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Sonntag, 13.08.2017 15 Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser

„Wir sind vorbereitet“

Nach zwei Hochwassern wollen Helfer und Stadtverwaltung verhindern, dass die Gefahr in Vergessenheit gerät.

Von Stefan Lehmann

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Ein Modell des Hochwasserzentrums zeigt, wie sich ein Jahrhunderthochwasser bis 2006 auf Riesa ausgewirkt hätte. Mittlerweile sähe die Grafik anders aus – allein wegen der Maßnahmen in Gröba und auf der gegenüberliegenden Elbseite. Bis heute allerdings sind die Daten noch nicht in die Online-Karten des Freistaats eingearbeitet worden.
Ein Modell des Hochwasserzentrums zeigt, wie sich ein Jahrhunderthochwasser bis 2006 auf Riesa ausgewirkt hätte. Mittlerweile sähe die Grafik anders aus – allein wegen der Maßnahmen in Gröba und auf der gegenüberliegenden Elbseite. Bis heute allerdings sind die Daten noch nicht in die Online-Karten des Freistaats eingearbeitet worden.
  • Ein Modell des Hochwasserzentrums zeigt, wie sich ein Jahrhunderthochwasser bis 2006 auf Riesa ausgewirkt hätte. Mittlerweile sähe die Grafik anders aus – allein wegen der Maßnahmen in Gröba und auf der gegenüberliegenden Elbseite. Bis heute allerdings sind die Daten noch nicht in die Online-Karten des Freistaats eingearbeitet worden.
    Ein Modell des Hochwasserzentrums zeigt, wie sich ein Jahrhunderthochwasser bis 2006 auf Riesa ausgewirkt hätte. Mittlerweile sähe die Grafik anders aus – allein wegen der Maßnahmen in Gröba und auf der gegenüberliegenden Elbseite. Bis heute allerdings sind die Daten noch nicht in die Online-Karten des Freistaats eingearbeitet worden.
  • Meterhoch stand das Wasser im August 2002 – nicht nur am Bootshaus nahe der Elbe. Elf Jahre später hatten Helfer wie Stadtverwaltung ihre Lehren aus der Flut gezogen.
    Meterhoch stand das Wasser im August 2002 – nicht nur am Bootshaus nahe der Elbe. Elf Jahre später hatten Helfer wie Stadtverwaltung ihre Lehren aus der Flut gezogen.

Riesa. Gäbe es heute ein Jahrhunderthochwasser – Gröba stünde erneut metertief unter Wasser. Den Eindruck bekommt zumindest, wer sich durch die Karten des sächsischen Hochwasserzentrums im Internet klickt. Das Wasser würde sich demnach über das Hafenbecken in Richtung Kirchstraße ausbreiten – so wie 2002.

Ein Horrorszenario für die Anwohner – das sich glücklicherweise wohl so nicht ereignen wird. Denn das Kartenmaterial basiert noch auf längst überholten Daten, die erst nach und nach aktualisiert werden, sagt eine Mitarbeiterin des zuständigen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. So erfasst die Prognose noch nicht die jüngst eingeweihte Hochwasserschutzanlage, die sich nördlich des Hafenbeckens bis zur Elbe erstreckt. Die Abnahme ist bereits erfolgt, lediglich einige mobile Elemente müssen noch offiziell übergeben werden. Dann können die Kräfte der Riesaer Feuerwehr auch üben, den „mobilen Damm“ aufzubauen, erklärt Riesas Feuerwehr-Chef Egbert Rohloff. Einmal im Jahr soll das künftig geübt werden. Wie viele Leute im Ernstfall letztlich für den Aufbau notwendig sein werden und wie lange er dauert, das seien letztlich Erfahrungen, die man erst einmal sammeln müsse. „Wir müssen lernen“, sagt Rohloff.

2002 fehlte das fundierte Wissen

Lernen mussten Stadtverwaltung und Helfer in Riesa auch im Zuge des Hochwassers vor 15 Jahren. Denn das Thema war damals in den Köpfen überhaupt nicht präsent gewesen – jedenfalls nicht in dieser Intensität. Auf über neun Meter stieg der Elbpegel bei Riesa damals. „Das letzte Hochwasser in dieser Stärke war 1890 gewesen“, sagt Bürgeramtsleiter Wolfgang Beckel. Nicht nur für die Anwohner, auch für die Stadtverwaltung war die Flutkatastrophe daher relativ neu. Man habe nicht einmal Modelle zur Verfügung gehabt, um die Pegelstände der nächsten Stunden vorhersagen zu können. Als das Wasser im Jahr 2013 erneut über das Ufer trat, war das anders. Die Prognosen stimmten. „Das ist auch wichtig“, betont Beckel. Denn die Anwohner konnte man so mit fundiertem Wissen beruhigen.

