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Dienstag, 14.03.2017

Wie Pirna die Feuerwehr verstärkt

Die Einsatzbereitschaft ist vor allem im linkselbischen Gebiet problematisch. Richten soll es nun ein besonderer Plan.

Technische Hilfeleistungen –wie hier nach einem Unfall am 27. Februar auf dem Sonnenstein – sind längst Hauptbestandteil der Pirnaer Feuerwehrarbeit. Damit immer genügend Kräfte verfügbar sind, will Pirna das Personal aufstocken.
Technische Hilfeleistungen – wie hier nach einem Unfall am 27. Februar auf dem Sonnenstein – sind längst Hauptbestandteil der Pirnaer Feuerwehrarbeit. Damit immer genügend Kräfte verfügbar sind, will Pirna das Personal aufstocken.

© Marko Förster

Pirna. Es war eine der zentralen Fragen im Wahlkampf vor der Pirnaer Oberbürgermeisterwahl am 15. Januar: Ist Pirnas Feuerwehr nur bedingt einsatzbereit? Herausforderer Tim Lochner rügte die problematische Einsatzbereitschaft und forderte mehr Personal, was fair bezahlt werden sollte. Amtsinhaber Klaus Peter-Hanke beschwichtigte derweil damit, dass bereits fünf neue hauptamtliche Feuerwehrstellen im Haushalt 2017/18 verankert sind. Der Stadtrat soll nun auf seiner Sitzung am 21. März den Brandschutzbedarfsplan fortschreiben. Die SZ erläutert, wie es um Pirnas Einsatzkräfte steht.

Wie es um Pirnas Einsatzkräfte steht

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Warum muss Pirna das Personal bei der Feuerwehr aufstocken?

Zum einen muss Pirna gemäß den Vorgaben zum Brandschutzbedarfsplan eine leistungsfähige Feuerwehr aufstellen – das funktioniert nur mit ausreichend Personal. Dazu gesellen sich noch zwei spezielle Probleme: Grundsätzlich sichert Pirna die Einsatzbereitschaft der Wehr mit ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften ab. Weil aber die vornehmlich in den Ortswehren ehrenamtlich organisierten Kameraden größtenteils auswärts arbeiten, gibt es nach Aussagen des Rathauses hin und wieder Probleme, die Einsatzbereitschaft am Tag zu gewährleisten. Laut Pirnas Gemeindewehrleiter Peter Kammel bestehen zudem Lücken bei der Einsatzbereitschaft nachts und an Wochenenden im linkselbischen Bereich.

Wie kommt es zu den Lücken in der linkselbischen Bereitschaft?

Die Vorgabe, Einsatzorte innerhalb bestimmter Hilfsfristen zu erreichen, lässt sich laut Kammel in Pirna nur gemeinsam mit ehren- und hauptamtlichen Kräften realisieren. So gab es 2016 den Versuch, linkselbisch eine gemeinsam ausrückende Einheit aus haupt- und ehrenamtlichen Kräften zu bilden. Auf diese Weise sollten vor allem nachts und an Wochenenden die Hilfsfristen erfüllt werden. Allerdings scheiterte der Versuch, weil viele ehrenamtliche Kameraden der Altstädter Wache ins Umland weggezogen waren.

Wie will Pirna die Einsatzbereitschaft künftig absichern?

Die bestehenden Lücken sollen mithilfe zusätzlicher hauptamtlicher Feuerwehrleute geschlossen werden. Im Entwurf des Brandschutzbedarfsplanes sind acht zusätzliche Stellen enthalten. Fünf davon sind bereits im Haushalt für 2017/2018 verankert. Nachdem der Bedarfsplan beschlossen ist, sollen die fünf Stellen noch in diesem Jahr besetzt werden, die drei restlichen dann bis Ende 2018. Laut Kammel könne es durchaus problematisch werden, geeignetes Personal zu finden – der Markt sei derzeit wie leer gefegt.

Welche Zwischenlösung gibt es, bis die neuen Kräfte da sind?

Nachts sowie an Wochenenden und Feiertagen wird linkselbisch folgende Zwischenlösung praktiziert: Die Hauptwache fährt sofort mit bis zu zwei Einsatzfahrzeugen und mindestens vier Einsatzkräften los. Die ersten beiden qualifizierten Kameraden der Ortswehr Altstadt rücken mit einem weiteren Fahrzeug nach. Vor Ort wird dann die erste gemeinsam handelnde Einheit gebildet. Rechtselbisch ist die Einsatzbereitschaft nachts und an Wochenenden aufgrund vieler freiwilliger Feuerwehrleute in der Regel abgesichert.

Wie bezahlt Pirna künftig die neuen Feuerwehrleute?

Größere Berufsfeuerwehren verbeamten nach Aussage der Stadt in der Regel ihre Einsatzkräfte. Der Versuch, dies auch in Pirna so zu handhaben, scheiterte vor einigen Jahren am Willen des Stadtrates. Um Einsatzkräfte kleinerer Wehren mit denen großer Berufswehren gleichzustellen, einigten sich die Tarifparteien auf eine neue Entgeltordnung. Diese Sätze gelten seit 1. Januar 2017 und lagen daher zum Pirnaer Haushaltsbeschluss noch nicht vor. Pirna hatte aber vorsorglich der neuen Regelung schon zusätzliche Mittel im Etat eingestellt. Genaue Summen zu den Gehältern gibt es allerdings noch nicht. Laut einer Internetseite für die Feuerwehrausbildung liegen die Einstiegsgehälter sowohl für verbeamtete und nicht verbeamtete Feuerwehrleute je nach Qualifikation zwischen 1600 und 2200 Euro.

Wie viele aktive Feuerwehrleute gibt es derzeit in Pirna?

Es gibt 24 hauptamtliche Stellen, zusammen mit den Kameraden der freiwilligen Wehren sind es 150 aktive Einsatzkräfte.