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Dienstag, 15.05.2018

Wie viel Friedhof braucht Niesky?

Die Bestattungskultur ist im Wandel: Baumgräber sind im Gespräch, ein Friedwald und höhere Gebühren.

Von Thomas Staudt

Eine der Urnengrabanlagen auf dem Waldfriedhof Niesky. Schon bald sollen Anlagen für Paare hinzukommen.
Eine der Urnengrabanlagen auf dem Waldfriedhof Niesky. Schon bald sollen Anlagen für Paare hinzukommen.

© André Schulze

Niesky. Gestorben wird immer. Aber wer denkt schon freiwillig daran? Das tut auch Frank Mrusek nicht. Und doch hat der Nieskyer Stadtrat (Bürgerbewegung) nun die Einrichtung eines Friedwalds angeregt, eine Idee, die er aus Berlin mitgebracht hat. Was das ist? In einem Fried- oder Bestattungswald werden Verstorbene ähnlich wie in der freien Natur beigesetzt. Kein Friedhof, kein Grab, kein Stein, keine Tafel – der Bereich ist zwar örtlich festgelegt, aber die Grabstelle ist als solche nicht zu erkennen. Friedwälder sind nicht ganz unumstritten. Der Sächsische Städte- und Gemeindetag (SSG) warnt vor einer Betreibung in kommunaler Verantwortung, so Heike Schönfelder von der Stadtverwaltung. Darüber hinaus sind konventionelle Bestattungen in einigen Städten nach der Einrichtung eines Friedwalds spürbar zurückgegangen. Ein Problem für die Friedhofsbetreiber.

Niesky setze als Alternative auf Baumgräber, so Enrico Bachmann von der Verwaltung. Das ist eines der Ergebnisse aus einer Beratung vom Dienstag. Der Bereich rechts des Eingangs zum Waldfriedhof sei dafür vorgesehen. Er komme einem ursprünglichen Wald recht nahe. Die Urnen würden am Fuße des jeweiligen Baumes in die Erde gelassen. Eine Tafel am Baum könne die Namen der Bestatteten aufführen. Noch sind die Überlegungen am Anfang.

„Ein Friedwald ist für uns aktuell kein Thema“, so Bachmann. Seines Wissens gab es bisher keine einzige Nachfrage. „Wir können definitiv nicht jede Bestattungsform anbieten“, so Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann dazu. Außerdem steht eine Neukalkulation der Friedhofsgebühren an. Ausgang offen. Aber preiswerter dürfte es wohl kaum werden.

Bisher sind Erd- und Urnen- bzw. Feuerbestattungen sowie Urnengemeinschaftsanlagen auf dem Waldfriedhof gängige Praxis. Die Gemeinschaftsanlagen werden immer beliebter. Im vergangenen Jahr wurden 71 solcher Bestattungen vorgenommen, 2015 waren es sogar 105. Anonyme Urnenbestattungen lassen sich dagegen an einer Hand abzählen. Parallel dazu steigt die Nachfrage nach einer sogenannten Urnengemeinschaftsanlage für Paare. Dafür soll in absehbarer Zeit ein neues, bis zu 300 Quadratmeter großes Areal innerhalb des Waldfriedhofs erschlossen werden.

Platzmangel gibt es bei keiner der gängigen Bestattungsformen, auch auf dem Friedhof Ödernitz nicht. Ein älterer Friedhof in der Fichtestraße wird nicht mehr belegt. Die Brüdergemeine bestattet auf ihrem „Gottesacker“. Für die Friedhöfe in See und Kosel sind die Kirchgemeinden zuständig, für die Trauerhallen jedoch die Stadt.