Die Flut 2002 habe den Antrieb gegeben, sich auf das nächste Hochwasser besser vorzubereiten, sagt auch der Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Riesa, Andreas Krüger. 2006 habe sich der ASB das erste Boot zugelegt, mittlerweile ist die „Flotte“ auf drei Stück angewachsen. Mit dem neuesten Modell können die Helfer sogar Feuerwehrtechnik aufnehmen und damit Brandbekämpfung vom Wasser aus leisten. Das erneute Hochwasser 2013 habe noch einmal Impulse gegeben. „Geplant waren danach sechs Katastrophenschutz-Zentren. Eines davon ist auch tatsächlich gebaut worden – es steht in Lichtensee.“

Anderthalb Millionen Euro habe der ASB wohl mittlerweile investiert, um für Hochwasser gerüstet zu sein. Krüger ist sich sicher: „Wir sind vorbereitet.“ Auch die Arbeitsbedingungen der Feuerwehr haben sich laut Wehrleiter Egbert Rohloff verbessert. Gleichzeitig helfen Baumaßnahmen wie der Deich in Gröba nicht nur dabei, dieses Gebiet zu schützen, betont Baubürgermeister Tilo Lindner (parteilos). „Damit werden an dieser Stelle auch nicht mehr so viele Kräfte gebunden.“ Die könnten dann anderswo zum Einsatz kommen. Dazu komme noch, dass die Stadt an vielen kleinen Stellen nachgebessert hat. So wurden bei neuen Baumaßnahmen im Flutgebiet bereits die notwendigen Rückstauklappen in der Kanalisation eingebaut. Ähnliche kleinere Maßnahmen wird es laut Lindner auch noch in Leutewitz geben.

Außerdem liegen mittlerweile Pläne in den Schubladen, anhand derer sich Schritt für Schritt abarbeiten lässt, was bei welchem Pegel zu tun ist. „Dort sind zum Beispiel alle Objekte erfasst, wo das Hochwasser hinkommen könnte“, erklärt Bürgeramtsleiter Wolfgang Beckel. Einen solchen Maßnahmeplan habe es 2002 schlicht und ergreifend noch nicht gegeben. Nun ist er verfügbar. Das bedeutet auch, dass die Helfer ihre Kräfte gezielter einsetzen können.

„Wir werden keine Mittel sinnloserweise binden“, stellt Tilo Lindner klar. Das ganze Stadtgebiet vor Hochwasser zu schützen, ist ohnehin kaum möglich. Insbesondere der Bereich zwischen Elbe und Döllnitz ist und bleibt gefährde, ebenso weite Teile von Leutewitz. Wobei die Häuser dort dann auf einer Insel stehen, erklärt Lindner . „Dort besteht eher die Frage der Zuwegung und wie man verhindert, dass aus der Kanalisation Wasser hochgedrückt wird.“

Für ähnlich wichtig wie die bauliche und inhaltliche Aufstellung halten die Helfer und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Frage, wie man das Thema „auch in Friedenszeiten in den Köpfen behält“. Dafür soll am 8. Oktober erstmals ein „Tag der Helfer“ sorgen, an dem sich Hilfsorganisationen wie ASB, Feuerwehr und THW vorstellen. In Workshops und Vorträgen werden Mitarbeiter der FH Bielefeld außerdem erläutern, was jeder Einzelne tun kann, um sich gegen das Hochwasser zu wappnen.

Im Vorfeld sollen auch die betroffenen Anwohner befragt werden, wo ihnen beim Thema Flutschutz der Schuh drückt. Idealerweise soll der Tag der Helfer schon die ersten Ergebnisse der Umfrage aufgreifen. Auch die moderne Technik soll es zu sehen geben, verspricht Tilo Lindner. Das alles durchaus auch in der Hoffnung, einige Augen zum Leuchten zu bringen und Anwohner für ein Engagement bei der Feuerwehr und den Hilfsorganisationen zu bewegen. „Wenn das gut funktioniert, dann könnte aus diesem Tag der Helfer auch durchaus eine Reihe werden“, sagt der Baubürgermeister.