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Freitag, 08.06.2018

Wenn die Versicherung nicht zahlt

Von Falk Zielke

Ein Paar geht einkaufen. Als es zurückkommt, sind die Zimmer der Wohnung durchwühlt, Schränke und Schubladen aufgehebelt. Schmuck, ein Tresorschrank mit Bargeld und Ausweise sind gestohlen. Ein solcher Einbruch ist eigentlich ein Fall für die Hausratversicherung. Denn diese zahlt bei Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Blitzschlag, Explosion, Einbruchdiebstahl oder Sturm.

Doch in diesem Fall kürzte der Versicherer die Zahlung um die Hälfte. Der Grund: Das Paar hatte die Haustür nicht abgeschlossen. An der Wohnungstür konnten die Ermittlungsbehörden deshalb keine Einbruchsspuren feststellen. Offenbar konnten die Diebe die Tür mit vergleichsweise einfachen Mitteln öffnen. Ein grob fahrlässiges Verhalten, wie das Landgericht Kassel urteilte (Aktenzeichen: 5 O 2653/09).

„Dabei gibt es inzwischen viele gute Verträge, die eine Kürzung bei grober Fahrlässigkeit ausschließen“, sagt Michael Bruns, Versicherungsexperte bei der Stiftung Warentest. Daher kann es sich lohnen, die bestehenden Verträge auf den Prüfstand zu stellen. Denn bei alten Verträgen sind Versicherer bei nicht abgeschlossenen Türen, gekippten Fenstern oder herumliegenden Streichhölzern in Kinderhaushalten im Schadensfall schnell dabei, von grober Fahrlässigkeit zu sprechen.

Ärgerlich für Kunden: „Dann haben sie jahrelang die Beiträge gezahlt und bekommen im Schadensfall trotzdem nicht alles erstattet“, sagt Bruns. Insbesondere bei Totalschäden durch Brand oder Wasser entgehen dem Versicherten so schnell mal Zehntausende Euro, je nach Grad und Schwere der Fahrlässigkeit. „Diese Einstufung birgt zudem großes Streitpotenzial, das im Ernstfall mit einer Gerichtsverhandlung endet“, sagt Gabriele Zeugner von der Verbraucherzentrale Bremen.

Auch aus einem weiteren Grund lohnt sich die Überprüfung des Versicherungsvertrages: „Viele Verbraucher sind nach einigen Jahren unterversichert“, sagt Bruns und nennt ein typisches Beispiel: Ein junges Paar schließt eine Hausratversicherung ab, als es zusammenzieht. Nach und nach werden die Möbel aus der Studentenzeit durch hochwertigere ausgetauscht. Es kommen Kinder mit ihrem Hausrat dazu, ein größerer Fernseher – nach fünf Jahren hat sich der Hausrat bereits verdoppelt. Die Summe, die als Wert für den Hausrat angegeben worden war, passt dann nicht mehr.

Abschluss ist nicht unbedingt nötig

Im Schadensfall kann die Versicherung prozentuale Abzüge bei der Regulierung vornehmen. „Und zwar unabhängig davon, wie hoch der gemeldete Schaden ist“, sagt Zeugner. Ein Beispiel: Der Hausrat ist bis zu 50 000 Euro versichert. Die Kunden machen einen Sturmschaden von 10 000 Euro geltend. Ein Prüfer der Versicherung stellt aber fest, dass der Hausrat einen Wert von 100 000 Euro hat. „Obwohl der gemeldete Schaden deutlich unter diesen Werten ist, wird der Schaden nur zur Hälfte beglichen, weil eine Unterversicherung von 50 Prozent vorliegt“, sagt Zeugner.

Um das zu vermeiden, sollten Verbraucher regelmäßig den Wert des Hausrats prüfen und ihn gegebenenfalls anpassen. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Die einfachste ist, den Wert pauschal nach der Wohnfläche festzulegen. Die Versicherer schlagen hierzu meist vor, 650 Euro pro Quadratmeter zu veranschlagen. „In der Regel passt das auch sehr gut“, sagt Zeugner. Wer jedoch eine kleine Wohnung hat mit vielen Wertsachen oder umgekehrt ein großes Haus, aber wenig Inventar, der bestimmt den Wert besser individuell. Das bedeutet, man listet alle Gegenstände auf, die zum Hausrat gehören – und zwar zum Neuwert, also dem Wert, der notwendig wäre, um beschädigte oder verschwundene Sachen wiederzubeschaffen. Am besten macht man zusätzlich noch Fotos.

Auch wer sich in den vergangenen Jahren ein E-Bike angeschafft hat, sollte die Vertragsbedingungen seiner Hauratversicherung mal wieder durchlesen. „Oft reicht hier die Versicherungssumme für den Zusatzschutz Fahrrad nicht mehr“, sagt Michael Bruns. Liegt diese bei 1 000 Euro für alle Fahrräder im Haushalt, ist sie mit einem E-Bike meist schon ausgereizt.

Und es gibt noch einen weiteren Grund, Altverträge regelmäßig zu prüfen: Die Preise und Konditionen ändern sich laufend. So ist es inzwischen beispielsweise möglich, sein Hab und Gut zu versichern, falls bei einer Kreuzfahrt in die Kabine eingebrochen wird. Und wer gern Campingurlaub macht, kann den Einbruch in ein an der Straße geparktes Auto versichern. „Normalerweise sind Autos nämlich nur versichert, wenn sie in der Garage parken“, sagt Bruns.

Wer noch keine Hausratversicherung hat, muss übrigens nicht zwingend eine abschließen. Bianca Boss vom Bund der Versicherten nennt eine Faustregel: „Sobald es mich finanziell existenziell trifft, wenn ich etwa bei einem Brand all mein Hab und Gut verliere, ist der Abschluss einer solchen Versicherung sinnvoll.“

(dpa)