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Montag, 16.03.2015

Was wird aus Bautzens Bahnhof?

Die Halle ist seit einem Jahr zu, die Verkaufsverhandlungen finden kein Ende. Die Kritik daran wird immer lauter.

Von Stefan Schramm

Ein trostloses Bild bietet die Bahnhofshalle in Bautzen. Mit Bauzäunen ist der Zugang abgesperrt.
Ein trostloses Bild bietet die Bahnhofshalle in Bautzen. Mit Bauzäunen ist der Zugang abgesperrt.

© Uwe Soeder

Bautzen. Eine abgesperrte Bahnhofshalle, die Toiletten nicht nutzbar. Einkaufsmöglichkeiten gibt es keine, nicht mal mehr Fahrkartenautomaten. Zu bestimmten Öffnungszeiten können Reisende zwar an einem Schalter Tickets kaufen, ansonsten ist aber nur noch eine Autovermietung in dem Haus untergebracht. Der Rest steht leer. Zum Jahresbeginn verschwand nun auch noch der Taxistand von dem Gelände. Seit nunmehr über einem Jahr bietet Bautzens Bahnhof ein trostloses Bild. Mitten in der Stadt macht sich ein Stück der vielfach kritisierten Servicewüste Deutsche Bahn breit. Dem Verkehrskonzern gehören der denkmalgeschützte Bau und das umgebende Grundstück. Zumindest noch. Denn die Bahn will das Gelände mit dem repräsentativen Bahnhofsgebäude verkaufen.

Entsprechende Pläne gibt es seit bald zwei Jahren. Im Dezember 2013 bot die Bahn der Stadt Bautzen den Bahnhof zum Kauf für einen Vorzugspreis an. Zwei Monate später folgte dann ein Tiefschlag: Die Bahn sperrte die Bahnhofshalle ab. Offizielle Begründung: Nachdem Putz von der Decke gebröckelt war, sah das Unternehmen die Sicherheit der Fahrgäste nicht mehr gewährleistet. Insider sprachen damals hinter vorgehaltener Hand davon, die Bahn wolle auf diese Weise Schwung in die Verkaufsgespräche bringen. Doch aus dem für 2014 angepeilten Deal wurde nichts. Der Verkauf an die Stadt platzte, da sich das nach ihren Berechnungen für sie nicht gelohnt hätte. Stattdessen brachte sie im April 2014 einen neuen Investor ins Spiel.

Bahn blockiert und schweigt

Seitdem mauert die Bahn, steckt in das Bahnhofsgebäude keine müde Mark mehr - und gibt unter Verweis auf die laufenden Verhandlungen und Datenschutzgründe keine Details zum Kaufinteressenten und dessen Plänen preis. Durchgesickert ist bislang nur, dass der mögliche Käufer - spekuliert wird über größere in Bautzen ansässige Unternehmen – seinen Investitionsaufwand für das Projekt auf etwa fünf Millionen Euro summiert hat.

Den Bahnkunden nützt der Stillstand herzlich wenig. Nicht zuletzt, weil unter ihnen auch Touristen sind und der Bahnhof als ein Eingangstor zur Stadt gilt, sind manche Lokalpolitiker mittlerweile recht ungehalten. „Der Zustand ist katastrophal und ein Armutszeugnis für Bautzen. Stadt und Landkreis haben die Verpflichtung, mehr Druck auf die Deutsche Bahn auszuüben. So kann es nicht weitergehen“, poltert Roland Fleischer, Fraktionschef der SPD im Stadtrat. Im jüngsten Kreistag erkundigte er sich bei Landrat Michael Harig (CDU) nach dem aktuellen Stand.

Dem Landrat zufolge sei der Landkreis mit der Stadt, dem Verkehrsverbund Zvon und einer Investorengruppe im Gespräch. Ziel sei dabei, ein gemeinsames Nutzungskonzept für das Bahnhofsgebäude und das benachbarte Gelände zu entwickeln. „Für den Landkreis ist dieses Konzept wegen der räumlichen Nähe zu seinem Hauptverwaltungsstandort an der Bahnhofstraße interessant“, erklärt Gernot Schweitzer, Sprecher des Bautzener Landratsamtes. Das prüfe derzeit verschiedene Varianten. Möglich sei, Teile der Verwaltung oder auch Einrichtungen wie die Musikschule dort unterzubringen. Dabei gehe es vor allem darum, ein vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis zu erreichen. Konkrete Ämter würden derzeit noch nicht betrachtet.

Scharfe Kritik am Nichtstun der Stadt

Bereits seit Januar 2014 liebäugelt das Landratsamt mit dem Bahnhof. Doch wartet es ebenfalls ab, bis der Verkauf an den Investor unter Dach und Fach ist. Dieser Vertragsabschluss steht nun aber seit einem Jahr aus. Doch Roland Fleischer kritisiert nicht nur eine Untätigkeit von Stadt und Landkreis, sondern auch mangelnde Information. „Weder im Stadtrat noch im Kreistag ist dazu Näheres zu erfahren. Manchmal glaube ich, die haben keine Lust mehr und warten nur darauf, abgewählt zu werden“, schimpft Fleischer über die Spitzen in Rathaus und Landratsamt.

Auch sein FDP-Stadtratskollege Mike Hauschild bemängelt die Zurückhaltung. „Die Stadtverwaltung hätte schon längst eine Planung für das Gelände erstellen können“, sagt er. Wenn dadurch erst mal klar sei, was dort an Infrastruktur notwendig sei und wie die öffentliche Hand das Projekt finanziell unterstützen könnte, stünde die Stadt bei den Verkaufsgesprächen viel besser da. „Was passiert eigentlich, wenn der Verkauf an den Investor scheitert?“, fragt Hauschild und liefert die Antwort gleich mit: „Dann wären bei einem Projekt mit großem Potenzial einige Jahre verschlafen worden.“