erweiterte Suche
Dienstag, 07.06.2005

Wikis treffen Häuptling

Internet. Beim Dresdner Wikipedia-Tag stellen die Macher das kostenfreieLexikon vor.

Von Philipp Hertzog

Sie kennen sich als „Kolossos“ oder „Philipendula“ und arbeiten gemeinsam an der größten Wissenssammlung der Welt – dem Internet-Lexikon Wikipedia. Am vergangenen Freitag trafen sich in Dresden einige der Menschen, die hinter den Spitznamen stehen. Die Initiatoren, Studenten der TU-Informatikfakultät, wollten den Austausch untereinander ermöglichen und gleichzeitig interessierten Neulingen zeigen, dass die Mitarbeit an dem Projekt kein technisches Vorwissen erfordert. Höhepunkt der Veranstaltung war der Vortrag des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales.

Das Prinzip des Lexikons ist denkbar einfach. Jeder kann direkt die Einträge verändern, vom korrigierten Tippfehler bis zur Erstellung neuer Artikel. Damit ist die Online-Enzyklopädie herkömmlichen Buchausgaben in vieler Hinsicht überlegen. „Weil jeder mitmachen kann, finden sich automatisch Experten zu jedem Thema“, erklärt Besucherin Severine Meißner. Dass dabei kein Chaos entsteht und die Informationen überwiegend verlässlich sind, ist das gemeinsame Anliegen von mehreren tausend Nutzern. „Am Ende soll die Wahrheit stehen“, sagt Conrad Nutschan, der den Tag maßgeblich organisiert hat. Die Zahlen sprechen dafür, dass das System funktioniert: Seit dem Start 2001 wurden fast 250 000 Artikel allein in der deutschsprachigen Wikipedia erstellt. Bei über hundert Sprachausgaben ist sie damit die zweitgrößte.

Die Offenheit der Plattform lockt auch Extremisten an. Hermann Härtig, Professor für Betriebssysteme, sieht Wikipedia deshalb mit gemischten Gefühlen: „Die Geschichte hat gezeigt, dass auch wenige Entschlossene Schlimmes anrichten können.“ Bislang hat er den Eindruck, dass die Selbstkontrolle funktioniert. Dabei helfen vor allem die Administratoren: Erfahrene Benutzer, die inhaltliche Streitigkeiten schlichten und im Extremfall Benutzer und Artikel sperren können.

Dass sich neben einigen Schülern nur wenige Fachfremde eingefunden haben, sehen die Organisatoren gelassen. „Es war ein Treffen der Wikipedianer mit ihrem Häuptling, und das war sehr schön“, sagt Organisator Nutschan.

http://de.wikipedia.org