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Montag, 17.09.2018

Wer hilft den Anwohnern an der S177?

Der Verkehr wächst und wächst, die FDP unterstützt eine Tonnagebegrenzung für Lkws. Chancen hat das kaum.

Von Domokos Szabó

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Der Verkehr drängt sich in Wünschendorf.
Der Verkehr drängt sich in Wünschendorf.

© Dirk Zschiedrich

  • Der Verkehr drängt sich in Wünschendorf.
    Der Verkehr drängt sich in Wünschendorf.

Die Lösung schien schon greifbar nah. Als Anfang dieses Jahres der Weiterbau der Dresdner Ostumfahrung genehmigt wurde, fiel den Wünschendorfern und Eschdorfern ein Stein vom Herzen. Die neue Straße soll um die beiden Orte herumführen und die bisherige S 177 entlasten. Das brauchen sie auch dringend. In den letzten knapp zehn Jahren hat sich der Verkehr vor ihrer Haustür fast verdoppelt. Täglich rollen im Schnitt 15 600 Fahrzeuge von und zur A 4 im Norden und zur A 17 im Süden. Lkw um Lkw zwängt sich durch die schmalen Kurven in Wünschendorf. Bürgersteige gibt es in beiden Orten nicht durchgängig.

Doch die Hoffnung ist mittlerweile Ernüchterung gewichen. Grund ist eine Klage der Umweltschutzorganisation BUND, die den Bau um Jahre verzögern könnte. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) will Verbesserungen für den Naturschutz erreichen, es geht um eine breitere Grünbrücke am Doberberg und eine Trassenverschiebung am Klemnitztal, damit dort weniger schützenswerte Bäume gefällt werden. Bis über die Klage letztinstanzlich entschieden ist, könnten Jahre vergehen.

Nun sammeln die Wünschendorfer im Internet Unterschriften für eine Petition an Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Ortsvorsteher Wolfgang Weiß sagt: „Wir sind nicht mehr Willens, den momentanen Zustand zu ertragen.“ Die Sicherheit der Anwohner sei gefährdet. Mit der Petition soll erreicht werden, dass Lkws ab 7,5 Tonnen die Durchfahrt beider Orte verboten wird. Bis zum Wochenende sind mehr als 550 Unterstützungsbekundungen zusammengekommen.

Zusätzlich macht sich die FDP zum Anwalt der Wünschendorfer und Eschdorfer. Am Montag, 17. September, soll im Kreistag über einen Antrag der FDP-Fraktion abgestimmt werden. Fraktionschef Uwe Steglich sagt: „Ein weiteres jahrelanges Leiden der Bürger aufgrund des immer weiter zunehmenden Verkehrsaufkommens, vor allem des Schwerlastverkehrs, können wir nicht hinnehmen.“ Nach dem Willen der Liberalen soll der Kreistag den Freistaat dazu auffordern, den Bau der S 177 trotz des Prozessrisikos sofort zu beginnen und die von den Wünschendorfern gewünschte Tonnagebegrenzung zu prüfen. Die könnte das Landratsamt verhängen. Ob es dazu kommt, ist jedoch eher fraglich. Die Spitze des Landratsamtes steht der Forderung skeptisch gegenüber. Schließlich seien Staatsstraßen genau dafür da, den überregionalen Verkehr aufzunehmen. Vize-Landrat Heiko Weigel schätzt ein, die Belegungszahlen auf der S 177 seien nicht außergewöhnlich hoch. Auch seien die Unfallzahlen seit der Freigabe des Teilstücks Bonnewitz/Pirna nicht gestiegen.

Die Polizei bestätigt das auf SZ-Anfrage. So gab es in Wünschendorf 2016 fünf Verkehrsunfälle genauso viel wie 2013. Ein Trend ist nicht zu erkennen. 2017 krachte es elfmal, die meisten Unfälle, 20 an der Zahl, wurden jedoch 2015 gezählt. In Eschdorf sind die jährlichen Unfallzahlen seit Jahren einstellig. Tödliche Unfälle passierten in den letzten fünf Jahren in den beiden Orten nicht.

Laut Landratsamt gibt es in der Region immer noch eine Reihe vergleichbarer Staatsstraßen mit ähnlich belastenden Verkehrsverhältnissen. So schlussfolgert der Vize-Landrat: „Das macht die juristische Begründung eines Lkw-Verbots außerordentlich wacklig.“

Hinzu kommt: Die Lkws müssten dann Dresden von westlicher Seite, sprich auf der A4 und der A 17, umfahren. Vor allem die A4 ist aber mittlerweile komplett überfüllt und braucht selbst eine Entlastung. Mit dem Lkw-Verbot, so Vize-Landrat Weigel, würde man den den Einwohnern von Wünschendorf Steine statt Brot geben, wenn das Lkw-Verbot nach wenigen Wochen keinen rechtlichen Bestand hätte. „Es bleibt dabei: Die S 177 muss zügig zu Ende gebaut werden.“

Die FDP appelliert indes an den BUND, kompromissbereit zu sein. Fraktionschef Steglich: „Auch wenn Landesgeschäftsführer David Greve argumentiert, dass die Argumente des BUND nicht ausreichend berücksichtigt worden seien, darf das nicht zulasten der Anwohner gehen. Bei einem solchen Projekt sind nicht alle Forderungen hundertprozentig erfüllbar. Jeder muss zurückstecken, auch der BUND.“