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Samstag, 27.01.2018

Wertvolle Raritäten fürs Karl-May-Museum

Ein privater Sammler hat dem Museum zwei wichtige Geschenke übergeben. Der Münchner hatte einen besonderen Job in den USA.

Von Nina Schirmer

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Vorsichtige Übergabe: Jürgen Wüsteney (links) übergibt eine wertvolle Schale aus seiner Privatsammlung an den Vorstandsvorsitzenden der Karl-May-Stiftung Werner Schul (Mitte) und Sammlungsleiter Robin Leipold (rechts). Letzterer hat für das Kunstwerk eine Vitrine in der Villa Bärenfett ausgesucht. Dort steht auch das zweite Geschenk.
Vorsichtige Übergabe: Jürgen Wüsteney (links) übergibt eine wertvolle Schale aus seiner Privatsammlung an den Vorstandsvorsitzenden der Karl-May-Stiftung Werner Schul (Mitte) und Sammlungsleiter Robin Leipold (rechts). Letzterer hat für das Kunstwerk eine Vitrine in der Villa Bärenfett ausgesucht. Dort steht auch das zweite Geschenk.

© Norbert Millauer

  • Vorsichtige Übergabe: Jürgen Wüsteney (links) übergibt eine wertvolle Schale aus seiner Privatsammlung an den Vorstandsvorsitzenden der Karl-May-Stiftung Werner Schul (Mitte) und Sammlungsleiter Robin Leipold (rechts). Letzterer hat für das Kunstwerk eine Vitrine in der Villa Bärenfett ausgesucht. Dort steht auch das zweite Geschenk.
    Vorsichtige Übergabe: Jürgen Wüsteney (links) übergibt eine wertvolle Schale aus seiner Privatsammlung an den Vorstandsvorsitzenden der Karl-May-Stiftung Werner Schul (Mitte) und Sammlungsleiter Robin Leipold (rechts). Letzterer hat für das Kunstwerk eine Vitrine in der Villa Bärenfett ausgesucht. Dort steht auch das zweite Geschenk.
  • Bird-Design heißt die Machart der Tonschale, weil das Muster innen einen Vogel darstellt. Circa 1910 wurde sie getöpfert.
    Bird-Design heißt die Machart der Tonschale, weil das Muster innen einen Vogel darstellt. Circa 1910 wurde sie getöpfert.
  • Ungefähr zur selben Zeit entstand der Akrobat – eine Figur, die einen fremden Menschen außerhalb der Pueblo-Kultur darstellt.
    Ungefähr zur selben Zeit entstand der Akrobat – eine Figur, die einen fremden Menschen außerhalb der Pueblo-Kultur darstellt.

Radebeul. Seinen Koffer hat Jürgen Wüsteney am Freitag wie seinen Augapfel gehütet. Denn in dem Gepäckstück, mit dem er von München nach Radebeul reiste, befand sich wichtige Fracht. Kurz vor halb fünf am Nachmittag erreichte sein Zug die Lößnitzstadt, dann ging es für den 83-Jährigen eilig ins Karl-May-Museum, wo er und seine kostbaren Mitbringsel schon sehnlichst erwartet wurden.

Bei seinen Geschenken handelt es sich um zwei Töpferkunstwerke der indianischen Pueblo-Kulturen des Südwestens der USA. Dazu gehört eine Bird-Design-Tonschale der bekanntesten indianischen Töpferin des 20. Jahrhunderts, Nampeyo (Hopi-Tewa-Pueblo). Ihre Arbeiten werden bei Auktionen mit bis zu 50 000 US-Dollar gehandelt. Das wertvolle Gefäß ist um 1910 gefertigt.

