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Freitag, 08.06.2018

Wir sind ein aktiver Kongress

Interview mit Erich Marks, Geschäftsführer des Deutschen Präventionstages

Von Birgit Hilbig

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Bild: Der 23. Jahreskongress 2018 findet im Internationalen Congress Center Dresden statt. Foto: Thessa Wolf
Bild: Der 23. Jahreskongress 2018 findet im Internationalen Congress Center Dresden statt. Foto: Thessa Wolf
  • Bild: Der 23. Jahreskongress 2018 findet im Internationalen Congress Center Dresden statt. Foto: Thessa Wolf
    Bild: Der 23. Jahreskongress 2018 findet im Internationalen Congress Center Dresden statt. Foto: Thessa Wolf
  • Bild: Partner bei der Prävention (v. l. n. r.): Dresdens OB Dirk Hilbert, DPT-Geschäftsführer Erich Marks, Innenminister Roland Wöller und LPR-Geschäftsführer Sven Forkert | Foto: Foto: SMI/Ziehm, 2018
    Bild: Partner bei der Prävention (v. l. n. r.): Dresdens OB Dirk Hilbert, DPT-Geschäftsführer Erich Marks, Innenminister Roland Wöller und LPR-Geschäftsführer Sven Forkert | Foto: Foto: SMI/Ziehm, 2018

Welches waren die Gründe, den Präventionstag 1995 ins Leben zu rufen? Es leuchtet wohl jedem ein, dass es besser und billiger ist, Schäden vorzubeugen, als sie zu beheben – das gilt auch für Straftaten und deren Verfolgung. Doch die alte Bundesrepublik lag bei der Kriminalprävention in den 1980ern weit hinten: Akteure wie Schule, Verwaltung, Jugendhilfe und Polizei redeten kaum miteinander. Die Nordeuropäer, vor allem die Dänen, setzten damals schon auf Zusammenarbeit und bildeten kommunale Präventionsräte. Als erstes deutsches Bundesland übernahm Schleswig-Holstein diesen Ansatz und erzeugte in den 1990ern eine Aufbruchstimmung. Immer mehr Akteure stellten sich nun die Frage, wie und mit wem sie ihr Tun koordinieren könnten. Der Präventionstag sollte diese Menschen und Institutionen zusammenbringen und die Entwicklung geeigneter Strukturen fördern.

Was erwarteten Sie von dieser Premiere?

Wir waren uns ziemlich sicher, dass der Präventionstag positive Effekte haben und keine Eintagsfliege sein würde. Heute geht es, wie damals auch, um Erfahrungsaustausch und Weiterbildung all jener, die in irgendeiner Weise mit Kriminalprävention zu tun haben. 1995 kamen 168 Teilnehmende aus allen deutschen Bundesländern und auch bereits aus dem Ausland. In diesem Jahr in Dresden sind es knapp 3 000 Fachleute unterschiedlichster Berufe, Funktionen und Sichtweisen, darunter 200 ausländische aus insgesamt 54 verschiedenen Ländern. Woran orientieren sich die Themen der jeweiligen Präventionstage? Uns war von vornherein klar, dass auf allen Kongressen die gesamte Bandbreite der Kriminalprävention und angrenzender Präventionsbereiche diskutiert werden muss. Relativ frühzeitig hatten wir dennoch die Idee, jeden Kongress unter ein spezifisches Schwerpunktthema zu stellen. Dafür versuchen wir aktuellle Debatten und den Zeitgeist einzufangen. In Dresden ist uns das mit dem Thema „Gewalt und Radikalität“, glaube ich, gut gelungen. Zum jeweiligen speziellen Themenschwerpunkt gibt es in jedem Jahr ein Gutachten und mehrere Fachvorträge. Das Gutachten hat den Vorteil, dass ein Thema zumindest aus einer Fachrichtung her detailliert beleuchtet wird und alle Kongressteilnehmenden darauf Bezug nehmen können und nicht jedes Mal von Neuem das Rad erfinden müssen.

