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Mittwoch, 05.10.2011

Wettiner-Schatz: Vor 15 Jahren geborgen - in alle Welt verklopft

Vor 15 Jahren sorgte ein Sachse für weltweite Schlagzeilen. Der Dresdner Postfahrer und Hobby-Schatzsucher Hanno Vollsack stieß im Moritzburger Forst auf den Schatz der Wettiner. Drei Kisten voller verschollen geglaubter Kunstschätze, darunter der berühmte Mohrenkopf-Pokal von Christoph Jamnitzer, kamen zum Vorschein. Auf der Flucht vor den Russen hatte Sachsens einstiges Herrschergeschlecht sein Tafelsilber im Waldboden verscharrt.

Moritzburg, Herbst 1944: Die Ostfront rückt immer näher. Auf Schloss Moritzburg bereitet Prinz Ernst Heinrich von Sachsen mit seinen Söhnen Gero und Dedo die Flucht vor. Die wertvollsten Stücke ihres Besitzes verpacken sie in 40 Holzkisten - Porzellan und Tafelsilber Augusts des Starken. Gero und Dedo heben hinterm Schloss zwei große Gruben aus und lassen die Kisten darin verschwinden. Einzig der königliche Forstmeister Gotthardt Mandel ist in die Aktion eingeweiht.

Seine Lieblingsstücke beließ Ernst Heinrich jedoch zunächst auf seiner Residenz. Erst als die Rote Armee im Februar 1945 unmittelbar vor dem Einmarsch stand, verschwanden auch Mohrenkopf, Pokale, Kannen und der güldene Blumenkorb von Johann Melchior Dinglinger in drei Kisten. Diese vergruben die Wettiner - diesmal ohne das Wissen des Försters - etwas abseits im Wald.

Da Sachsens Herrscherhaus aus seinen Reichtümern zuvor nie ein Geheimnis machte, wussten auch die Russen davon. Gleich nach der Einnahme der Ländereien durch die Rote Armee begann die Jagd danach. Zunächst erfolglos. Doch als der russische Geheimdienst Forstmeister Mandel 1947 mit dem Gulag drohte, lüftete der das Geheimnis.

Die Rote Armee grub die 40 Kisten aus. Die Kunstschätze wurden nach Russland gebracht. Teile des Tafelsilbers sollen noch heute in der Eremitage in St. Petersburg liegen. Die drei Kisten mit den wertvollsten Stücken fanden die Sowjets allerdings nicht.

Zeitenwechsel: 51 Jahre nach der Nacht-und-Nebel-Aktion der Wettiner schlägt die große Stunde des Dresdner Postlers Hanno Vollsack. Mit einem Metalldetektor streift der Hobby-Schatzsucher im Oktober 1996 durch den Moritzburger Forst. In der Nähe eines alten Jagdpavillons schlägt das Gerät an. Vollsack gräbt - und findet den Schatz der Wettiner.

Die schönsten Teile, darunter den Mohrenkopf-Pokal, entnimmt Vollsack den Kisten. Mit den Kunstwerken dekoriert er zunächst seine Wohnung. Der andere Teil bleibt im Versteck. Zwei Tage später meldet er den Fund jedoch dem Grünen Gewölbe in Dresden. Sofort birgt das Landesamt für Archäologie den Schatz. Im Jahr da-rauf sind die Kostbarkeiten in einer Sonderausstellung im Dresdner Schloss zu sehen.

Und was wurde aus Augusts Tafelsilber? Nach erbittertem Streit zwischen dem Freistaat und dem Königshaus fiel der Schatz in den Besitz der Wettiner zurück. Rund 520 Teile wurden 1999 vom Auktionshaus Sotheby’s in alle Welt versteigert. Der Mohrenkopf-Pokal steht heute im Bayerischen Nationalmuseum München. Der prunkvolle Blumenkorb aus dem Jahre 1701 gehört jetzt dem Museum in Dinglingers Geburtsstadt Biberach an der Riß.

Das Gros des Moritzburger Schatzes landete jedoch bei Kunsthändlern und in den Depots privater Sammler. (-bi.-)