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Donnerstag, 21.12.2017

Weidel provoziert Kirchen mit Vergleich zur Nazi-Zeit

Kurz vor Weihnachten nimmt Alice Weidel die Kirchen ins Visier. Die AfD-Fraktionschefin wirft den Kirchen vor, heute wieder wie im Dritten Reich zu agieren.

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Alice Weidel: „Die Trennung von Staat und Kirche wird nicht mehr eingehalten.“
Alice Weidel: „Die Trennung von Staat und Kirche wird nicht mehr eingehalten.“

© Hauke-Christian Dittrich/dpa

Berlin. Wenige Tage vor Weihnachten hat die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, die Kirchen ungewöhnlich scharf angegriffen und ihnen ein Verhalten wie zur Nazizeit vorgeworfen. „Wir wissen mittlerweile, dass die Amtskirchen, egal ob evangelisch oder katholisch, durch und durch politisiert sind“, sagte sie dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Die Trennung von Staat und Kirche wird nicht mehr eingehalten. Damit spielen weite Teile der Kirchen bis auf wenige Ausnahmen genau die gleiche unrühmliche Rolle, die sie auch im Dritten Reich gespielt haben.“

Unter den Nazis hatten sich die Kirchen mit dem Regime arrangiert - fast bis zur Gleichschaltung. Nur vereinzelt und eher individuell wurde Widerstand geleistet. Weidel hält ihre Äußerung für so wichtig, dass sie sie zusätzlich auch im Internetdienst Twitter verbreitete.

Wiederholt hatten die katholische wie die evangelische Kirche vor der AfD gewarnt, vor allem vor deren Flüchtlingspolitik. So sagte Berlins evangelischer Landesbischof Markus Dröge im Mai: „Ich kann mich als Christ nicht in einer Partei engagieren, die Ängste dramatisiert, Misstrauen sät und Ausgrenzung predigt.“

Weidels Äußerung wollten Kirchenvertreter am Donnerstag nicht kommentieren. Der Sprecher der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sprach von „Polemik“ und sagte lediglich: „Wir wünschen Frau Weidel eine licht- und erkenntnisreiche Weihnacht.“ Der Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland, Michael Brinkmann, sagte: „Diese Entgleisung kommentieren wir nicht. Die vor uns liegenden Festtage sind eine gute Gelegenheit, um zur Besinnung zu kommen. Auch für Frau Weidel.“

Regelmäßig setzt die AfD auf gezielte Provokationen, um damit in die Schlagzeilen zu kommen. „Die Provokation hat uns geholfen“, hatte Sachsen-Anhalts AfD-Fraktionschef André Poggenburg erst kürzlich in einem dpa-Interview eingeräumt. Daher ist auffällig, dass Weidel ihre kirchenkritische Attacke punktgenau vor Weihnachten platziert.

Sie vertrat in dem „Focus“-Interview auch die These, die AfD sei „die einzige christliche Partei, die es noch gibt“. In der CDU spielten christliche Werte „keine Rolle mehr“. Allerdings hatte die einstige Vorsitzende der Gruppe Christen in der AfD, Anette Schultner, die Partei im Oktober verlassen - und diesen Schritt mit der „Radikalisierung der AfD“ begründet.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. Der echte jk

    Es ist natürlich nicht schön, wenn man als Amtskirche so direkt den Spiegel vorgehalten bekommt. Aber mit der Wahrheit hatte es die Kirche weder zur NS-Zeit noch heute viel am Hut. Das spricht Alice Weidel aus. Ganz einfach.

  2. don

    Leider hat sie Recht. Die Kirchen haben schon lange ihre Rolle als echte moralische Instanz und bewahrer konservativer Werte verloren. Außer verkappten Pressesprechern der Regierung und Obama Verschnitten in Rom gibt es nicht mehr viel von dort zu berichten. Die sogenannte Flüchtlingspolitik als christliche Barmherzigkeit zu verkaufen, während diese täglich hier die 10 Gebote brechen, ist ein Witz. Jeder weis, dass nur ein minimaler Bruchteil dieser Leute echte Verfolgte sind und diese verhalten sich auch ordentlich (z.B. politisch verfolgte Iraner).

  3. freeze

    „Ich kann mich als Christ nicht in einer Partei engagieren, die Ängste dramatisiert, Misstrauen sät und Ausgrenzung predigt.“ Wenn Frau Weidel die Kirche aufgrund dieser Aussage mit der NS-Vergangenheit in Verbindung bringt, kann man nur hoffen, dass diese Frau - sollte sie je ein wichtiges politisches Amt in diesem Staat erlangen - nochmal gründlich Nachhilfe in Geschichte nimmt... und zwar nicht bei ihrem Parteikollegen Höcke, der offenbar das NS-Thema ganz von den Lehrplänen nehmen würde.

  4. meškank

    Gott, der Herr, möge sich seiner armen Sünderin, Frau Alice Weidel, erbarmen! Wann war sie denn das letzte Mal zur hl. Beichte? Ansonsten hat sie vor dem Hochfest von Weihnachten noch drei Tage dafür Zeit. Wo standen denn ihre geliebten Großeltern und Urgroßeltern im 3. Reich? Sie macht weder einen gottesfürchtigen noch anständigen Eindruck. Ihr zickenhaftes Gebaren finde ich abstoßend.

  5. Sören Göhler, Dresden

    Amtskirchen sind nichts als Geldabschöpfungsinstitute im wertewestlichen System der allgegenwärtigen Kriegstreiberei. Sucht mal nach "tarnfarbene Bibel Emma", um zu begreifen, daß "Du sollst nicht töten" nichts als Makulatur bei näherem Hinsehen ist und so sieht es im Zweifel auch mit allen anderen Geboten aus. Nur das Abkassieren ihrer Schäfchen vergessen diese Institutionen wirklich nie.

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