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Freitag, 29.04.2016

Wiesenspektakel beerbt das Schissn

Nach schwierigen Jahren drohte dem Oderwitzer Volksfest das Aus. Einwohner haben das jetzt verhindert.

Von Mario Sefrin

Jana Erbe, Dominic Werner, Torsten Scholze und Peter Moc (v. re.) organisieren das Oderwitzer Wiesenspektakel. Das Fest soll im Juni auf der Wiese unterhalb der Schützenhalle in Niederoderwitz stattfinden.
Jana Erbe, Dominic Werner, Torsten Scholze und Peter Moc (v. re.) organisieren das Oderwitzer Wiesenspektakel. Das Fest soll im Juni auf der Wiese unterhalb der Schützenhalle in Niederoderwitz stattfinden.

© Thomas Eichler

Oderwitz. Die gute Nachricht gleich vornweg: Am 11. und 12. Juni wird es auf der Festwiese in Niederoderwitz wieder ein Volksfest geben. Die schlechte Nachricht: Das Oderwitzer Schissn gibt es nicht mehr. Jahrelang hatte diese Veranstaltung die Leute mit diversen Attraktionen auf die Wiese unterhalb der Schützenhalle gelockt – vor allem jedoch mit Fahrgeschäften wie Miniscooter, Breakdance oder Drachenbahn, daneben mit Schieß- und Losbuden. Es war genau das typische Schissn-Flair, wie man es in der Oberlausitz auch aus anderen Orten kennt, wie Neugersdorf, Großschönau oder Obercunnersdorf.

Dieses Flair wird es wohl in Oderwitz nicht mehr geben. Schuld daran ist zu einem großen Teil das Wetter der vergangenen Jahre, erklärt Peter Moc, Vorsitzender des Turn- und Sportvereins Niederoderwitz und Mitorganisator des Festes. „Wir hatten in den vergangenen Jahren mehrfach Pech mit dem Wetter und so immer öfter Schwierigkeiten, die Fahrgeschäfte auf der Festwiese zu platzieren“, sagt Moc. Zum Teil liege das auch an der Technik der Fahrgeschäfte selbst, da diese immer schwerer werden, wie Peter Moc sagt. Und auf den Parkplatz an der Schützenhalle auszuweichen, sei auch nicht so einfach möglich – das Gefälle ist dort zu stark, was den Fahrgeschäften neue Probleme bereitet habe. „Außerdem war das nicht mehr das Fluidum des Oderwitzer Schissns. Den Leuten hat es auf dem Parkplatz nicht gefallen“, sagt Peter Moc. Im Jahr 2013 machte dann auch noch das Hochwasser dem Feiern einen Strich durch die Rechnung: „Als wir gehört haben, dass unten im Dorf kein Durchkommen mehr ist, haben wir das Fest beendet“, erinnert sich Peter Moc.

Dabei hat das Schissn in Oderwitz eine lange Tradition. Bereits zu DDR-Zeiten haben Fahrgeschäfte jedes Jahr in dem Ort Station gemacht. Nach der Wende hat dann die Gemeinde als Veranstalter das Fest fortgeführt – anfangs von Freitag bis Montag, später nur noch von Freitag bis Sonntag. Doch neben dem Wetter und dem damit einhergehenden Rückgang des Interesses der Fahrgeschäfte hatten die Organisatoren auch mit weniger Besuchern zu kämpfen. Im vergangenen Jahr haben sie darum die Reißleine gezogen: „Nach all den Problemen in den vergangenen Jahren hat es im Gemeinderat die Tendenz gegeben, das Fest sterben zu lassen“, erzählt Jana Erbe, Hauptamtsleiterin in der Gemeindeverwaltung. Glücklicherweise ist es dazu nicht gekommen: „Einige Oderwitzer fanden das schade. Darum haben wir uns Ende vergangenen Jahres zusammengesetzt, um ein neues Fest von Oderwitzern für Oderwitzer zu organisieren“, sagt Jana Erbe.

Aus der Gruppe engagierter Oderwitzer ist mittlerweile eine Arbeitsgruppe geworden. Jana Erbe und Peter Moc gehören ebenso dazu wie weitere Mitglieder des Turn- und Sportvereins, des Jugendclubs oder des Vereins der Modellbahnfreunde. Sie bereiten für dieses Jahr anstelle des Schissns ein traditionelles Gemeindefest, wie sie es nennen, vor. Auch einen Namen hat dieses Fest bereits: „Wie haben es ,Oderwitzer Wiesenspektakel’ genannt“, sagt Jana Erbe. Es wird ein Fest ohne Fahrgeschäfte, dafür mit großer Beteiligung der Oderwitzer Vereine und der Einwohner der Gemeinde, wie die Initiatoren hoffen. Und natürlich einem unterhaltsamen Kulturprogramm, darunter Livemusik zum Tanz am Sonnabendabend im Festzelt. Zumindest das hat sich im Vergleich zum früheren Schissn nicht geändert: „Wir haben immer Wert auf gute Unterhaltung gelegt“, sagt Peter Moc. Und auch fürs Wiesenspektakel sind die Organisatoren mit dem jetzigen Vorbereitungsstand schon sehr zufrieden. „Gewerbetreibende, Firmen und Vereine wollen sich zum Fest einbringen, auch die Feuerwehr, die Polizei und die Kirchgemeinde, die einen Freiluftgottesdienst organisiert, machen mit“, so Peter Moc. Daneben gibt es aber noch für Interessenten die Möglichkeit, sich selbst einzubringen. Auch Sponsoren sind willkommen, wie Peter Moc sagt: „Zwar unterstützt uns die Gemeinde nach wie vor, wo sie kann, aber so ein Fest kostet nun mal einiges.“

Für ein neues Fest ist die Unterstützung im Ort schon richtig gut, findet auch Jana Erbe. „Wir sind nun gespannt, wie das Fest bei den Oderwitzern ankommt“, sagt die Hauptamtsleiterin. Und vielleicht heißt es dann ja im nächsten Jahr: Auf zum 2. Oderwitzer Wiesenspektakel!