erweiterte Suche
Donnerstag, 12.07.2018

„Wir feiern Weltoffenheit und Toleranz“

In Nebelschütz beginnt am Freitag das 21. Internationale Gemeindefest. Nicht nur der Bürgermeister freut sich darauf.

Nebelschütz mit Heldhaus (vorn) und der katholischen Kirche freut sich auf viele Gäste des 21. Internationalen Gemeindefestes am Wochenende.
Nebelschütz mit Heldhaus (vorn) und der katholischen Kirche freut sich auf viele Gäste des 21. Internationalen Gemeindefestes am Wochenende.

© René Plaul

Nebelschütz. Für Freude und vielfältige Kontakte ebnet es den Weg, und zu Weltoffenheit und Toleranz soll es ermutigen. Das 21. Internationale Gemeindefest in Nebelschütz findet vom 13. bis 15. Juli statt. Über die Vorbereitung, Motivation und Inhalte sprach die SZ mit Bürgermeister Thomas Zschornak.

Herr Zschornak, das Internationale Gemeindefest steht bevor. Kann die Motivation der Organisatoren auch bei der 21. Auflage noch hoch sein?

Warum denn nicht? Das Fest ist wie immer ein Zeichen der Solidarität in der Gemeinde. Unsere Vereine organisieren es zusammen. Wir wollen alle fünf Ortsteile einbinden. Gerade das Gemeindefest stärkt die Verbundenheit zur Heimat, es stärkt die Verbundenheit der Einwohner mit ihren Orten nach innen. Gerade das Gemeindefest führt seit Jahren immer wieder Kulturen aus aller Welt zusammen. So entstehen Freundschaften. Und so entsteht Erfahrungsaustausch. Genau das wollen wir erreichen.

Das alles klingt nach einer langfristigen Vorbereitung. Ist das so?

Das ist so. Bereits im vorigen Jahr im frühen Herbst begannen die Vorbereitungen. Gemeinde, Vereine und Jugendklubs diskutierten die Inhalte. Wir legten zusammen Schwerpunkte fest. Wir haben sie jetzt vor einigen Wochen nochmals sorgfältig abgestimmt.

Bleibt es beim internationalen Charakter des Festes?

Zu Gast kommen Partner aus drei tschechischen Regionen: aus Hermanice u Frýdlantu, aus Rostoky und aus Hlucin. Mit Hermanice u Frýdlantu verbindet die Gemeinde durch die Hochwasser-Hilfe eine längere Freundschaft. Wir pflegen auch kulturelle Kontakte, zum Beispiel mit Musiklehrer Otakar Výšek. Zum Gemeindefest treffen sich die Feuerwehren Nebelschütz und Piskowitz mit der Feuerwehr Hermanice u Frýdlantu. Der Erfahrungsaustausch über Themen wie praktische tägliche Einsatzbereitschaft, Ausbildung, Ausrüstung, Technik, Nachwuchsarbeit und vieles mehr wird möglich sein. Die Kameraden können ihre Technik vorstellen und besichtigen lassen. Ein Workshop ist geplant. Mit Rostoky verbindet die Sportgemeinschaft SG Nebelschütz seit 50 Jahren eine Partnerschaft. Die Kontakte sollen erneuert und vertieft werden. Es wird ein Fußball-Freundschaftsspiel geben. Mit Hlucin pflegt die Gemeinde seit 2000 die Partnerschaft. Regelmäßig besuchen wir uns. Zum Gemeindefest kommt eine kleine Delegation aus Tschechien.

21. Internationales Gemeindefest-Programm

1 von 3

Freitag, 13. Juli
Geselliger Abend für alle Einwohner und Gäste.

18 Uhr: Öffnung des Festplatzes.

21 Uhr: Auftritt „Die wilde Rasselbande“ Nebelschütz.

Danach: Film „Nebelschütz, damals war´s“ über Nebelschütz und seine Menschen.

Sonnabend, 14. Juli
13-18 Uhr: Beachvolleyball-Turnier der Jugend auf dem Sportplatz.

11Uhr: Treffen, Erfahrungsaustausch, Workshop mit der Freiwilligen Feuerwehr Hermanice u Frýdlantu (Tschechien), Besichtigung und Vorführung der Technik.

18 Uhr: Öffnung des Festplatzes in Nebelschütz

21-2 Uhr: Partyband Jolly Jumper aus Bautzen, bis 3 Uhr Video-Diskothek mit Toralf.

