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Donnerstag, 09.08.2018

Wie lange reicht das Trinkwasser noch?

Die Talsperren sind noch gut gefüllt. Um die Versorgung zu sichern, muss aber nachgeholfen werden.

Von Anja Ehrhartsmann

Frank Kukuczka, Geschäftsführer der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH, mit einem Schluck frisch aufbereiteten Wassers.
Frank Kukuczka, Geschäftsführer der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH, mit einem Schluck frisch aufbereiteten Wassers.

© Egbert Kamprath

Klingenberg. Ganz Deutschland ächzt unter den hohen Temperaturen und der extremen Trockenheit. Seit Wochen gibt es auch in Sachsen kaum Niederschlag. Das hat Konsequenzen: Pflanzen verdorren, viele Flüsse haben Niedrigwasser. So auch die Wilde Weißeritz, die die Trinkwassertalsperre Klingenberg füllt. Trotzdem kommt noch Wasser aus dem Hahn. Doch wie kann die Trinkwasserversorgung auch in Zeiten der Dürre gewährleistet werden und vor allem wie lange noch? Die Übersicht der SZ gibt Antwort auf wichtige Fragen.

Wie sind die Talsperren Lehnmühle und Klingenberg gefüllt?
Beide Talsperren funktionieren im Verbund, sie haben derzeit zusammen etwa 60 Prozent ihres durchschnittlichen Füllstands. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wird seit Ende Juli Wasser aus der Talsperre Rauschenbach nach Lehnmühle/Klingenberg übergeleitet. Pro Sekunde fließen 135 Liter direkt in die Talsperre Klingenberg. Die Menge könnte noch weiter erhöht werden.

Wie ist derzeit die Qualität des Trinkwassers?
Was aus dem Hahn kommt, hat auch jetzt gute Trinkwasserqualität und stammt meist aus tieferen Bereichen der Talsperre, wo es nicht so viele Algen gibt. Da im Sommer das Wasser kaum zirkuliert, wird an der Sohle Sauerstoff zugegeben. So wird das Wasser biologisch aufgewertet und kann bedenkenlos an die Wasserversorger weitergegeben werden, erklärt Ehsanulla Amani, Betriebsteilleiter bei der Landestalsperrenverwaltung. Um die Wasserqualität zu sichern, werden regelmäßig Proben entnommen und untersucht. Außerdem gibt es automatische Messstationen. Überprüft wird beispielsweise der pH-Wert. „Wir sind bemüht, dass das Wasser ganzjährig die gleich gute Qualität hat“, sagte Birgit Lange, Betriebsleiterin der Landestalsperrenverwaltung (LTV) im Oberen Elbtal. Im Wasserwerk Klingenberg bereitet die Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH das sogenannte Rohwasser weiter auf und gibt es als Trinkwasser ab.

Wie sieht es mit dem Zufluss zu den Talsperren aus?
Lehnmühle und Klingenberg werden durch die Wilde Weißeritz gespeist, außerdem durch Regenwasser, das derzeit allerdings rar ist. Wenn in der Talsperre Klingenberg Wasser benötigt wird, entweder weil Mengen fehlen oder weil die Qualität leidet, wird die Lehnmühle angezapft.

Wie stark hat sich der Wasserverbrauch erhöht?
Das Wasser aus der Talsperre Klingenberg – auch Dresdens Wasserglas genannt – geht ans Wasserwerk in Coschütz, von wo aus ein Teil der Landeshauptstadt versorgt wird. Ferner wird das Wasserwerk in Klingenberg beliefert. Von dort aus fließt es unter anderem nach Freital und ins Osterzgebirge. In den vergangenen Monaten hat sich der Verbrauch um 50 Prozent erhöht, Versorgungsprobleme gibt es aber nicht, so die Versorger. Statt durchschnittlich 12 000 Kubikmeter pro Tag werden derzeit 18 000 abgesetzt, sagt Frank Kukuczka, Chef der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH. Die Drewag Netz GmbH, die ihr Wasser nicht nur aus Klingenberg bezieht, liefert täglich 158 000 Kubikmeter Wasser an ihre Kunden statt durchschnittlich 107 000, sagt Volker Gebhard, Gruppenleiter Betrieb Wasseranlagen.

Wie lange funktioniert die Wasserversorgung in Trockenzeiten?
Sachsen sei eines der wasserreichsten Bundesländer in ganz Deutschland, sagte Umweltminister Thomas Schmidt, der sich an der Talsperre Klingenberg über die Sicherheit der öffentlichen Trinkwasserversorgung informierte. Kein Bundesland verfüge außerdem über so viele Talsperren. „Das Verbundsystem der Talsperren hilft, die Wasserversorgung zu sichern.“ Trotz des Regenmangels und der anhaltenden Hitze gebe es keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Das bestätigt auch Birgit Lange. Bis die Trinkwasserversorgung problematisch werden würde, müsste es viele aufeinanderfolgende Jahre extrem trocken sein.