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Mittwoch, 08.08.2018

Wenn der Arbeitsplatz glüht

Um das Arbeiten bei der Hitze erträglich zu machen, gehen die Unternehmen in der Region auch ungewöhnliche Wege.

Von Maik Brückner und Tobias Winzer

Das ist einer der heißesten Arbeitsplätze im Edelstahlwerk Freital. Der Stahl, der hier vergossen wird, hat eine Temperatur von etwa 1600 Grad Celsius. Im Vergleich dazu sind die 35 Grad im Freien geradezu erfrischend.
Das ist einer der heißesten Arbeitsplätze im Edelstahlwerk Freital. Der Stahl, der hier vergossen wird, hat eine Temperatur von etwa 1 600 Grad Celsius. Im Vergleich dazu sind die 35 Grad im Freien geradezu erfrischend.

© Karl-Ludwig Oberthür

Das kann heiß werden. Wenn manch einer bei Außentemperaturen von 35 Grad stöhnt und Abkühlung im Schatten oder Freibad sucht, dann will er garantiert nicht mit den Freitaler Stahlwerkern tauschen. Von draußen drückt die Hitze auf die Produktionshalle und drinnen wird 1 600 Grad heißer Stahl vergossen. „Da erreichen wir Temperaturen in der Halle von durchschnittlich etwa 30 Grad, in Spitzen auch höher“, sagt der Geschäftsführer des Edelstahlwerks, Alexander Grosse.

Auch wenn diese Arbeitsbedingungen bei Freitals größtem Unternehmen ein Extremfall sind, so machen sich viele Chefs in der Region derzeit Gedanken, wie sie das Arbeiten trotz der Hitze zumindest erträglich machen. Ob Angestellte im Büro oder Arbeiter auf einer Baustelle – fast alle haben mit hohen Temperaturen zu kämpfen. Um für Abkühlung zu sorgen, gehen die Unternehmen auch ungewöhnliche Wege.

„Am ärmsten dran sind bei uns die Monteure“, sagt Falk Walther ehrlich. „Bei ihnen kann ich mich nur bedanken.“ Der 50-Jährige leitet ein Metallbauunternehmen in Possendorf mit 45 Mitarbeitern und ist außerdem Chef des Vereins der selbstständigen Handwerker in Freital. Die Monteure sind gerade auf Baustellen in Pirna und Heidenau unterwegs und bringen dort Verankerungen für Balkone an Hausfassaden an. „Und die Arbeiten finden logischerweise nicht immer auf der Nordseite statt“, so Walther. Wenn möglich, vereinbart er mit den Kunden, dass seine Leute früher anfangen können, um der Nachmittagshitze zu entgehen. Er bezahle den Angestellten auch ein Eis. „Ich kann aber nicht sagen, ihr bleibt zuhause. Das geht nicht.“

Etwas leichter haben es die Mitarbeiter in der Zentrale in Possendorf. Die Angestellten in der Werkstatt starten laut Walther zum Teil schon um 4 Uhr mit der Arbeit. Für die Büroleute hat der Unternehmer zwei Kühlaggregatoren und zusätzlich Ventilatoren angeschafft. „Und Wasser wird sowieso gestellt.“

Bei 36 Grad arbeiten die Männer der Lauensteiner Baufirma Zier derzeit am Vorschloss Lauenstein. Geschäftsführer Heiko Zier weiß, was er seinen Mitarbeitern zumutet. Damit die Mitarbeiter bei der Hitze durchhalten, stellt die Firma täglich frisches Mineralwasser zur Verfügung. „Das nehmen sich die Männer am Morgen zur Baustelle mit.“ Trotz des Zeitdrucks lässt Zier keine Überstunden machen. „Nach acht Stunden ist Schluss“, sagt der Firmenchef. Die Leute sind dann ausgepowert.

In der Vergangenheit habe man experimentiert, ob eine Vorverlegung der Arbeitszeit Sinn mache. Doch davon sei man abgekommen. Die Bauleute müssten dann sehr zeitig ins Bett gehen, um morgens fit auf der Baustelle zu sein. Das kam bei den Bauleuten nicht gut an. Deshalb bleibe es dabei, dass die Arbeiten 6.30 Uhr beginnen und 16 Uhr beendet werden.

Im Freitaler Rathaus hingegen nutzen viele Angestellte die Chance zur Verlagerung der Arbeitszeit. Aufgrund der hohen Außentemperaturen sei für Mitarbeiter der Verwaltung die Rahmenarbeitszeit angepasst worden, sagt Rathaussprecher Matthias Weigel. Ein Dienstbeginn um 6 Uhr ist demnach vorübergehend möglich. „Das Angebot wird durchaus genutzt“, so Weigel. Auf die Öffnungszeiten und die ordnungsgemäße Erledigung der Aufgaben habe die veränderte Arbeitszeit keinen Einfluss. Für Bereiche, die besonderer Hitze ausgesetzt sind, stellt die Stadt außerdem kostenlos Mineralwasser zur Verfügung.

Unter den Außentemperaturen zu leiden haben vor allem die Mitarbeiter im Rathaus Deuben. Im Unterschied zum Rathaus Potschappel gibt es dort keine Klimatisierung. Doch Besserung ist in Sicht – wenn auch nicht mehr für diesen Sommer. Mit der derzeit laufenden Sanierung des Rathauses Deuben wird das Gebäude auch mit einer Klimaanlage ausgestattet.

Welche negativen Folgen die Hitze haben kann, damit sind die Ärzte und Schwestern des Freitaler Klinikums jeden Tag konfrontiert, wenn Menschen mit Kreislaufproblemen eingeliefert werden. Damit es bei den eigenen Mitarbeitern nicht so weit kommt, beugt die Klinikleitung vor. „Die Mitarbeiter können sich an den Wasserspendern bedienen, welche auf den Stationen und in verschiedenen Bereichen platziert sind“, so Sprecherin Heike Klameth. Bei Anfrage werden außerdem Ventilatoren angeschafft. Und im Juni am letzten Tag vor den Sommerferien gab es Eis für alle am Eiswagen.

Ganz so einfach ist es mit der Abkühlung im Edelstahlwerk nicht. Beim Stahlvergießen sind die Männer ständig im Einsatz. Abwechselnd können sie sich aber in den klimatisierten Steuerhäusern abkühlen. Außerdem hat das Werk schon vor Jahren Wasserspender aufgestellt. Beim Kampf gegen die Hitze spielte den Stahlwerkern auch der Zufall in die Karten. In den vergangenen drei Wochen gab es den jährlichen Produktionsstopp, der für Wartungen und Großreparaturen genutzt wird. Die größte Hitzequelle, der heiße Stahl, war damit für eine Weile abgeschaltet.