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Freitag, 13.07.2018 WM-Kolumne „Sdrasdwutje!“

Waschen, föhnen, kämpfen

Bei Fußballern sitzt die Frisur auch nach einem bewegten Spiel. Wie machen die das bloß?

Von Grit Bloß

© [M] Federico Gambarini/dpa/SZ

Gut fünfzig Meter renne ich am Nachmittag der Straßenbahnlinie vier hinterher. Ich habe dabei weder das runde Leder vor den Füßen, noch Luka Modric oder Harry Kane auf den Fersen. Trotzdem bin ich nach diesem nicht einmal Zwanzig-Sekunden-Sprint nicht nur völlig außer Puste, meine Frisur sieht auch aus, als käme ich gerade vom Triathlon. Es braucht zu Hause angekommen eine ganze Weile, bis ich meine Haare zu alter Standfestigkeit und neuem Schwung überreden kann. Wegen lumpiger fünfzig Meter. Und dann schaue ich am Abend das Halbfinale. Die Jungs rennen und rennen, geschätzte zehn, elf Kilometer allein in neunzig Minuten. Dabei ändern sie ganz nebenbei aller fünf Sekunden ihre Laufrichtung und beschleunigen zwischen vierzig- und sechzigmal.

Und ihre Frisur? Sitzt und sitzt und sitzt. Und nun frage ich: Wie hält eine Frisur das aus? Ich war nie ein Genie in Physik – aber das widerspricht doch genaugenommen jeglichen Gesetzen der Natur, oder? Selbst die Trainer am Spielfeldrand sehen ja um die Haare mitgenommener aus. Vielleicht, weil sie sich diese angesichts der dramatischen Szenen vor ihnen auch öfter eben jene raufen müssen.

Mag sein, dass wahre Fans wenige Tage vor dem WM-Finale andere Fragen umtreiben. Ich allerdings will es jetzt endlich einmal wissen.

Schließlich steht auch für die Fans das Finale ins Haus. Kann sein, dass ich zum Public Viewing spät dran bin und einen Sprint einlegen muss. Aber mit schlapper Frisur brauche ich mich im Biergarten doch gar nicht erst blicken zu lassen. Doch nicht bei diesen Vorbildern. Liebe Herren der fußballerischen Schöpfung: Bitte verraten Sie mir Ihr voluminöses Geheimnis! Ich sage es auch keinem weiter!

Grit Bloß arbeitet für die Unternehmenskommunikation der DDV-Mediengruppe und schreibt Kurzgeschichten.