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Freitag, 04.12.2015

Wenn Rosin kocht, kocht ganz Mücka

Jetzt sind die technischen und baulichen Veränderungen umgesetzt.

Von Sabine Ohlenbusch

Fernsehkoch Frank Rosin erklärt auf dem Schulhof, wie gute Verpflegung für die Kantine funktioniert. Sachlich sicher richtig. Neben ihm Schulleiter Torsten Weiß.
Fernsehkoch Frank Rosin erklärt auf dem Schulhof, wie gute Verpflegung für die Kantine funktioniert. Sachlich sicher richtig. Neben ihm Schulleiter Torsten Weiß.

© andré schulze

Mücka. Mücka ist am Dienstag im Fernsehen gewesen – mit der vierten Episode der Fernsehshow „Rosins Kantinen“. Und das zur besten Spielfilmzeit auf Kabel eins. Die Quote ist gut an diesem Abend. Dabei hat es hinter und vor den Kulissen auf verschiedenen Ebenen geknirscht. Frank Rosin ist zum Beispiel häufig in der Show zu zweifelhaften Scherzen aufgelegt, die nicht nur auf das Küchenpersonal zielen. Das funktioniert gut im Fernsehen. Es hat aber auch Folgen für die Menschen in Mücka. Schlimm ist, dass ein Außenstehender die Konflikte, die er im Fernsehen sieht, nicht verstehen kann. Wenn Frank Rosin dem Förderverein, dem Küchenteam, der versammelten Elternschaft und der Gemeinde vor laufender Kamera sagt, dass sie in seiner Show keine Rolle spielen, dann ist das aus seiner Sicht konsequent und das Credo der Sendung. Denn es geht darin um die Kinder und ihr Essen. Aber es haben noch eine Menge anderer Menschen etwas mit dem Problem vom guten oder eben nicht guten Essen in Mücka zu tun. Und zwar vor Rosin – und insbesondere danach. Über die Mattscheibe flimmert eben nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit.

„Niemand hat das Küchenteam unter Druck gesetzt“

Dabei hat es zuerst so ausgesehen, als sei alles geregelt: Im Vorfeld hat Schulleiter Torsten Weiß mit der Betreiberin der Mensa, Eva-Maria Ertel, gesprochen – noch bevor er sich überhaupt bei der Produktionsfirma der Sendung gemeldet hat. Dann sind zunächst die Redakteurin der Show alleine gekommen und später noch ein Viererteam, das sich die Räumlichkeiten angeschaut hat. Natürlich hat auch jede Person, die vor der Kamera erscheinen soll, schriftlich eingewilligt. Soweit ist also alles transparent. „Niemand hat das Küchenteam unter Druck gesetzt“, kommentiert Torsten Weiß. „Gerade auf die Gesundheit von Frau Ertel hat die Produktion Rücksicht genommen. Auch die Entscheidung, abzubrechen, ist akzeptiert worden.“ Die Probleme liegen an anderer Stelle. Denn die räumlichen Gegebenheiten der Kantine sind alles andere als ideal. Ohne die Möglichkeit zu kühlen ist eben frische Küche schwerlich möglich. Auch der zu niedrige Preis für eine Mahlzeit ist ein Faktor gewesen, der die Zutatenliste begrenzt. Das alles liegt nicht nur in der Verantwortung der Betreiberin und ihres Teams. Aber in der Sendung sieht es genau danach aus.

Jetzt sind die technischen und baulichen Veränderungen umgesetzt. Diesen positiven Aspekt sieht Bürgermeister Markus Kiese. „Ich denke auch, dass die Verbesserungen für die Schule gut gewesen sind“, sagt er. Für ihn ist in der Sendung die ganze Problematik der Essensversorgung und die Gesundheit von Eva-Maria Ertel nicht genügend beachtet worden. Er sei nicht glücklich mit der Situation, die nun entstanden ist. Allerdings ist die Sendung ausgestrahlt und wird am 6. Dezember wiederholt.

Wie auf der Anklagebank

Dabei hat der Bürgermeister schon angemerkt, dass die Folgen im Vorfeld zu bedenken gewesen seien. Die Show habe sich eben nur für das Essen interessiert. Und die Art und Weise, auf welche dies geschehen ist, folge einer bestimmten Dramaturgie. „Ich habe schon mehrfach mit dem Fernsehen zu tun gehabt, ich habe gewusst, was auf mich zukommt“, fügt er hinzu. „Das Problem bei solchen Sendungen ist, dass sie an einen Ort kommen, an dem sie die Situation überhaupt nicht kennen.“

Genau das gibt Rosin unumwunden zu. Im Magazin direkt nach „Rosins Kantinen“ schildert er seine Erlebnisse in Mücka ausführlich. Hier sagt er, dass er nicht durchschauen kann, welche Interessen bei der Elternversammlung vertreten worden sind. Wie auf der Anklagebank habe er sich gefühlt. Damit ist er sicher nicht allein. Denn auf ähnliche Art und Weise hat er selbst mit dem Küchenteam gesprochen – offen, direkt und mit den eigenen Zielen im Hinterkopf. Dass ihm die Argumente seiner Antagonisten und Widersacher nicht stichhaltig erscheinen, liegt daran, dass sie nur aus den Beziehungen im Ort heraus zu verstehen sind – und nicht nur mit der reinen Kochkunst zu tun haben. Auch so ist zu erklären, dass Markus Kiese persönlich in den sozialen Netzwerken angegriffen wird, nachdem Frank Rosin ihn in seinem Kommentar als Bremser für die Aktion bezeichnet hat.

Ob er es gewollt hat oder nicht, Frank Rosin hat mit seiner Hilfsaktion in ein Wespennest getroffen. Die Darstellungen in der Sendung selbst sind für eine Show solchen Formats gemäßigt. Es ist auch Rücksicht auf Eva-Maria Ertel genommen worden. Dass sie sich aber kurzfristig nicht zur Ausstrahlung äußern möchte, sagt auch viel darüber aus, welche Folgen der Sendebeitrag gehabt hat.