Sonntag, 15. Juli
9 Uhr: Festgottesdienst in der Pfarrkirche.

10 Uhr: Besichtigung und Vorführung der Feuerwehrtechnik.

11-13 Uhr: Frühschoppen im Festzelt mit Kamenzer Hutberg-Musikanten.

11 Uhr: Einweihung des Partnerschafts-Wegweisers auf dem Festzelt; Mittagessen ungarische Gulaschsuppe und weitere Angebote.

14-16 Uhr: Präsentation der Partnergemeinden, kleiner Markt

14 Uhr: Kaffee und Kuchen der Elisabeth-Frauen, Plinse vom Heimat- und Kulturverein Nebelschütz; Lausitzer Heidehof zu Gast mit Ponyreiten und Alpakas.

14.30 Uhr: Kulturprogramm im Festzelt. Der Puppenspieler kommt mit „Der Schweinehirt“. Auftritt des Sorbischen Dorfensembles Wudwor. Auftritt von „Die wilde Rasselbande“ aus Nebelschütz.

17 Uhr: Fußball WM-Finale auf der Videoleinwand im Festzelt.

19 Uhr: Verlosung der Tombola im Festzelt

Am Sonntag gibt es für die kleinen Gäste Hüpfburg und Kinderschminken. Im Zollhaus und in der Scheune bieten die Vereine der Gemeinde leckere Speisen und Getränke an.

Wie binden Sie sonst die Partnergemeinden zum Fest ein?

Unsere polnische Partnergemeinden Namyslow, das tschechische Hlucin, Ladánybene in Ungarn und Barleben in Sachsen-Anhalt stellen sich am Sonntagnachmittag mit vor. An diesem Tag wird auch der Partnerschafts-Wegweiser eingeweiht. Wir feiern beim Gemeindefest auch diesmal wieder Weltoffenheit und Toleranz.

Früher gab es Festumzüge der Vereine und Gäste. Warum diesmal nicht?

Festumzüge haben wir über viele Jahre mit Freude und Enthusiasmus organisiert. Vom Aufwand her übersteigt das jedoch auf Dauer unsere Kräfte. Hinzu kommt, dass Vereine und Orte ihrerseits Feste organisieren. Wir wollen sie nicht überfordern. Beide Höhepunkte sind auf Dauer wichtig – unser Internationales Gemeindefest im kleineren, überschaubaren Rahmen und die Dorffeste und Vereinsfeste.

Wie wird das Gemeindefest finanziert?

Aus den Einnahmen wie Mieten und Eintrittsgelder, aus Eigenmitteln der Gemeinde, aus Sponsoren-Mitteln und aus Mitteln der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa.

Wie binden Sie die Ortsteile ein?

Der Heimat- und Kulturverein Nebelschütz und der Verein Steinleicht unterstützen beim Aufbau und betreuen Versorgungsstände wie das Plinse-Backen. Die Elisabeth-Frauen sorgen für Kaffee und Kuchen. Die SG Nebelschütz organisiert die Fußballspiele. Der Piskowitzer Sportverein verkauft die Eintrittskarten. Der Wendischbaselitzer Karnevalsverein versorgt mit Essen. Es gibt noch weitere Beispiele. In jedem Fall gilt allen Vereinen, Unterstützern, Helfern, Sponsoren herzlicher Dank. Ihr Engagement ist nicht selbstverständlich.

Machen auch die Jugendklubs mit?

Ja, die Nebelschützer Jugend betreut die Cocktail-Bar. Die Wendischbaselitzer organisieren das Beachvolleyball-Turnier. Viele junge Leute helfen beim Auf- und Abbau. Auch dafür sind wir dankbar.

Gibt es auch typische sorbische Programmpunkte zum Fest?

Am Sonntag tritt unter anderem das Sorbische Dorfensemble Wudwor auf. Insgesamt ist Zweisprachigkeit beim Fest selbstverständlich. Das zeigt sich unter anderem bei der Werbung im Vorfeld und bei der Moderation der Veranstaltungen. Und Ulrich Schorcht vom Heimat- und Kulturverein Nebelschütz zeigt den Film „Nebelschütz damals war´s“. Er wendet sich vor allem an die Bewohner selbst. Und der historische Rückblick thematisiert damit natürlich auch die nach wie vor gepflegte Zweisprachigkeit unserer Gemeinde.

Gespräch: Andreas Kirschke