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Donnerstag, 14.06.2018

Weinbauverband will Genossenschaft zurückholen

Der neue Vorstand möchte einen alten Streit beilegen und steht vor großen neuen Herausforderungen.

Von Peter Anderson

Auf die Freundschaft: „Des Winzers Schwur“ ist der Titel eines Image-Films, den Produzent Sebastian Linda für die Kampagne „So geht sächsisch“ des Freistaats geschaffen hat. Rund ein Jahr lang begleitete er dafür Sachsens Winzer bei ihrer Arbeit und ihre Gäste beim Feiern.
Auf die Freundschaft: „Des Winzers Schwur“ ist der Titel eines Image-Films, den Produzent Sebastian Linda für die Kampagne „So geht sächsisch“ des Freistaats geschaffen hat. Rund ein Jahr lang begleitete er dafür Sachsens Winzer bei ihrer Arbeit und ihre Gäste beim Feiern.

© Sächsische Staatskanzlei

Elbland. Weingutchef Georg Prinz zur Lippe spielt glücklich mit seinem Hund zwischen den Rebstöcken. Winzer Martin Schwarz freut sich über volle Kisten mit Trauben, die aussehen wie gemalt. In den Gewölben von Schloss Wackerbarth dreht Kellermeister Jürgen Aumüller die Sektflaschen. Als großes Idyll wird im neuen Imagefilm für die Kampagne des Freistaats „So geht sächsisch“ die hiesige Weinbau-Landschaft und -Wirtschaft dargestellt. Fast immer scheint die Sonne. Wolken dürfen höchstens für dramatische Effekte über den Himmel ziehen. In den nächsten Wochen soll der Streifen im Vorprogramm lauer Freilichtkinoabende in der ganzen Republik gezeigt werden. Zudem läuft eine Werbe-Serie mit Porträts von sächsischen Winzern in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an. Knapp 200 000 Euro lässt sich die Staatsregierung das alles kosten.

In den Augen des Weinbauverbandsvorsitzenden Michael Thomas ist das bestens angelegtes Geld. Der Image-Film bedeutet kostenlose Werbung für eines der kleinsten Weinanbaugebiete zwischen Zugspitze und Helgoland. Gerade einmal 0,3 Prozent aller deutschen Weine stammen von der Elbe. Allerdings stimmt die in dem Streifen projizierte heile Welt nicht mit der Wirklichkeit in der Branche überein. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag im Meißner Rathaus wird deutlich, vor welchen Herausforderungen die Winzer im Elbtal und den angrenzenden Regionen stehen.

Verbandschef Thomas, gerade einmal seit Mai im Amt, nimmt dahingehend kein Blatt vor den Mund. Seine Offenheit ist durchaus nicht selbstverständlich. In der Vergangenheit wurden Konflikte eher unter den Teppich gekehrt oder hinter verschlossenen Türen verhandelt. „Wesentlich ist für uns als Vorstand der Zusammenhalt unter den Winzern“, sagt Thomas. Sonst werde der Verband etwa von der Politik nicht als gleichwertiger Partner anerkannt. Ganz oben auf der Agenda stehe deshalb die Rückkehr der Winzergenossenschaft. Sachsens größter Weinhersteller war 2016 wegen verschiedener Probleme aus dem Verband ausgetreten. Michael Thomas zufolge gibt es seit Mitte 2017 wieder regelmäßig Kontakte. Die Zusammenarbeit habe sich verbessert.

Vor diesem Hintergrund dürfte auch ein zweiter Schwerpunkt des Zukunftsprogrammes zu lesen sein, welches der dreiköpfige Verbandsvorstand in Meißen vorstellte. Der Hirschsteiner Bürgermeister und Schatzmeister Konrad Seifert (CDU) soll sich speziell den Sorgen der Kleinwinzer widmen. Die Erfahrung dafür bringt er als Mitglied der Weinbaugemeinschaft Meißen mit. Wichtige Themen sind der Austausch und die Weitergabe von Wissen und Know-how, Fördergelder für neue Trockenmauern und der Streit um die Zwangsabgabe für die landwirtschaftliche Sozialversicherung. Hinzu kommt der demografische Wandel. Die Weinbaugemeinschaft Meißen liefert dafür ein beredtes Beispiel. 32 ihrer Mitglieder sind in der Altersgruppe zwischen 70 und 89 Jahren. Zwischen 30 und 49 Jahre sind dagegen nur insgesamt fünf der Kleinwinzer alt.

Aller guten Herausforderungen sind drei. In den kommenden Jahren müssen Regeln des aktuellen deutschen Weinrechts mit seiner Unterteilung etwa in Qualitätsweine und Prädikatsweine in das romanische Recht überführt werden. Zum Beispiel in Frankreich und Italien werden die Weine seit rund zwei Jahrhunderten nach der Herkunft der Trauben und damit der Weinbergslagen klassifiziert. Hoflößnitz-Kellermeister Felix Hößelbarth widmet sich im Verbandsvorstand vordringlich diesem Problemkreis. Der Radebeuler hat sein Rüstzeug an den Hochschulen in Geisenheim und Bordeaux erworben. Er hofft darauf, dass sich Sachsen beim neuen Recht an einer bundesweiten Vorgabe orientieren kann. Weitgehend objektive Kriterien wie Mostgewicht, Hektarertrag, Art der Lese oder des Bewirtschaftens könnten in eine Bewertungsmatrix einfließen. Nach seiner Ansicht dürfte sich dieser Prozess über mehrere Jahre erstrecken. Parallel dazu werde am Aufbau einer Schutzgemeinschaft für den sächsischen Wein und den Herkunftsbegriff Sachsen gearbeitet.