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Montag, 13.08.2018

„Wir kommen an einem Sporthallenbau nicht vorbei“

Bürgermeister Peter Pfitzenreiter spricht über Bolzplätze, Trendsportarten in Freital und die Frage, wo neue Anlagen entstehen können. Doch es gibt ein Problem.

Von Annett Heyse

Als Erster Bürgermeister ist Peter Pfitzenreiter (CDU) auch für den Sport zuständig. Freitals Anlagen, sagt er, seien in einem guten bis sehr guten Zustand. Investitionsbedarf gibt es trotzdem. Die Plätze, Gymnastikräume, Turnhallen und Kampfbahnen müssen in Schuss gehalten werden.
Als Erster Bürgermeister ist Peter Pfitzenreiter (CDU) auch für den Sport zuständig. Freitals Anlagen, sagt er, seien in einem guten bis sehr guten Zustand. Investitionsbedarf gibt es trotzdem. Die Plätze, Gymnastikräume, Turnhallen und Kampfbahnen müssen in Schuss gehalten werden.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Bevor der Freitaler Stadtrat dieses Jahr in die Sommerpause ging, ging es noch mal ganz sportlich zu: Auf dem Tisch lag ein mehr als 70-seitiges Papier mit dem sperrigen Namen „Sportstättenbedarfsanalyse“. Es war eine Bestandsaufnahme aller Freitaler Spielfelder, Hallen und Gymnastikräume. Untersucht wurden Zustand, Größe, Lage, Auslastung. Und die Analyse befasste sich mit der Frage, ob das alles ausreichend ist.

Das Ergebnis sagt: Leider nein. Geht die Entwicklung der Einwohnerzahlen und der sportlichen Aktivitäten weiter wie in den vergangenen Jahren, müssten bis 2030 sechs weitere Fußballplätze, sechs Einfeld-, eine Zweifeld- und eine große Dreifeldhalle gebaut werden. Es fehlt an einer Tennishalle, das Hallenbad im Hains müsste vergrößert werden. Reitanlage gibt es gar keine, auch in dieser Sportart ist Nachholbedarf. Freital müsste rund 37 Millionen Euro für Neubauten und Sanierung investieren – unmöglich, heißt es aus dem Rathaus. Aber was wäre realistisch und wie will die Stadt das Problem anpacken? Darüber sprach die SZ mit Freitals Sozialbürgermeister Peter Pfitzenreiter (CDU).

Herr Pfitzenreiter, sind Sie selbst in Ihrer Freizeit sportlich aktiv?

Seit 20 Jahren gehe ich in die Tanzschule Richter und nehme an Wettkämpfen teil. Unsere Mannschaften haben schon viele Erfolge erzielt, zuletzt den Deutschen Meistertitel 2018 geholt. Ich versuche, so oft es geht, für den Tanzsport und für begleitenden Sport für die Fitness Zeit freizuhalten – trotz des umfassenden Arbeitsalltags. Tanzen ist für mich ein wunderbarer Sport, ich kann nur dafür werben.

Die Freitaler sind sehr sportlich, hat die Analyse ergeben. Zu Spitzenzeiten sind die Fußballplätze, Schwimmbäder und Turnsäle stark ausgelastet. Vor allem im Winter fehlt es an Hallenkapazitäten. Wie beurteilen Sie die Situation?

Ein Großteil des Bedarfs ist derzeit gedeckt. Auch befinden sich die meisten Sportstätten auf einer Schulnotenskala im Bereich eins und zwei, also in einem sehr guten bis guten Zustand. Zudem haben wir ein breites Angebot. Es gibt in Freital eine 100-Meter-Schießanlage, eine BMX-Strecke, eine Halle, wo man Tambourelli spielen kann – um mal einige Beispiele zu nennen. Die Sportanlagen sind gut übers Stadtgebiet verteilt. Ja, wir haben auch Defizite und wir sind dabei, laufend Geld zu investieren und Maßnahmen zu planen, um diese zu beheben. Eines muss ich aber sagen: Die 37 Millionen und mehr als 50 000 Quadratmeter Fläche haben wir nicht, um den Bedarf zu 100 Prozent zu decken.

Welche Projekte werden unabhängig von der Bestandsaufnahme bereits geplant und zeitnah umgesetzt?

