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Freitag, 09.11.2018

Weinböhlaer Wahnsinn

Zum 50. Jubiläum will der Karnevalsverein es ordentlich krachen lassen. Und bringt vier Angeklagte vors Narrengericht.

Von Ines Scholze-Luft

Der 11.11. steht bevor. So sah es da vor einem Jahr zur Schlüsselübergabe an den Karnevalsverein vor dem Rathaus in Weinböhla aus. Foto: Norbert Millauer (Archiv)
Der 11.11. steht bevor. So sah es da vor einem Jahr zur Schlüsselübergabe an den Karnevalsverein vor dem Rathaus in Weinböhla aus. Foto: Norbert Millauer (Archiv)

© Norbert Millauer

Weinböhla. In diesen Tagen eilt Daniel Wachsmuth von einem Termin zum anderen. Hier eine Medienanfrage, da noch eine Probe mit dem Männerballett. Dort letzte Absprachen für den Faschingsstart am Sonntag. Ein ganz besonderer für den Weinböhlaer Karnevalsverein und seinen Präsidenten. Schon das närrische Motto verrät es. „Der 50. Wahnsinn macht sich breit – in Wambula zur Faschingszeit“.

Ein halbes Jahrhundert sind die Karnevalisten der Gemeinde am Werk. Grund genug, den herkömmlichen Ablauf des Faschingsauftakts ein wenig zu ändern. Da gibt es nämlich mal wieder ein Narrengericht, wie zuletzt vor anderthalb Jahrzehnten. Diesmal sind vier Angeklagte vorgeladen, vier Gewerbetreibende aus dem Ort, sagt Daniel Wachsmuth augenzwinkernd. Was ihnen vorgeworfen wird, erleben die Besucher nach der Schlüsselübergabe 11.11 Uhr. Auch sonst ist für Stimmung auf dem Rathausplatz gesorgt. Schon beim närrischen Frühschoppen im Festzelt.

Wer als Prinz und Prinzessin den Rathausschlüssel vom Bürgermeister übernimmt, bleibt vorerst ein wohlgehütetes Geheimnis. Auch er ist neugierig, verrät Präsident Daniel Wachsmuth. Kann er sich doch gut an die hoheitliche Zeit mit seiner Frau Isabel erinnern, als Prinzenpaar in der 40. Saison. Seitdem ist er dabei, sagt der 42-Jährige.

Geschmack gefunden am Thema Fasching hat der selbstständige Fliesenleger durch seine Frau, die er 1995 kennenlernt. Sie ist in der Funkengarde, er kommt zu jeder Veranstaltung. Später folgt der Prinzenrolle das Amt des Präsidenten. Seit der 42. Saison ist er zuständig für Jux und Tollerei, Vorstandsvorsitzender Robert Glaser trägt die geschäftliche Verantwortung.

Auf den 11.11. freut sich der Präsident nicht nur wegen der Zeremonie samt Umzug von der Helmut-Türk-Straße bis zum Rathaus. Sondern auch, weil die Identität des Erwachsenen- und des Kinder-Prinzenpaares gelüftet wird. Und weil schon die ganz Kleinen dabei sind. Drei Weinböhlaer Kitas, mit eigenem Prinzenpaar. Das Ganze begleitet vom örtlichen Spielmannszug, die Gemeinde sorgt für die nötigen Straßensperrungen.

Wenige Tage nach dem Auftakt geht es weiter mit der Prunksitzung im Zentralgasthof samt komplettem Faschingsprogramm. Ganz im Zeichen des 50. Jubiläums. Mit einer Revue, die in den 70er-Jahren beginnt. Mit Witzen von damals, aufgearbeitet fürs heutige Verständnis. Mit Veronika Fischers immergrünem „Auf der Wiese haben wir gelegen“, mit zwei Grenzsoldaten aus Ost- und Westdeutschland, die mit einem Grenzflüchtling zu tun haben – auf humorvolle Art. Ebenfalls im Visier: die Gemeinde- und die Bundespolitik.

Speziell gewürdigt werden die Erfinder des Weinböhlaer Faschings.

In einer kreativen Pause der Mitarbeiter der damaligen Bücherei in der Hauptstraße 23 wurde die Idee geboren, einen Elferrat zu gründen, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Und dass Brunhilde Lanz, Inge Meißner, Rudi Siegel, Wolfgang Riha, Gerhard Hentschel, Christa Hackert und Margareta Klose den Verein aus der Taufe hoben. Viele Namen folgen, vom ersten Präsidenten Werner Schalm bis zu Heinz Pickardt, dem der Schlachtruf Wambu-la zu verdanken ist.

Erinnert wird an tolle Feiern im Zentralgasthof, mit großer Rutsche von der Galerie in die Saalmitte und Heiratskabinett. In dem historischen Gebäude empfängt der Verein – heute 92 Mitglieder stark, über die Hälfte Kinder und Jugendliche – nach mehreren Umzügen nun wieder seine Gäste zur Prunksitzung.

Für die 50. Saison haben die Vereinsmitglieder intensiv gearbeitet und geprobt. Die Mädels der drei Tanzgruppen, Dekorationsteam, Wagenbaugruppe, Technikabteilung, Männerballett, Vorstand und Elferrat. Sie alle mussten vor einem knappen Jahr einen herben Verlust verkraften. Als beim Brand einer Lagerhalle am Ehrlichtweg Ende Dezember 2017 Bühnendekoration, Kulissen und ein Umzugswagen zerstört wurden. Dank zusätzlichen Einsatzes der Karnevalisten und zahlreicher Helfer konnte beispielsweise eine komplett neue Bühnendeko gebaut werden.

Ein deutliches Zeichen für den Zusammenhalt im Verein, in dem sich dem Präsidenten zufolge schon manche Freundschaft entwickelt hat. Ein weiteres Plus für die Karnevalisten: die Hilfe der Sponsoren, zu denen auch Handwerker und Baustoffhändler gehören. Wen das alles neugierig macht: Jeden Dienstagabend ist Vereinssitzung, und Daniel Wachsmuth zufolge sind neue Ideen jederzeit willkommen.

11.11.18, 11.11 Uhr, Schlüsselübergabe, Rathausplatz Weinböhla;

17.11.18, 20 Uhr, Prunksitzung, Zentralgasthof;

23.11.18, 21 Uhr, Jugendfasching, Gemeindehalle am Möbelhaus Hülsbusch;

www.wambula-wkv.de