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Freitag, 19.01.2018

Weg frei für umstrittenes Marienbrücken-Hotel

Von Sandro Rahrischund Sarah Herrmann

Höhe und Fassadengestaltung hatten dem Entwurf viel Kritik eingebracht. Jetzt kann das Hotel an der Antonstraße gebaut werden. Visualisierung: S 8 Dresden GmbH
Höhe und Fassadengestaltung hatten dem Entwurf viel Kritik eingebracht. Jetzt kann das Hotel an der Antonstraße gebaut werden. Visualisierung: S 8 Dresden GmbH

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Im kommenden Herbst hätten die ersten Gäste einchecken sollen. Doch seit einem halben Jahr ruht die Hotel-Baustelle zwischen Kleiner Marienbrücke und Antonstraße. Die Arbeiter waren nicht mehr dazugekommen das Fundament zu gießen, als der Grundstücksnachbar einen Baustopp erwirkte. Eine Genugtuung wohl auch für diejenigen, die Fassade, Höhe und Form des geplanten Sechsgeschossers kritisiert hatten – unter ihnen die Gesellschaft historischer Neumarkt. Nun soll das Günstig-Hotel mit 176 Zimmern doch noch gebaut werden.

Die Beschwerde gegen die Baugenehmigung sei zurückgezogen worden, sagte eine Sprecherin des sächsischen Oberverwaltungsgerichts jetzt der Sächsischen Zeitung. Die Streitparteien hätten sich außergerichtlich geeinigt. Damit stünde dem Vorhaben nichts mehr im Weg. Der Nachbar hatte die Baugenehmigung der Stadt moniert. Seiner Meinung nach passe das Haus nicht in die Umgebung, so die Begründung damals. Es hätte deutlich größere Maße als die umliegenden Gebäude. Außerdem wirft der Grundstücksbesitzer dem Investor vor, die notwendigen Abstände zu den Gebäuden auf seinem Areal nicht einzuhalten. Dort steht das Hotel Stadt Metz. Daneben schließt sich ein Flachbau an, in dem ein Erotikshop untergebracht ist. Rückendeckung bekam der Nachbar von den Neumarkt-Wächtern. „Das Grundstück war noch nie bebaut“, machten sie in einem Schreiben an die Umweltbürgermeisterin deutlich. „Es tangiert oder betrifft sogar den besonders schützenswerten Grünstreifen des Uferbereiches der Elbe. Wir halten die Verdichtung an dieser Stelle in Kubatur und Höhe für unangemessen.“

Vor allem der großzügige Gebrauch einer Regelung im Baugesetzbuch wurde scharf kritisiert. Demnach wird die Baugenehmigung erteilt, sofern sich der geplante Bau in die nähere Umgebung einfügt. Wie weit diese Umgebung gefasst wird und wie ihre architektonische Eigenart definiert ist, steht meist nirgendwo geschrieben.

Auch am Aussehen ließ der Neumarkt-Verein kein gutes Wort. Als einen lieblos-grauen Kasten bezeichneten die Mitglieder den Entwurf des Leipziger Architekturbüros Marggraf.

Warum die Beschwerde jetzt zurückgezogen wurde, vermag das Gericht nicht zu sagen. Der Inhalt der Einigung sei unbekannt. Auch der Hotelinvestor, die Frankfurter Benchmark Real Estate Development GmbH, will keine Details der Absprache bekanntgeben. Das Unternehmen teilte am Mittwoch auf Anfrage nur so viel mit: Die Bauarbeiten an der Marienbrücke könnten in Kürze weitergehen. Letztes Jahr hatte sich die Firma darauf berufen, dass das Projekt mit Stadtverwaltung und der Dresdner Gestaltungskommission abgestimmt worden sei.

„Wir glauben an den Wirtschafts- und Tourismusstandort Dresden“, sagte Benchmark-Geschäftsführer Martin Hantel im Sommer. Die große Hotel-Konkurrenz machte ihm damals keine Sorgen – obwohl die Betten in Dresden über das ganze Jahr gesehen so schlecht gebucht sind wie in kaum einer anderen deutschen Großstadt. Das neue Hotel zeichne sich vor allem durch einen günstigen Preis aus, so Hantel. In Dresden stehen Urlaubern knapp 23 000 Betten zur Verfügung. Deren durchschnittliche Auslastung betrug zwischen Januar und Oktober letzten Jahres nur 54 Prozent. Daraus ergeben sich auch vergleichsweise niedrige Zimmerpreise, vor allem außerhalb der Saison. Gut 74 Euro zahlten Touristen im Schnitt für eine Nacht im Hotelzimmer. Günstiger ist man nur in Leipzig untergekommen.

Benchmark wird das Haus nicht selbst betreiben. Diese Aufgabe übernimmt das Unternehmen Primestar Hospitality aus Frankfurt, das schon ein Hotel in der Mainmetropole sowie Herbergen in Berlin, München und Freiburg betreibt.

Das Dresdner Haus soll unter der Günstig-Marke „Super 8“ der amerikanischen Wyndham-Gruppe geführt werden. Die Kette gehört mit über 179 000 Betten weltweit zu den großen. Neben den Zimmern sei ein großzügiger Frühstückbereich mit offener Küche und Kaffeebar vorgesehen, heißt es in einer Mitteilung. Als neuen Eröffnungstermin nennt Primestar auf seiner Internetseite das zweite Quartal des kommenden Jahres.