Wüsteney hat die Schale vor Jahren in Santa Fee, der Hauptstadt des US-Bundesstaates New Mexico, erstanden. „Es war ein Ratenkauf“, erzählt er. Denn der Preis lag auch damals schon im fünfstelligen Bereich. In die Mitte der USA hatte es den gebürtigen Berliner verschlagen, als sein erstes Arbeitsleben beendet war. Wüsteney arbeitete als Diplom-Ingenieur bei Siemens im Bereich Datenfernverarbeitung und Kommunikationstechnik in Deutschland und den USA. Er hatte beruflich unter anderem im Silicon Valley und in Florida zu tun. 1995 kam die Pensionierung und mit ihr die Frage, wie er von nun an seine Zeit verbringen könnte. Für einen Dollar kaufte sich der Hobby-Ethnologe damals eine Liste mit allen amerikanischen Nationalparks. „Das war der beste Dollar, den ich je ausgegeben habe“, sagt er rückblickend. Denn so wuchs die Idee, als Ranger zu arbeiten. Eine Bewerbung und drei Monate Wartezeit später fing er im Nationalpark Mesa Verde in New Mexico an. Später war er auch im Bandelier-Nationalpark tätig. Acht Jahre lang arbeitet Wüsteney insgesamt als Ranger, gab Führungen, erklärte Touristen die Wanderrouten und die Besonderheiten von Landschaft, Kultur und Geschichte.

In dieser Zeit kam auch das zweite Stück in seinen Besitz, das er nun dem Karl-May-Museum schenkte. Eine Tonfigur von einem unbekannten indianischen Künstler der Cochiti-Pueblo-Kultur. Sie entstand ebenfalls circa 1910 und zeigt einen Akrobaten. Mittels solcher Tonfiguren stellten die Indianer damals fremde Menschen außerhalb der Pueblo-Lebenswelt mit humoristisch bis satirischen Zügen dar. Ein befreundeter Museumsdirektor hatte Wüsteney die Tonfigur angeboten, bevor sie offiziell in den Verkauf kam. Die beiden Raritäten, Schale und Akrobat, sind zwar nicht signiert. „Das war, als sie gefertigt wurden, noch nicht üblich“, sagt Wüsteney. Ein Zertifikat bestätigt aber ihre Echtheit.

Und das macht sie zu begehrten Objekten. „Danach würden sich einige die Finger abschlecken“, sagt der Sammler mit Blick auf Museumsdirektoren. Warum gibt er die beiden Stücke, auf die er so stolz ist, denn ausgerechnet nach Radebeul? Das liege daran, dass sie dort gesehen werden, sagt Wüsteney. Dem Senior ist wichtig, dass die Raritäten in der öffentlichen Ausstellung stehen, wo die Besucher sie betrachten können. In anderen Museen würden die Kunstwerke sicherlich im Depot landen, glaubt er. Die Schenkung ans Karl-May-Museum ist ihm deshalb eine Herzensangelegenheit. Mit Sammlungsleiter Robin Leipold hat er besprochen, dass die Stücke in eine Vitrine in der Ausstellung kommen.

Beim Museum ist die Freude groß. „Diese beiden hochwertigen Objekte stellen eine ungemeine Bereicherung für unser Haus dar“, sagt Leipold. „Sie füllen eine wichtige Lücke für unser Sammlungsgebiet der südwestlichen Indianerkulturen.“ Und es könnten noch mehr Objekte dazukommen. Denn insgesamt umfasst die Privatsammlung von Jürgen Wüsteney 150 Stücke. Der Rentner kann sich gut vorstellen, dass er dem Karl-May-Museum noch weitere vermacht. Vor allem, wenn das Museum, wie geplant, in Zukunft wächst und die Ausstellungsfläche größer wird. „Ich habe viele Völkerkundemuseen in verschiedenen Ländern besucht“, sagt Wüsteney. Die Sammlung in der Villa Bärenfett in Radebeul sei hervorragend. Seiner Meinung nach werde dieser Teil des Museums aber noch zu wenig wahrgenommen. Auch deshalb unterstütze er gerne.

Der Kontakt nach Radebeul besteht schon lange. Über seine Erfahrungen und Erlebnisse berichtet Wüsteney seit nahezu 20 Jahren bei Vorträgen im Karl-May-Museums. Es ist zur Tradition geworden, dass er den ersten Vortrag im neuen Jahr hält und damit wird auch 2018 nicht gebrochen. An diesem Sonnabend entführt er das Publikum um 18.30 Uhr bei einem Bildervortrag nach New Mexico. Unter anderem stellt er bedeutende Pueblo-Ruinen im Nationalpark Bandelier vor.