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Freitag, 12.10.2018

Wenn der Supermarkt nicht um die Ecke ist

Wer im Gebiet Sachsenplatz, Meline und Jahnstraße wohnt, kann für den Einkauf einen Bus nutzen – zweimal sogar kostenlos. Der DA hat das Angebot getestet.

Von Heike Heisig

Großvermieterin Nicole Hirsch (links) und DA-Redakteurin Heike Heisig testen, ob die erweiterten Buslinien für Einkaufs- oder Fahrten zur Klinik geeignet sind.
Großvermieterin Nicole Hirsch (links) und DA-Redakteurin Heike Heisig testen, ob die erweiterten Buslinien für Einkaufs- oder Fahrten zur Klinik geeignet sind.

© André Braun

Leisnig. Ich bin lange nicht Bus gefahren. Vielleicht freue ich mich gerade deshalb darauf. „Meine Tochter wäre auch gern mitgekommen“, erzählt Nicole Hirsch. Die Geschäftsführerin der Leisniger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (LWVG) ist eingeladen, mit zu testen, was sie ihren Mietern empfiehlt. Das sind die seit August erweiterten Buslinien 895 und 901. Weil die jetzt zusätzliche Haltestellen anfahren, ist das Wohngebiet verkehrstechnisch besser angebunden – zumindest für jene, die selbst nicht mehr mobil sind.

An der Haltestelle Jahnstraße sitzt nur ein älterer Mann. Etwas abseits stehen mehrere Frauen. „Wir warten auf einen Verkaufswagen“, geben sie bereitwillig Auskunft. Der komme in Leisnigs größtes Wohngebiet, seit der Edeka-Markt beziehungsweise dessen Nachfolger unmittelbar am Rande des Gebietes geschlossen ist. Zu den nächsten Märkten wie Penny und Netto ist es aus der Sicht Jüngerer nicht weit. Doch zurück geht es stetig bergauf. Das ist für Ältere beschwerlich, noch dazu mit den Einkäufen in der Hand. Daher würden die Frauen auch meistens darauf zurückkommen, im Wagen vor ihrer Haustür einzukaufen, selbst wenn es etwas teurer ist. Die eine oder andere sei aber auch schon in den jetzt am Wohngebiet haltenden Bus gestiegen und zu Rewe gefahren. Jede Woche passiere das aber nicht.

Schade, findet Nicole Hirsch. Denn die Auswahl in den großen Märkten wie Rewe, Netto und Aldi an der Wilhelm-Ostwald- und Colditzer Straße ist natürlich größer. Mann oder Frau sollte sich allerdings vorher entscheiden, wo er oder sie den Einkaufswagen durch die Regalreihen schieben will. Denn: Es kann nicht überall ein- und ausgestiegen werden. Das hat uns zunächst verwirrt. Doch wer lesen kann, in diesem Fall Fahrpläne, ist klar im Vorteil. Das bewahrheitet sich an diesem Tag einmal mehr. Hilfe gibt’s aber auch vom netten Busfahrer.

Die Linie 895 bedient erst kurz vor 10 Uhr und 13.34 Uhr ab dem „Sonnenblick“ beziehungsweise der Jahnstraße den Haltepunkt Ostwaldstraße. Von dort aus sind der Rewe- und der Aldi-Markt gut und schnell zu Fuß zu erreichen. Doch um diese Zeit hält der Bus nicht an der Colditzer Straße. Das passiert schon eine Busverbindung früher und eine später um 9  und 11 Uhr. Dann sind Einkäufer rasch im Aldi- oder im Netto-Markt und in den Geschäften nebenan. Zum Arzt im Krankenhaus ist es nur über die Straße. Von dort zurück zur Jahnstraße gibt es fünf Verbindungen, drei davon fahren weiter bis zum Bahnhof.

„Das gab es vorm Fahrplanwechsel noch nicht“, so Nicole Hirsch. Sie hat sich mit der Verkehrsgesellschaft in Verbindung gesetzt und für eine Erweiterung der Buslinien 895 und 901 mit Stopps am Wohngebiet stark gemacht. Denn sie will, dass sich die Bewohner auch am Rande der Stadt wohlfühlen und im Alter nicht zurückstecken müssen.

Testen ausdrücklich erwünscht

„Dem Wunsch, unsere Dienstleistungen zu erweitern, sind wir gern nachgekommen. Allerdings muss das Angebot genutzt werden. Umsonst fahren wir die zusätzlichen Haltestellen nicht an“, sagt der Leiter der Döbelner Regiobus-Betriebsstätte Ivica Boskovic später. Für Mieter der LWVG steht daher das Angebot, den Preis für zwei Testfahrten erstattet zu bekommen. „Wer mit den Tickets zu uns ins Büro kommt, der erhält den Fahrpreis zurück“, bietet Nicole Hirsch an.

Die Fahrt vom Sachsenplatz zur Ostwaldstraße dauert kaum mehr als fünf Minuten. Da bleibt nur Zeit für einen kurzen Plausch. Mit einem Einkaufszettel in der Hand, damit ich nichts vergesse, geht es durch den Rewe. Weil ich in diesem Markt eher selten einkaufe, muss ich nach dem einen oder anderen Produkt etwas länger schauen als vielleicht ein Stammkunde. Trotzdem stehe ich fast zeitgleich mit Nicole Hirsch an der Kasse. Wir waren beide so flink, dass wir uns im Café von Burgbäcker Christian Münch noch einen Cappuccino gönnen können, bevor der Bus zurück zur Jahnstraße fährt. Wer also nicht gerade den Einkauf für eine große Familienfeier erledigen muss, schafft alles ganz bequem.

Unser Fazit: In einer Stunde lässt sich viel erledigen, wer länger braucht – etwa beim Arzt ist und dann erst noch zur Apotheke und einkaufen geht – findet genauso eine passende Busverbindung. Allerdings: „Wer viel kauft, für den könnte die Tasche zum Schluss schon schwer werden“, findet Nicole Hirsch, deren Einkaufsbeutel über der Schulter ziemlich straff sitzt. Dass es vom Wohngebiet aus einen Anschluss zum Bahnhof gibt, wird jene freuen, die die Regionalbahn nutzen und für die der Fußweg zum Bahnhof und vor allem bergauf zurück zu beschwerlich ist. Und: Die Busverbindung gibt das Gefühl, wieder mittendrin in der „Einkaufsstadt“ sein zu können, statt an den Rand gedrängt. Zumindest, was Lebensmittel betrifft.