Wir investieren laufend und bedarfsorientiert in die Sportanlagen der Stadt, zudem in Nebenanlagen und den Betrieb. So hat Blau-Weiß Stahl Freital in diesem Jahr neue Container für Bälle, Trikotsätze, Trainingsgeräte und Kassenbereich bekommen. Der gesamte Umkleidebereich im Hains wurden umgebaut und erweitert. Das Becken im Freibad Zauckerode wurde saniert, das hat die Stadt allein 500 000 Euro gekostet. Die SG Weißig bekommt ein neues Vereinsgebäude. In Wurgwitz ist die Erneuerung des Kunstrasenplatzes fast abgeschlossen. In Potschappel entsteht neben der Turnhalle an der Turnerstraße eine Mehrzweckspielfläche. Am Bolzplatz in Somsdorf sollen neue Ballfangzäune errichtet werden. Die Arbeiten an der Ludwig-Richter-Grundschule für eine Turnhalle als Ersatzneubau laufen. In den kommenden zwei Jahren sind weitere Projekte geplant, manche schon sehr konkret.

Welche denn zum Beispiel?

Der von einigen Sportlern angelegte Bike Park im Birkenwäldchen Zauckerode soll professionell ausgebaut werden. Die Pesterwitzer Turnhalle braucht einen neuen Geräteraum und wir wollen einen Bolzplatz auf dem Areal errichten. Die Laufbahn im Johannes-Mey-Stadion ist verschlissen und muss saniert werden. Wir wollen die Bogenschießanlage am Stadion des Friedens ausbauen. Neben der Kleinnaundorfer Turnhalle soll ein Mehrzweckkleinspielfeld mit Beachvolleyballplatz errichtet werden, dass für verschiedene Sportarten nutzbar ist. Und natürlich gehen die Pläne auch schon weiter für die nächsten Vorhaben und Jahre.

Welche neuen Entwicklungen gibt es in der Freitaler Sport-Szene, welche Wünsche resultieren daraus und wie kann die Stadt junge Sportarten unterstützen? Wohin geht der Trend?

Der Bike Park im Birkenwäldchen ist eine Anlage, die aus einer Trendsportart hervorgegangen ist. Jetzt hat sich ein Verein gegründet, der den Bike Park dann auch bewirtschaftet. Wir beobachten, dass der Trend in Richtung individueller Gesundheitssport geht. Radfahren, Joggen – das zum Beispiel. Dazu braucht man häufig keine Sportanlagen und Vereine. Gut ausgebaute Radwege allerdings werden von jedem Radfahrer gerne angenommen und auch da tut sich etwas. In diesem Jahr beispielsweise will die Stadt Freital ihren Abschnitt der Butterstraße von Somsdorf in Richtung Höckendorf asphaltieren. Zudem führt die demografische Entwicklung zu neuen Trends: Unter den aktiven Sportlern sind immer mehr Senioren, die Fitness und Gymnastik betreiben. Die brauchen überdachte Anlagen.

Also werden doch ein paar neue Hallen gebraucht. Wo sollen diese entstehen?

Zunächst wollen wir unsere Sporthallen weiterentwickeln und so ausbauen, dass sie multifunktional sind. Es geht darum, an einem Ort möglichst viele Nutzungsmöglichkeiten anzubieten, um die effiziente Unterhaltung zu gewährleisten. Es gibt auch Ideen für weitere Sportanlagen, die allerdings noch nicht spruchreif sind. Ein Problem bei Neubauten ist neben dem finanziellen Aspekt der Flächenbedarf. Wir haben in Freital nicht unendlich viel Platz für neue Hallen und Sportplätze. Wir konkurrieren bei den freien Bauflächen auch mit Wohnen und Gewerbe.

Wäre nicht am Stadion des Friedens noch Platz für weitere Anlagen, vielleicht sogar für eine Turnhalle?

Wir werden an der Erweiterung der Hallenkapazitäten nicht vorbeikommen. Welche Standorte dafür geeignet sind, wollen wir im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts gemeinsam mit den Stadträten festlegen. Das Stadion des Friedens hat viele Vorteile und sicher viel Potenzial. Es ist zentral gelegen, Parkplätze sind vorhanden, der Bus hält in der Nähe. Den Investitionsbedarf in Umkleiden und Vereinsräume dort haben wir bereits im Blick. Was darüber hinaus kommt, muss man sehen. Als Stadt können wir nur Sportstätten bauen und erhalten, die dann auch genutzt und bewirtschaftet werden. Dabei gilt es auch auf die Entwicklung in den Vereinen zu schauen – beim Stadion des Friedens wie anderswo. An dem Punkt möchte ich es im Übrigen nicht versäumen, allen Leuten in den Sportvereinen für ihre großartigen Leistungen für den Sport und die Gesellschaft, die Arbeit vor und hinter den Kulissen sowie die Bewirtschaftung der Anlagen herzlich zu danken.