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Donnerstag, 13.09.2018

„Wir müssen uns als Sprungbrett sehen“

Die Lausitzer Füchse starten mit einem neuen Trainer in die Eishockey-Saison. Dabei wollte der Manager den Wechsel nicht.

Dirk Rohrbach, 46, hat von klein auf in Weißwasser Eishockey gespielt, war sieben Jahre Trainer und ist jetzt Manager der Füchse.
Dirk Rohrbach, 46, hat von klein auf in Weißwasser Eishockey gespielt, war sieben Jahre Trainer und ist jetzt Manager der Füchse.

© Robert Michael

Es war die Eishockey-Posse des Sommers: Robert Hoffmann möchte nicht länger Cheftrainer bei den Lausitzer Füchsen sein, weil er mit seinem Assistenten nicht klarkommt. Dabei hatte er Chris Straube mit ausgesucht. Der Verein musste reagieren, verpflichtete mit dem 41 Jahre alten Kanadier Corey Neilson einen Chefcoach. Vor dem Start in die neue Zweitliga-Saison am Freitagabend in Weißwasser gegen Freiburg erklärt Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach die Hintergründe.

Herr Rohrbach, Sie waren bis vor knapp drei Jahren selbst Trainer der Füchse. Nun gibt es bereits den fünften Nachfolger – woran liegt das?

Dabei sind unterschiedliche Umstände zu betrachten. Peter Ihnacak, der mich abgelöst hat, wollte nur bis Jahresende arbeiten, Paul Gardner wäre vielleicht nicht der Richtige für unsere Strategie mit jungen Leuten gewesen, Hannu Järvenpää hat das Handtuch geworfen. Die Situation mit Robert Hoffmann bedaure ich sehr, nachdem wir ihm nach dem geglückten Klassenerhalt das Vertrauen geschenkt hatten.

Er hat das offenbar anders gesehen und im Kompetenzgerangel mit seinem Assistenten hingeworfen …

Wenn ich Cheftrainer bin, weiß ich, welche Verantwortung ich habe. Ich habe alle Freiheiten, die Mannschaft so zu leiten und zu formen, wie ich das gerne möchte. Deshalb habe ich seine Entscheidung bis heute nicht verstanden. Wir haben versucht, ihn zu halten, aber von ihm gab es die klare Aussage: Er wird nicht mit Chris Straube zusammenarbeiten. Das war kurz vor dem Trainingsstart, uns drängte die Zeit. Sonst hätte ich mich selber hinstellen müssen.

Sie waren von 2009 bis 2016 Trainer bei den Füchsen, das wäre also durchaus eine Option gewesen – oder?

Nein. Ich bin als Geschäftsführer verantwortlich für den wirtschaftlichen Bereich, den sportlichen Teil verantwortet der Trainer. Er kann mir Vorschläge unterbreiten, welche Spieler er holen will, ich bin dafür zuständig, im Rahmen unserer finanziellen Vorgaben die Verträge zu schließen.

Hatten Sie eine imaginäre Liste mit potenziellen Kandidaten?

Man beobachtet das Trainerkarussell, aber für uns war das ja bis dahin gar kein Thema. Umso erstaunlicher war es, dass innerhalb von zwei Tagen mehr als 25 Bewerbungen eingegangen sind. Wir haben die sortiert, uns aber sehr schnell für Corey Neilson entschieden.

Nach welchen Kriterien?

Unsere Strategie ist bekannt. Wir wollen mit einer jungen Mannschaft, gespickt mit erfahrenen Spielern, auftreten. In den vergangenen zwei Jahren waren wir das jüngste Team in der DEL 2. Wichtig war es für uns also, dass der neue Trainer mit jungen Spielern arbeiten kann, ihnen Einsatzzeiten gibt, sie weiterentwickelt. Corey Neilson hat in England zehn Jahre lang erfolgreich auf dieser Basis gearbeitet. Wenn man ins Viertelfinale der Champions League einzieht, ist das für mich ein Beleg, dass man auf sehr hohem Niveau trainiert und gespielt hat.

Wieso hat sich einer wie er für Weißwasser entschieden?

Er hat nach der langen Zeit auf der Insel eine neue Herausforderung gesucht. Deutschland kennt er, hat eine Saison bei Timmendorfer Strand gespielt.

Müssen Sie fürchten, dass er sich nur ins „Schaufenster“ stellt und nach einem Jahr wieder weg ist?

Das ist legitim und trifft auf einen Trainer genauso zu wie auf Spieler. Wenn die sich bei uns entwickeln und das Potenzial für die DEL haben, kann ich sie auch nicht halten. Ich sehe es andersrum: Wenn ein Trainer bei uns hervorragende Arbeit leistet und sich für andere Vereine empfiehlt, profitieren wir davon. Genau das macht uns stark, dass wir Leute haben, die etwas wollen. Wir müssen uns als Sprungbrett sehen.

Mit welchem Ziel starten die Füchse am Freitag in die neue DEL-2-Saison?

Es sollte realistisch sein, die Pre-Play-offs zu erreichen. Wir sind nicht so vermessen, viel mehr zu erwarten, aber wir konnten einige neue Spieler verpflichten, sind dabei finanziell bis an die Schmerzgrenze gegangen. Platz zehn sollte mit diesem Kader absolut möglich sein.

Gespräch: Steffen Bistrosch, Sven Geisler.