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Donnerstag, 26.05.2011

Wikipedia will Welterbebetitel

Noch erfüllt das Online-Lexikon die Kriterien für eine Aufnahme in die Unesco-Liste nicht. Mit einer Petition hoffen die Macher aber, das bald zu ändern.

Von Martin Moravec, Berlin

Der Kölner Dom, die Pyramiden von Gizeh, Stonehenge – Wikipedia? Diese Aufzählung, die für einige Menschen wie ein Scherz klingt, ringt den Machern des Online-Lexikons längst kein Lächeln mehr ab. Denn Wikipedia meint es ernst: Die Unesco soll die beliebte Mitmach-Enzyklopädie als Weltkulturerbe anerkennen. Anfang der Woche stellten die Aktivisten eine Petition ins Netz. Doch auch zum Tag des Weltkulturerbes am 5. Juni – und danach – sind weitere Aktionen geplant. Allerdings zeigt ein Blick in die Unesco-Regeln: Die Chancen für einen Erfolg sind nicht gerade groß.

Das Online-Lexikon sei nicht nur eine Website oder eine „Technikgeschichte“, sondern ein „kulturelles Phänomen“, begründete Wikipedia-Gründer Jimmy Wales die Bewerbung. Die Auszeichnung von der Unesco wäre da eine „wunderbare Anerkennung für all die Tausenden von Freiwilligen, die an der Wikipedia arbeiten.“ Anlass für die Initiative ist das zehnjährige Jubiläum des Lexikons.

Doch der Weg ist lang und kompliziert. Das fängt schon damit an, dass die Unesco mehrere Kategorien hat. Zum einen erkennt die Unesco Kultur- und Naturstätten an – also berühmte Gebäude oder Landschaften wie das Wattenmeer. Zudem gibt es das immaterielle Welterbe, beispielsweise den Flamenco-Tanz. „Die Unesco erkennt nicht nur physische Dinge wie Denkmäler als Welterbe an, sondern auch Ideen, Bewegungen und Konzepte“, betont Wales.

Neue Kriterien gefordert

Doch für eben diese Kategorie wollen sich die Aktivisten nicht bewerben. Der Förderverein Wikimedia Deutschland, der die Initiative vorantreibt, bleibt dabei: Eine Bewerbung für die Liste der immateriellen Güter schließt er aus. Selbst wenn hier die Chancen etwas aussichtsreicher erscheinen. Stattdessen heißt es im Aufruf zur Petition: „Helfen Sie uns, die Unesco davon zu überzeugen, die Kriterien für die Vergabe des Weltkulturerbe-Status auf das neue, digitale Zeitalter anzuwenden.“ Nach den jetzigen Unesco-Statuten hat Wikipedia in dieser Kategorie allerdings keinerlei Chance.

Und auch im Falle eines potenziellen „Plan B“ - einer Bewerbung als immaterielles Kulturerbe - hat das Online-Lexikon zumindest in Deutschland kaum Aussicht auf Erfolg. Denn Projekte können sich nicht selbst um die Anerkennung bemühen, sondern müssen von Ländern vorgeschlagen werden. „Wir halten Wikipedia für ein interessantes Projekt“, sagte der Sprecher der deutschen Unesco-Kommission, Dieter Offenhäußer. „Doch Deutschland hat eine entsprechende Konvention nicht ratifiziert.“ Dafür sind dem Übereinkommen 134 andere Länder beigetreten (Stand: Februar).

Wales ist dennoch vom Erfolg der Initiative überzeugt. „Wir wollen so viele Menschen wie möglich in diese Idee miteinbeziehen. Wir wollen Unesco beweisen, dass es breite Unterstützung für diese Idee gibt.“

Wikipedia hat sich zum Ziel gesetzt, das Wissen der Menschheit jedem frei zugänglich zu machen. Die von Tausenden Freiwilligen erstellte Wissenssammlung gehört zu den meistbesuchten Webseiten der Welt. Das Projekt hatte zuletzt aber zumindest in Ländern wie den USA und Deutschland mit stagnierenden oder sinkenden Mitarbeiterzahlen zu kämpfen. Daher dürfte die Initiative auch als Werbung für eine aktive Mitarbeit an dem Projekt gedacht sein. (dpa)