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Freitag, 26.01.2018

Wenn die Scheidung auf den Magen schlägt

Etwa 3,4 Prozent der Kinder im Grundschulalter sind depressiv. Helfen kann eine Therapie. Problematisch wird es, wenn sich Eltern sträuben.

Von Theresa Hellwig

Etwa 3,4 Prozent der Kinder im Grundschulalter sind depressiv.
Etwa 3,4 Prozent der Kinder im Grundschulalter sind depressiv.

© dpa-tmn

35 Betten gibt es am Dresdner Uniklinikum für psychisch kranke Kinder. Weitere 20 Kinder können stationär behandelt werden. Gerade in den Wintermonaten sind dennoch die Wartelisten lang. Veit Rößner, Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie, erklärt, wieso auch Kinder an Depressionen erkranken können und was Eltern tun können.

Herr Rößner, wie merkt man, dass ein Kind an Depressionen erkrankt ist?

Bei Kindern ist das schwerer festzustellen als bei Erwachsenen. Jüngere Kinder leiden beispielsweise eher unter Ängstlichkeit oder Unruhe. Eine frühkindliche Depression kann sich aber auch durch Bauch- oder Kopfweh zeigen. Anders als bei Erwachsenen ist Antriebslosigkeit in dem Alter weniger ein Merkmal. Je älter die Kinder werden, desto ähnlicher werden die Merkmale denen von Erwachsenen.

Gibt es Suizid auch unter Kindern?

Ja, aber die Zahlen sind glücklicherweise viel kleiner als bei Erwachsenen. Die Zahlen werden bislang allerdings nicht erfasst.

Wieso erkranken Kinder an Depressionen?

Menschen können eine Veranlagung zu der Erkrankung haben, eine Depression kann aber auch durch bestimmte Erlebnisse entstehen. Auslöser können beispielsweise Probleme in der Familie sein, wie Streit, Scheidung oder auch Überbehütung des Kindes. In der heutigen Zeit fehlt vielen das Haltgebende. Immer häufiger sagen Patienten, dass der Klinikaufenthalt die schönste Zeit in ihrem Leben war. Das finde ich traurig.

Wie werden die Depressionen eines Kindes behandelt?

Nach der Diagnose lernt ein Kind erst einmal, was es für eine Krankheit hat und dass es damit nicht alleine ist. Es erfährt, dass es nicht schuld daran ist. Dann kommen Sport- oder Familientherapien zum Einsatz. Das ist von Fall zu Fall verschieden. Auch Medikamente werden manchmal verabreicht. In der Regel bleiben die Kinder bei einer stationären Aufnahme zwischen acht und zwölf Wochen bei uns. Eine ambulante Behandlung dauert länger.

Es gibt viele Medikamentengegner. Wie stehen Sie zu dem Thema Psychopharmaka bei Kindern?

Das ist eine ethische Frage. Ich werbe dafür, nicht den Fehler zu machen, zu lange zu warten. Die Lebenswelt von Kindern hat nicht dieselbe Zeit wie die von Erwachsenen. Zweimal eine Klasse zu wiederholen, das ist schwierig. Da kann man nicht lange erfolglos herumtherapieren. Viele Medikamente sind gut erforscht und haben hohe Erfolgsquoten.

Wie sollten sich Eltern verhalten, die vermuten, dass ihr Kind erkrankt ist?

Sie sollten nicht aus einer Mücke einen Elefanten machen, jedoch auch nicht andersherum. Wichtig ist eine Therapie – wenn Eltern sich dem Thema Psychiatrie verweigern, ist das ein Problem. Hilfreich ist es, wenn sich Eltern mit anderen austauschen: Was ist normal, was nicht? Sie können an einem Tag X aufschreiben, was sich zum Beispiel innerhalb von vier Wochen geändert haben soll. Wenn sich dann nichts geändert hat, sollten sie handeln.

Das Gespräch führte Theresa Hellwig.

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