erweiterte Suche
Mittwoch, 12.09.2018

„Wir müssen ein Wettrüsten verhindern“

Ex-Eislöwen-Trainer Thomas Popiesch geht mit Bremerhaven ins dritte DEL-Jahr und betrachtet Dresden als Konkurrenz.

Wieder mal in Dresden: Thomas Popiesch kommt am letzten August-Wochenende mit den Fischtown Pinguins zum Eislöwen-Turnier und verlässt die Eishalle als Sieger.
Wieder mal in Dresden: Thomas Popiesch kommt am letzten August-Wochenende mit den Fischtown Pinguins zum Eislöwen-Turnier und verlässt die Eishalle als Sieger.

© Robert Michael

Er hat die Dresdner Eislöwen fast sieben Jahre trainiert. Ende 2015 kam das Aus für Thomas Popiesch und er Anfang 2016 zu den Fischtown Pinguins. Mit Bremerhaven spielt der gebürtige Ost-Berliner seitdem in der Deutschen Eishockey-Liga. In den vergangenen beiden Spielzeiten überraschte seine Mannschaft mit dem Einzug in die Play-offs. Im SZ-Interview spricht der 53-Jährige über den Glanz der olympischen Silbermedaille, den künftigen Auf- und Abstieg sowie Trainingslager im Ausland. Doch eine Frage lässt er unbeantwortet.

Herr Popiesch, das Endspiel bei den Winterspielen liegt ein gutes halbes Jahr zurück. Wie sehr strahlt die olympische Silbermedaille noch?

Die Aufmerksamkeit für Eishockey ist seitdem schon enorm gestiegen. Die Leute standen frühmorgens fünf Uhr auf, um das Finale anzuschauen. Allein das fand ich faszinierend. Es beweist: Erfolge machen attraktiv. Sie schaffen Helden. Viele Kinder meldeten sich bei uns. Sie wollen ihnen nacheifern. Da sollten wir ansetzen. Wir können bei der Ausbildung von Auswahlspielern für die Nationalmannschaft ruhig einen Zahn zulegen. Die Besten schaffen es immer häufiger in die NHL und setzen sich auch dort durch. Es liegt in unser aller Verantwortung, weitere positive Schlagzeilen folgen zu lassen. Der Auf- und Abstieg war der Startschuss, um uns nach dem Fußball als Sportart Nummer zwei zu etablieren.

Sie erwähnen die Durchlässigkeit von DEL und DEL 2. Wie finden Sie die Rückkehr zur Verzahnung zwischen den beiden Profiligen ab 2020/2021?

Durchweg positiv. Ich war immer ein klarer Befürworter des Auf- und Abstiegs und bin froh, dass das Thema vom Tisch ist. Darauf haben doch alle gewartet. Es ist eine Grundvoraussetzung für eine positive Außendarstellung. Natürlich müssen wir auch die Risiken beachten und ein Wettrüsten verhindern. Die Klubs dürfen nicht über ihre Verhältnisse leben – weder oben noch unten.

Bremerhaven hat 2016 vom Aus der Hamburg Freezers profitiert, deren Lizenz übernommen und zweimal als Viertelfinalist überrascht. Mit welchem Ziel gehen Sie in Ihre dritte Saison?

Überraschungsmannschaft klingt doch gut. Genau das wollen wir bleiben. Da machen wir am Ende nichts verkehrt. Letztlich entscheiden Details, beispielsweise Ausfälle von Kranken oder Verletzten. Das lässt sich ja nicht planen. Wir sind der Klub mit dem kleinsten Budget. Da geht sehr viel über die Einstellung und den Kopf. Traditionsteams wie Krefeld, die bereits Meister gewesen sind, müssen immer in die Play-offs einziehen und mindestens das Halbfinale erreichen. Ansonsten wird alles hinterfragt. Wir hatten in der vergangenen Saison zwischen Weihnachten und Neujahr mal eine Niederlagenserie und dennoch ein sehr gutes Gefühl, weil wir wussten, dass wieder andere Zeiten kommen.

Sie sprechen den Mini-Etat Ihres Klubs an. Über wie viel Geld reden wir da?

Vier bis fünf Millionen Euro.

Welche Budgets haben Spitzenvereine?

Zwölf bis 15 Millionen Euro. Da gibt es einige richtig reiche Klubs. München, Berlin und Nürnberg, die Champions League spielen, außerdem Mannheim, Ingolstadt, Köln und Wolfsburg. Alle schwimmen im Geld. Doch auch sie müssen ihre Ziele erst mal erreichen und ihre Qualität aufs Eis bringen. Gelingt ihnen das nicht, müssen wir da sein. Eigentlich machen sie das Halbfinale unter sich aus. Für uns geht es normalerweise bloß um die Plätze dahinter.

Was benötigen Sie, um gegen diese Topklubs bestehen zu können?

Wir brauchen ein funktionierendes Mannschaftsgefüge und ein, zwei überragende Leute, die aus diesem stabilen Team herausstechen. In der ersten DEL-Saison war das der Torhüter und in der abgelaufenen Serie der Mittelstürmer Jan Urbas.

Sie haben wie die Eislöwen in Großbritannien getestet und sind auch in den Niederlanden gewesen. Was bringen Trainingslager im Ausland?

Als Spieler war ich viel in Südeuropa, der Schweiz und Tschechien. Als Trainer war ich nach Dänemark jetzt eben auch mal auf der Insel und in Heerenveen. Da kommen wir ja nicht alle Tage hin. Das ist eine gute Abwechslung und macht die Vorbereitung auf die Saison attraktiver. So können wir beeinflussen, wie wir uns auf die Serie einstimmen und als Team zueinanderfinden. Eishockey verändert sich doch kaum.

Warum kooperieren Sie in der nächsten Saison mit Crimmitschau in der DEL 2?

Das hängt mit den Managern beider Teams zusammen. In der vergangenen Serie arbeiteten wir mit den Eislöwen zusammen. Da spielte Christoph Körner auf Leihbasis in Dresden. Er bekommt auch in der nächsten Saison eine Förderlizenz bei den Eispiraten. Das spielt aber bald eh keine Rolle mehr. Je näher der Auf- und Abstieg rückt, desto größer wird der Konkurrenzgedanke zwischen allen Klubs und beiden Ligen.

Wie lange bleiben Sie in Bremerhaven?

Die Laufzeit meines Vertrages ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Das Gespräch führte Maik Schwert.