erweiterte Suche
Dienstag, 12.06.2018

„Wir brauchen ein Fest, das dieser Altstadt gerecht wird“

Der Tourismusverein möchte in Bautzen ein neues Festival etablieren. Eines, das ohne Bierwagen und Helene Fischer auskommt.

Er hat sich viel vorgenommen: Dietmar Stange, Chef des Bautzener Tourismusvereins, organisiert in diesem Jahr ein neues Altstadt-Festival. Dabei können nicht nur Touristen , sondern auch die Bautzener ihre Stadt völlig neu kennenlernen.
Er hat sich viel vorgenommen: Dietmar Stange, Chef des Bautzener Tourismusvereins, organisiert in diesem Jahr ein neues Altstadt-Festival. Dabei können nicht nur Touristen , sondern auch die Bautzener ihre Stadt völlig neu kennenlernen.

© Steffen Unger

Bautzen. Eine Stadt, wie aus dem Bilderbuch. Schicke Häuser, romantische Ecken – wenn Dietmar Stange durch Bautzen bummelt, dann ist er jedes Mal aufs Neue beeindruckt. „Dieses Potenzial müssen wir noch mehr nutzen“, sagt der Chef des Tourismusvereins. Um die Altstadt bekannter zu machen, veranstaltet er vom 31. August bis 2. September ein besonderes Festival. Im SZ-Interview verrät Dietmar Stange erstmals, was es damit auf sich hat.

Die zehn Schauplätze des Bautzener Altstadtfestivals

Herr Stange, vor drei Wochen feierten Bewohner und Gäste der Stadt den Bautzener Frühling. Nun kündigen Sie ein weiteres Event an. Braucht Bautzen tatsächlich ein zweites Stadtfest?

Normalerweise brauchen wir das nicht. Man muss aber auch dazu sagen, dass wir als Tourismusverein mit unserer Veranstaltung gar kein zweites Stadtfest etablieren wollen. Es geht uns darum, etwas völlig anderes zu schaffen. Es gibt im Grunde für die Bautzener Altstadt kein Fest, also keines, das dieser Altstadt gerecht wird, keines, das diese Altstadt auch verdient. Wir haben in den vergangenen Jahrhunderten die Steine bewahrt. Richtig gut bewahrt. Auch unser Oberbürgermeister sagt immer wieder, wie schön die Stadt ist. Doch jetzt kommt es darauf an, dass Bautzen keine Museumsstadt wird, dass wir die Steine mit Leben füllen.

Die Stadt mit Leben füllen – das schafft der Bautzener Frühling auch. Was ist an Ihrem Festival denn so anders?

Das fängt schon bei den Schauplätzen an. Wir haben uns zehn verschiedene Orte in der Stadt ausgesucht. An all diesen Orten können die Gäste etwas erleben. Eines ist mir dabei besonders wichtig: Wir wollen keine großen Bühnen aufbauen, sondern bereits vorhandene Kulissen nutzen. Ob das nun Höfe, Gewölbe oder Türme in der Stadt sind. Auf alles, was in irgendeiner Form künstlich ist, wollen wir verzichten. Ein Beispiel: Es gibt insgesamt 18 Gaststätten in der Altstadt. Die sollen Teil des Festivals sein, sich Programmpunkte überlegen und die Gäste versorgen. Es wird also nicht an jeder Ecke ein Bierwagen stehen.

Zehn Schauplätze? Ist es nicht enorm schwierig, die alle zu verbinden?

Wir werden unser Programm so abstimmen, dass man so viel wie möglich erleben kann. Es wird also nicht so sein, dass zehn Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden. Und wir haben auch eine Kernveranstaltung. Auf der Ortenburg wird es eine Inszenierung zu 1 000 Jahre Bautzener Frieden geben. Wir wollen bei dem Festival immer ein historisches Ereignis aus der Stadtgeschichte in den Mittelpunkt stellen. Es wird Geschichte zum Anfassen sein. Mehr möchte ich noch nicht verraten.

Wirklich nicht? Auch zum Programm können Sie noch nichts sagen?

