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Montag, 09.07.2018

Wenn Helfer selbst Hilfe brauchen

Das DRK beklagt schlechte Zustände beim Katastrophenschutz. Eine Petition soll helfen. Sie braucht Unterstützer.

Von Romy Altmann-Kühr

DRK Kreisbereitschaftsleiter Mike Schnitter zeigt die Fahrzeughalle für die Katastrophenschutzautos in Löbau. Die Arbeitsbedingungen lassen zu wünschen übrig, kritisiert das DRK.
DRK Kreisbereitschaftsleiter Mike Schnitter zeigt die Fahrzeughalle für die Katastrophenschutzautos in Löbau. Die Arbeitsbedingungen lassen zu wünschen übrig, kritisiert das DRK.

© tompic

Löbau-Zittau. Eine alte, kahle Halle, keine Toiletten und Duschen für die Rettungskräfte, schlechte Ausstattung – das ist die Einsatzzentrale der Katastrophenschützer vom DRK. Sie steht in Löbau, wo genau, will das Rote Kreuz nicht sagen, denn auch mit Einbrechern hatten es die Retter hier schon zu tun. Die schlechten Zustände für den Katastrophenschutz bemängelte jetzt die Löbauer DRK-Chefin Silke Seeliger, als Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) Löbau besuchte und mit Einwohnern diskutierte.

Frau Seeliger sprach das Stichwort „Helfergleichstellung“ an. Sie bezieht sich auf die Feuerwehrförderung des Freistaats. Vorigen Monat hatte die Landesregierung angekündigt, das Geld für die Feuerwehren aufzustocken. Der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags hatte beschlossen, bereits für dieses Jahr die Unterstützung für die Feuerwehren von 21 auf 40 Millionen Euro deutlich zu erhöhen. Bis 2022 wird der Freistaat 200 Millionen Euro für Investitionen bei den Feuerwehren zur Verfügung stellen. „Dass die Kameraden mehr Unterstützung bekommen, ist völlig richtig. Es gibt aber noch andere ehrenamtliche Retter“, so Silke Seeliger. Die Rettungshundestaffel, den Katastrophenschutz, die Wasserrettung, die Bergretter zählt sie auf. Diese Leute sind alle ehrenamtlich tätig, genau wie die Feuerwehrkameraden, sagt Frau Seeliger. „Man sollte die Förderung auf alle ehrenamtlichen Retter ausweiten“, so ihre Forderung. Es könne nicht sein, dass manche Helfer schlechter gestellt sind, als andere. Als Beispiel benennt sie den Zustand der Katastrophenschutzhalle in Löbau, wo die Einsatzfahrzeuge untergestellt sind. Weder für die Fahrzeuge noch für die Helfer gebe es dort gute Bedingungen. Das bestätigt auch Mike Schnitter, der beim Löbauer DRK zuständig ist für die Koordination der Ehrenamtler und gleichzeitig Bereitschaftsleiter für den Katastrophenschutz im Landkreis ist. Im Landkreis Görlitz gibt es drei Einsatzzüge für den Katastrophenschutz. Das DRK Löbau stellt gemeinsam mit Weißwasser einen davon. Weitere gibt es in Görlitz und Zittau. Sie übernehmen jeweils verschiedene Aufgabenbereiche. Die DRK-ler, die im Notfall zum Einsatz kommen, sind Ehrenamtler, erklärt Mike Schnitter. Das funktioniert ähnlich wie bei der Feuerwehr: Wird bei einem Unglück der Katastrophenschutz alarmiert, eilen die Retter von der Arbeit oder von zu Hause zum Stützpunkt und rücken aus.

Zum Einsatz kommen die Katastrophenschützer, wenn von einem Unglück viele Menschen betroffen sind, zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall mit vielen Verletzten. Sie helfen mit medizinischer Versorgung, aber auch mit Lebensmitteln. Eine Feldküche gehört zum Beispiel zur Ausstattung des Katastrophenschutzes im Landkreis.

Den jüngsten Bombenfund in Dresden nennt Schnitter als Beispiel, wo tausende Bewohner tagelang nicht in ihre Wohnungen konnten. In der Umgebung war der Katastrophenschutz beispielsweise im vergangenen Jahr in Großschönau bei einem Zugunfall im Einsatz. Auch bei den Großveranstaltungen in Ostritz im April waren die Katastrophenschützer vor Ort.

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Für die Instandhaltung der Stützpunkte bekommt der Landkreis Geld vom Freistaat, das er teilweise an die jeweiligen Träger – also in diesem Fall das DRK – weiterreicht. „Für den Krankenwagen“, berichtet Mike Schnitter, „bekommen wir pro Jahr 1 200 Euro.“ Davon ist die Hallenmiete zu bezahlen, Strom für die Geräte, die Prüfung und Wartung der medizinischen Geräte auf den Wagen, die Helfer müssen geschult werden, Benzin und Versicherung sind für das Fahrzeug zu bezahlen. „Jeder, der ein Auto hat, weiß, dass das hinten und vorn nicht reicht“, sagt Schnitter. Zwar nutze das DRK die Fahrzeuge auch für andere Zwecke. „Sie sind aber eben auch für den Katastrophenschutz gedacht und müssen dafür einsatzbereit sein.“ Geld nimmt das Rote Kreuz zusätzlich von Fördermitgliedern ein oder bei Veranstaltungen, wenn die Retter als Absicherung bestellt werden. „Es kann aber nicht die Lösung sein, dieses Geld für eine Sache zu verwenden, für die eigentlich Landkreis und Freistaat zuständig sind.“ Der Landkreis unterstützt nach seinen Möglichkeiten, übernimmt etwa Kosten für Medikamente.

Das Görlitzer DRK hat jetzt eine Petition unter dem Motto „Helfergleichstellung in Sachsen“ gestartet, die online unterstützt werden kann. Sie steht unter dem Motto „Status 6“. Die Forderung an den Freistaat lautet: Gleichstellung der ehrenamtlichen Helfer der Hilfsorganisationen gegenüber den Kameraden der Feuerwehr und ein Förderprogramm für Investitionen in den Katastrophenschutz. Dabei geht es den Helfern vor allem um eine vernünftige Unterbringung von Einsatztechnik und Mannschaften. Der Begriff „Status 6“ bedeutet im Behördendeutsch „nicht einsatzfähig“, erklärt Mike Schnitter den Titel. Das ist natürlich nur symbolisch gemeint, betont er. Einsatzbereit sind die Helfer.

Fünf Wochen lang kann man die Petition noch im Internet unterzeichnen. Dann wollen die Ehrenamtler sie einreichen. Denn derzeit geht es im Landtag um den Doppelhaushalt für 2019/2020. Jetzt sei die Chance, auf das Problem aufmerksam zu machen, damit Geld dafür in den Haushalt eingestellt wird, so Schnitter. Auch Minister Dulig versprach in Löbau, das Thema mit in den Landtag zu nehmen.

Link zur Petition: www.szlink.de/DRK-Petition