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Mittwoch, 20.06.2018

Wie man einen Staatssekretär verblüfft

Uwe Gaul vom sächsischen Wissenschaftsministerium schaute sich in der KulturFabrik um – und war beeindruckt.

Von Anja Wallner

Staatssekretär Uwe Gaul (li.) und Anne Pallas, Geschäftsführerin des Landesverbandes Soziokultur (2.v.li.), sprachen mit KuFa-Geschäftsführer Uwe Proksch (2. v.re.), Architektin Dorit Baumeister und SPD-Ortsverbandschef Jan Kregelin über die Herausforderungen soziokultureller Arbeit und die Projekte der KulturFabrik.
Staatssekretär Uwe Gaul (li.) und Anne Pallas, Geschäftsführerin des Landesverbandes Soziokultur (2.v.li.), sprachen mit KuFa-Geschäftsführer Uwe Proksch (2. v.re.), Architektin Dorit Baumeister und SPD-Ortsverbandschef Jan Kregelin über die Herausforderungen soziokultureller Arbeit und die Projekte der KulturFabrik.

© A. Wallner

Künstlerin Kersten Flohe nutzte die Gunst der Stunde: „Ich habe gehört, hier sind wichtige Leute“, platzte sie am Montagnachmittag in die Gesprächsrunde im Café Auszeit im Bürgerzentrum Braugasse 1 und äußerte ihr Bedauern und ihren Ärger darüber, dass das fahrende Kunst- und Digitallabor Fabmobil, das seit Oktober regelmäßig an der KulturFabrik (KuFa) gehalten hat, am heutigen Mittwoch offenbar letztmalig Station in Hoyerswerda macht. Die Angebote und Arbeitsplätze im Mobil hat die Hoyerswerdaerin für ihre Kunst genutzt.

Die „wichtigen Leute“, die am Montag die KulturFabrik besuchten, waren Uwe Gaul, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK), und Anne Pallas, Geschäftsführerin des Landesverbandes Soziokultur. Die Gäste aus Dresden hatten so spontan keine konkrete Antwort auf Kersten Flohes Anliegen. Uwe Gaul vermutete, dass das Fabmobil ein für einen speziellen Zeitraum gefördertes Projekt sei, das neu beantragt werden müsste. Er versprach, sich danach zu erkundigen. „Vielleicht geht es ja weiter.“

Der Politiker und die Verbandschefin waren im Zuge der „SoziokultTour“, einer Rundreise zu soziokulturellen Zentren in Sachsen, in die KulturFabrik gekommen. Hoyerswerda war nach Freital und Zwickau die dritte Station der Tour; die außerdem noch nach Schneeberg und Großpösna führt. Nach Angaben des SMWK geht es darum, sich vor Ort ein Bild der soziokulturellen Arbeit zu machen und zu erfahren, wo Handlungsbedarf besteht. „Soziokultur“, so der Staatssekretär, „steht nicht so stark im Fokus.“ Das seien dann eher die Staatsbetriebe. Anne Pallas kennt die KulturFabrik natürlich, ihr Begleiter sah das imposante Gebäude an der Braugasse, das auch die Touristinfo und das Kinder- und Jugendzentrum Natz beherbergt, und den regelmäßig ausverkauften großen Saal zum ersten Mal – und war ehrlich beeindruckt. „Das hätte ich jetzt nicht so erwartet, das ist eine ganz andere Welt, als ich es mir vorgestellt hatte“, gab er zu.

KuFa-Geschäftsführer Uwe Proksch, KuFa-Vereinschef Jens-Uwe Röhl, Beirätin und Architektin Dorit Baumeister sowie der SPD-Ortsverbandschef Jan Kregelin führten die Gäste durchs Haus, sozusagen vom Keller bis zum Dachboden, sprachen über die unzähligen Projekte der KulturFabrik, von Tanz- über Gundermann-Projekte bis zum Straßentheaterfestival, und über das lobenswerte Engagement der Unterstützer, denen die Arbeit der Einrichtung am Herzen liegt. Nicht minder beeindruckt zeigten sich die Besucher vom Angebot an diesem Montag – allein 13 Veranstaltungen. „Sie brauchen ein großes Haus“, stellte Uwe Gaul fest und erkundigte sich in der reichlich einstündigen Gesprächsrunde im Café, was Politik und Verwaltung in Dresden für die KulturFabrik mit ihren neuen Mitarbeitern sowie einem über 100 Mitglieder starken Verein dahinter, für Soziokultur im ländlichen Raum allgemein, tun könnten.

Solch eine Frage bekommt man von einem Ministeriumsvertreter gern gestellt. „Jammern“ mochte am Montag jedoch niemand. Natürlich ging es in erster Linie um finanziellen Druck, um den fehlenden Stellenwert der Soziokultur im Kulturraum, um zu geringe Mitarbeiter-Entlohnung, um fehlende junge Leute, um strukturelle Probleme, um fehlende Ansprechpartner bei Behörden, die geringe Lobby hinsichtlich kultureller Arbeit, um Schwierigkeiten bei der Fördermittelbeantragung. Denn nicht nur im Bereich Kultur muss man sich Fördermittel aufgrund des zu erbringenden Eigenanteils erst mal leisten können. Förderprogramme würden von größeren Städten dominiert, hieß es, deren Kultureinrichtungen zum Teil große Partner im Rücken haben.

Uwe Gaul bemerkte, dass Sachsen bereits auf hohem Niveau Kulturförderung betreibe, und verwies auf die bundesweite Einzigartigkeit des sächsischen Kulturraumgesetzes. Das wollte man am Montag auch gar nicht bestreiten, lobte zudem die Unterstützung durch die Stadt Hoyerswerda. 100 000 Euro institutionelle Förderung bekommt die KuFa durch den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien. Eine Schippe drauf, so der Tenor, wäre schon eine Erleichterung. Dass viele Kursangebote, wie Trommeln oder Tango tanzen, in der KulturFabrik „von innen heraus“ entstanden sind, davon konnte sich Uwe Gaul kurz vor seiner Verabschiedung überzeugen. Denn just in dem Moment begann im Saal die Probe des Bürgerchores, der für seinen Auftritt zur Gundermann-„Brigadefeier“ an diesem Samstag übt.

Übrigens: Mit seiner eingangs geäußerten Vermutung lag Uwe Gaul richtig. Die Förderung für das Fabmobil läuft tatsächlich aus, wie Sebastian Piatza vom Projektträger Constitute e.V. auf Anfrage informierte. „Wir bemühen uns um eine Folgeförderung.“ Geplant ist, das Fabmobil zwischen März und Oktober 2019 einzusetzen. Das SMWK fördere das Vorhaben zu einem kleinen Teil, noch fehlten aber mehr als 50 000 Euro zur Finanzierung.