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Freitag, 26.05.2017

Wenn Glocken schweben

In der Briesnitzer Kirche wird Platz gemacht für das neue Geläut. Beim Bau kam auch Unangenehmes ans Licht.

Von Annechristin Bonß

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Ganz vorsichtig zieht sich der Kran aus dem Turm zurück.
Ganz vorsichtig zieht sich der Kran aus dem Turm zurück.

© Kirchgemeinde

  • Ganz vorsichtig zieht sich der Kran aus dem Turm zurück.
    Ganz vorsichtig zieht sich der Kran aus dem Turm zurück.
  • So gelangen die drei Stahlglocken sicher auf den Boden. Eine Woche können sie nun direkt an der Briesnitzer Kirche bestaunt werden. Dann bekommen sie neue Standorte.
    So gelangen die drei Stahlglocken sicher auf den Boden. Eine Woche können sie nun direkt an der Briesnitzer Kirche bestaunt werden. Dann bekommen sie neue Standorte.
  • Das Gerüst bleibt am Turm stehen, bis die neuen Glocken eingebaut werden.
    Das Gerüst bleibt am Turm stehen, bis die neuen Glocken eingebaut werden.

Dieses Spektakel währte nur kurz. Eigentlich waren am Mittwochvormittag sechs Stunden eingeplant, um die alten Glocken aus dem Briesnitzer Kirchturm zu bergen. Am Ende haben nur zweieinhalb Stunden gereicht. Schon halb elf konnten Besucher die drei Exemplare aufgereiht vor der Kirche bestaunen. Schnell haben die Arbeiter den Arm des Autokrans wieder eingefahren. „Das lief reibungslos“, sagt Bauüberwacher Frank Müller.

Mit der Prognose wollte er vorher nicht so sicher umgehen. In den vergangenen zwei Wochen haben die Arbeiter zunächst den Turm geöffnet. Dafür mussten sie Steinsäulen entfernen. Dann wurden die Glocken abgesetzt und der Glockenstuhl demontiert. Auf Schienen haben die Arbeiter die Glocken zur Öffnung transportiert. Dort wurden sie an den Kran gehangen. Eine Zentimeterarbeit: Nur 40 Zentimeter Spiel blieben, um die Glocke an- und schwebend durch die Öffnung zu heben.

Knapp 40 Schaulustige haben die Arbeiten verfolgt. Viele haben fotografiert. Lange hat sich die Kirchgemeinde auf diesen Augenblick und die kommenden Wochen vorbereitet. Das alte Stahlgeläut ist verschlissen. Nur 97 Jahre hat es im Turm gehangen und für den guten Klang im Ort gesorgt. Das Geläut aus dem 17. Jahrhundert wurde im Ersten Weltkrieg abmontiert, weil die Bronze für den Krieg benötigt wurde. Der Ersatz aus Stahl hielt leider nicht einmal 100 Jahre.

220 000 Euro musste die Gemeinde aufbringen, um ein neues Geläut gießen und montieren zu lassen. Der Förderverein und die Landeskirche halfen. Nun fehlten eigentlich nur noch 20 000 Euro. Fast war das Ziel geschafft. Fast. Denn nach den ersten Arbeiten im Turm wurde klar, dass noch einmal so viel Geld zusammenkommen muss. Der Turm ist aus einfachem Pläner gebaut – ein besonders weiches Gestein. Vom Gerüst aus wurden Schäden entdeckt. Deswegen mussten extra Sicherungsmaßnahmen für das Mauerwerk getroffen werden, so an der Öffnung für die Glocken.

Mit Konzerten und bei Spendenaktionen wollen die Briesnitzer nun die fehlenden 40 000 Euro sammeln. Einer von ihnen ist Rolf Schnaithmann. Er arbeitet im Bauausschuss der Gemeinde für das Vorhaben mit. Auch er hat die Arbeiten beobachtet. Wie wohl die Glocken vor 97 Jahren in den Turm gekommen sind? Wohl nicht mit einem Autokran. „Leider sind alle Unterlagen darüber in der Bombennacht 1945 verbrannt“, sagt er. Sie haben im Zentralarchiv der Kirche gelagert. „Vielleicht wurde ein Flaschenzug benutzt“, sagt er.

Dass ein neues Geläut dringend notwendig gewesen ist, war an den alten Glocken zu sehen. Am Joch des größten Exemplars sind Risse im Stahl zu sehen. 3,2 Tonnen wiegt die Glocke, die einst daran montiert war. Sie soll künftig an der Nordseite der Kirche stehen und an die Folgen des Kriegs erinnern. Auch die mittlere Glocke mit 1,7 Tonnen wird zum Erinnerungsstück. Sie bekommt entweder einen Platz auf dem Äußeren Friedhof Briesnitz oder am Kriegsdenkmal nahe der Kirche. Hier soll der Opfer der Weltkriege gedacht werden. Nur die kleinste Glocke aus dem alten Geläut wird wieder erklingen. Sie hängt künftig auf dem Äußeren Friedhof im Freien und wird bei Gedenkfeiern geläutet. Eine Woche können die Briesnitzer das alte Geläut noch direkt an der Kirche bestaunen. Die neuen Glocken werden am 27. August erwartet. Danach werden sie eingebaut. Bis dahin entsteht der neue Glockenstuhl aus Eichenholz, der Turm wird umgebaut und die Decke angepasst. „Wir sind gut im Zeitplan“, sagt Rolf Schnaithmann. Am Reformationstag soll das neue Geläut erstmals erklingen.

Termine zum Spendensammeln für das neue Geläut: 4. Juni, 7 Uhr, Pfingstkonzert am Hotel Villa Weltemühle, Merbitzer Straße 53 sowie 10. Juni, 15 Uhr, Turmfest mit Andacht, Führungen und Konzert

www.verein-kdb.de

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