seit dem Frühling erleben, spiegelt genau das wieder, was wir messen und was die Klimamodelle berechnen: Es wird tendenziell wärmer und trockener, dazu werden die Wetterextreme häufiger. Was wir heute als extrem empfinden, wird Normalität.

Wie lässt sich das denn begründen?

Wir vergleichen die Witterung mit den durchschnittlichen Messwerten aus den Jahren 1961 bis 1990. Das ist unser langjähriger Referenzzeitraum. Demgegenüber fallen die Temperaturen der vergangenen Monate marginal aus: Der April war in der Oberlausitz 5,7 Kelvin zu warm. Es war der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1981. Im Mai, Juni und Juli geht das so weiter. Es gibt in den Jahreswerten zwar Schwankungen, aber eine tendenzielle Erwärmung ist deutlich.

Wie ist das mit der Trockenheit?

Noch schlimmer: Ich will das mal mit 2003 vergleichen, das Dürrejahr haben ja viele noch in Erinnerung. 2003 war das trockenste Jahr seit 1881. Dieser Rekord wird 2018 gebrochen werden. Im Boden fehlen jetzt 150 Millimeter Niederschlag. Das könnte selbst ein regnerischer Restsommer nicht ausgleichen.

Was bedeutet es denn, wenn wir uns in Zukunft häufiger auf Hitze und Trockenheit einstellen müssen?

Es bedeutet, dass wir uns eben wirklich darauf einstellen müssen. Wir haben hier kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem. Vor allem in der Landwirtschaft. Nach Dürrehilfen zu rufen, ist keine Lösung. Landwirte können nicht so weitermachen wie bisher. Sie müssen Alternativen überlegen: ob und wie sich Bewässerung rechnet zum Beispiel, ob bestimmte Anbauorte aufgegeben werden müssen, welche Kulturen sinnvoll sind.

Es heißt doch aber, dass die Jahresniederschlagsmenge in Summe gleich bleibt?

Im Sommer wird sie tendenziell sogar größer. Aber was hilft das, wenn monatelang fehlender Niederschlag dann mit einem Mal als örtlich begrenzter Starkregen herunterprasselt. Wenn der auf die ausgetrockneten Böden trifft, kann das Wasser so schnell gar nicht eindringen, sondern spült noch die obere Bodenschicht weg. So entstehen die örtlichen Überschwemmungen, wie wir sie in der letzten Zeit häufig hatten. Die Oberlausitz ist von der Trockenheit besonders betroffen.

Warum die Oberlausitz?

Aufgrund der geografischen Lage liegt sie in der Regel noch im Einflussbereich der kontinentalen, trockenen Luftmassen. Sie wird im Sommer heißer, im Winter kälter und insgesamt trockener.

Gespräch: Jana Ulbrich