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Donnerstag, 12.07.2018

Wertvoller Künstler-Nachlass zieht in den Schlosspark

Durch glücklichen Zufall kommt die Stadt Hohnstein zu einer Skulpturen-Sammlung. Davon profitiert nun Schloss Ulbersdorf.

Von Anja Weber

Die Skulpturen von Horst Weiße sind vielbeachtet und werden öffentlich ausgestellt, wie hier im Innenhof des Sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen.
Die Skulpturen von Horst Weiße sind vielbeachtet und werden öffentlich ausgestellt, wie hier im Innenhof des Sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen.

© Archiv: Wolfgang Wittchen

Ulbersdorf. Aus dem harten, vor allem im Erzgebirge vorkommenden Serpentinstein schlug der Bildhauer Horst Weiße besonders gern seine ausdrucksstarken Figuren. Er verwendete aber auch Sandstein, Marmor und andere Materialien.

Einige der Skulpturen sollen Schloss und Park Ulbersdorf bereichern. Sie stammen aus dem Nachlass des 1993 in Bautzen verstorbenen Künstlers. Seine Kinder, Kerstin Hille und Burkhardt Weiße, wohnen beide in Sebnitz. Sie haben die Skulpturen der Stadt Hohnstein als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Doch wie kommen die Werke nun gerade nach Ulbersdorf? „Das war alles ein purer Zufall“, sagt Kerstin Hille.

Sie habe den Cunnersdorfer Rainer Schneider getroffen, der in Ulbersdorf ein Schreibmuseum einrichten will. Er hatte ihr von seinen Plänen erzählt und bei Kerstin Hille machte es Klick. „Ich dachte mir, das wäre doch auch etwas für die Skulpturen von meinem Vater. Ich hätte sie in der Nähe und es könnten sich mehr Menschen daran erfreuen“, sagt sie. Im Hohnsteiner Rathaus war man sofort Feuer und Flamme. Bürgermeister Daniel Brade (SPD) spricht von einer glücklichen Fügung.

Inzwischen sind die Skulpturen in Ulbersdorf angekommen. Einige kleinere sollen im Schloss gezeigt werden. Die größeren sind später im Schlosspark zu sehen. „Die Skulpturen werten den Park auf jeden Fall auf. Sie sind für uns eine Bereicherung“, sagt Ortsvorsteher Ralph Lux. Man habe jetzt endlich ein konkretes Ziel vor Augen. Er räumt dafür gerne seine bisherigen Ortsamts-Räume und zieht in eine leerstehende Wohnung im Schloss um. Deshalb stehen jetzt erst einmal einige Umbauten an.

Im nächsten Jahr, aus Anlass des 100. Geburtstages des Künstlers, soll die Ausstellung eingeweiht werden. Tochter Kerstin Hille hat allerdings Bedenken, was das Aufstellen der Kunstwerke auf beengtem Raum angeht. „Die Plastiken brauchen Platz. Schließlich müssen sie auf den Betrachter auch wirken können. Und dann habe ich ja auch noch Fotos und andere Dokumente“, sagt sie. Gemeinsam mit dem Bürgermeister wird nun beraten, wie die Ausstellung auch ansprechend präsentiert werden soll. Das liegt ihr in Erinnerung an ihren Vater besonders am Herzen. Seine Plastiken selbst sind vielbeachtet und werden vor allem an öffentlichen Einrichtungen gezeigt. In der Region sind sie noch eher selten.

Wer war also Horst Weiße? 1919 geboren, nahm Horst Weiße nach dem Besuch der Volksschule 1934 seine Ausbildung an der Staatlichen Fach- und Gewerbeschule Grünhainichen im Erzgebirge auf. Im Anschluss daran war er als Holzschnitzer tätig. 1940 trat er in den Kriegsdienst ein. Sein künstlerisches Schaffen war unter anderem von den Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg geprägt. 1942 verlor er ein Bein, kehrte 1943 als Kriegsbeschädigter heim und erlebte schließlich am 13. Februar 1945 den Luftangriff auf Dresden mit. Der „Mann mit Buch“ ist im Gedenken an die schrecklichen Bombennächte in Dresden 1945 entstanden. Die Figur, ängstlich den Blick zum Himmel gerichtet, hält schützend die Hand über ein Buch. Ein Symbol humanistisch-kultureller Gesinnung. Als Bildhauer-Künstler war Weiße Autodidakt, aber die gründliche Holzschnitzerausbildung und -tätigkeit legten die Fundamente für seine spätere Passion. Erst in den 70er-Jahren widmete er sich ganz der bildhauerischen Tätigkeit. Trotz schwerer Kriegsverletzung übte er seinen auch körperlich anspruchsvollen Beruf bis zuletzt aus.