Wie werden die Veranstaltungsorte ausgesucht, und warum fiel die Wahl diesmal auf Dresden?

Der Deutsche Präventionstag wird im jährlichen Wechsel in verschiedenen Bundesländern und Städten veranstaltet, weil es überall unterschiedliche Präventionskulturen gibt. Die Gastgeber bringen sich mit ihren konkreten Präventionserfahrungen natürlich besonders stark ein, sollen aber möglichst auch besonders viel vom Kongress profitieren. Ein schöner Anlass in diesem Jahr, Dresden auszuwählen, ist unter anderem das zehnjährige Bestehen des Landespräventionsrates Sachsen. Die hierzulande gut funktionierenden Strukturen sollen damit auch ein Stück weit gewürdigt werden.

Welche Experten werden als Referenten eingeladen?

Wir sind ein aktiver Kongress! Wir sind stolz darauf, dass sich der Präventionstag nicht auf Frontalunterricht beschränkt, sondern dass sich sehr viele Menschen und Institutionen einbringen: Über 1 000 Praktiker, Wissenschaftler, Politiker und Verwaltungsbeamte beteiligen sich mit einem Vortrag, einem Ausstellungsstand, einem Theaterstück, einem Poster – diese Vielfalt ist uns ganz wichtig. Manche Akteure werden von uns angesprochen, viele melden sich aber auch von selbst. Wir haben meist deutlich mehr Vorschläge zur aktiven Mitarbeit, als wir im Programm unterbringen können.

Über welche prominenten Gäste freuen Sie sich besonders?

Wir freuen uns immer sehr, wenn sich profilierte Praktiker und Wissenschaftler sowie Präventionspolitiker Zeit für unseren Kongress nehmen. Die Bundespolitik ist in diesem Jahr mit den Ministerinnen Katarina Barley und Franziska Giffey hochrangig vertreten. Gleiches gilt für die Landesund Kommunalpolitik, namentlich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der nicht nur, wie es traditionell üblich ist, die Schirmherrschaft des Präventionstages übernommen hat, sondern auch persönlich dabei ist – ebenso wie der Erste Dresdner Bürgermeister Detlef Sittel.

Was können Fachleute für ihre tägliche Arbeit mitnehmen?

Im Mittelpunkt stehen bei unserem Kongress Information, Kooperation und Kommunikation. Das Wichtigste ist dabei für die meisten der unmittelbare fachliche Austausch: Wie lösen andere bestimmte Probleme? Wo setzen sie ihre Schwerpunkte? Wir bieten mit unserem Kongress also einen breiten Austausch für Praxis, Forschung und auch Politik. Viele Akteure sind in ihren Kommunen ziemlich auf sich allein gestellt, wir möchten eine Plattform bieten, um das zu ändern.

Welches Feedback erhalten Sie von den Teilnehmern?

Seit rund 15 Jahren bitten wir die Teilnehmenden um Rückmeldungen, Bewertungen und Anregungen. Die zahlreichen und zumeist sehr differenzierten Rückmeldungen publizieren wir und lassen sie in die Planung der nächsten Kongresse einfließen. Die Zufriedenheitsquote des vergangenen 22. Deutschen Präventionstages lag bei 84 Prozent und einer Gesamt-Schulnote von 1,9.

Wie wird der Präventionstag von Politik und Verwaltung wahrgenommen? Was kann er bewirken?

Uns geht es nicht um Bekanntheit des Kongresses selbst, sondern darum, dass die Fachleute gemeinsam etwas bewirken und gesellschaftlich bewegen. Sämtliche Vorträge und Forschungsergebnisse sind im Netz nachzulesen, was auch rege genutzt wird, wie Zehntausende Downloads bestätigen. Am Ende jedes Kongresses wird seit vielen Jahren eine Erklärung mit Forderungen formuliert. In diesem Jahr haben wir die Erklärung bereits im Vorfeld bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei Dresden veröffentlicht. Wir hoffen auf breite Resonanz insbesondere in der Präventionspolitik.


Seit zehn Jahren ein Dach


Von Bindung und Freundschaft