Doch, ein paar Worte schon. Wir möchten – und das unterscheidet uns ebenfalls von den Festen dieser Größenordnung – vor allem einheimische Akteure und Laienkünstler auftreten lassen. Das Engagement in der Stadt ist groß. Es gibt viele, die sich mit solchen Dingen beschäftigen, die vielleicht später große Künstler werden wollen. Denen wollen wir eine Bühne bieten.

Es wird also bei Ihrem Festival kein Helene-Fischer-Double auftreten?

Genau richtig. Wir werden weder die echte Helene noch das Double holen. Diese Musik haben wir beim Bautzener Frühling. Es ist nicht so, dass es bei uns gar nichts für junge Leute gibt. Aber es wird keine laute Elektromusik durch die Stadt hallen. Es geht um Geschichte – und um Romantik.

Ihr Festival findet überwiegend im Freien statt. Trotzdem haben Sie den Termin auf das erste Wochenende im September gelegt. Ist das nicht riskant?
Die Terminwahl hat mehrere Gründe. Zunächst war es uns wichtig, dass die Ferien vorbei sind. Außerdem sind bei dem neuen Festival Programmpunkte mit spezieller Beleuchtung geplant. Da darf es nicht erst um Mitternacht dunkel werden. Aber ja, ich gebe zu, dass ich das Festival auch gern auf Ende August gelegt hätte. Am liebsten auf das Wochenende, an dem immer das Wasserkunstfest stattgefunden hat. Das macht aber keinen Sinn, da die Görlitzer an diesen Tagen ihr Altstadtfest feiern. Wir wollen, dass sich die Gäste nicht entscheiden müssen und dass die Görlitzer zu uns kommen – und umgekehrt.

Sie haben es schon angesprochen: Das Wasserkunstfest gibt es seit diesem Jahr nicht mehr. Warum konnten Sie nicht dieses Fest einfach übernehmen?

Tatsächlich wurden wir gefragt, ob wir das Fest weiterführen wollen. Das Problem ist nur: Wir als Tourismusverein interessieren uns für überregionale Events. Das Wasserkunstfest in seiner bisherigen Form hat für den Tourismus allerdings keine Rolle gespielt. Das war ein Stadtfest für die Bautzener. Wir werden aber auf jeden Fall, und da sind wir auch ein bisschen verpflichtet, das Wasserkunstfest in Ehren halten. Der Wendische Kirchhof mit der Wasserkunst spielt bei uns natürlich eine Rolle. Die Trödelbuden wird es aber nicht mehr geben.

Sie glauben also, dass so ein Fest den Tourismus in der Stadt stärken kann?

Das hoffe ich. Das Gastgewerbe und der Einzelhandel in unserer Stadt stehen vor großen Problemen. Die können wir nur lösen, wenn mehr Gäste in unsere Stadt kommen. Es ist doch so: Zu Ostern beklagt sich keine Gaststätte, keine Pension über zu wenig Besucher. Deshalb haben wir als Tourismusverein schon länger überlegt, ob wir nicht noch ein zweites großes Event etablieren können. Andere Städte machen es vor. Schauen Sie sich Görlitz an, oder besuchen Sie einmal eine Stadt in Hessen: All diese Orte inszenieren ihre Altstadt. Nur wir machen das nicht – noch nicht.

Und wie finanzieren Sie das Fest?

Es gibt eine Reihe von Sponsoren. Der Großteil wird allerdings mit Eigenmitteln des Tourismusvereins beglichen. Wir können das aus eigener Kraft leisten. Das geht allerdings nur einmal.

Also ist das Altstadt-Festival in Bautzen eine einmalige Sache?

Ich hoffe nicht. Es ist in unserer Stadt ja so, dass man erst in Vorleistung gehen muss. Aber wenn es gelingt, dann denke ich, müssen wir uns alle zusammensetzen und darüber reden, wie es weitergehen kann. Viele Feste sterben ja schnell wieder, weil es an Geld mangelt. Das wird beim Altstadt-Festival hoffentlich nicht passieren.

Gespräch: Marleen Hollenbach.