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Dienstag, 04.04.2017

Was vom Neumarkt-Monument bleibt

Zwei Monate war das Kriegsmahnmal auf dem Neumarkt zu sehen. Am Dienstag wurden die Busse verladen - und zum nächsten Ausstellungsort geschickt. Doch wird das „Monument“ wieder zurück nach Dresden kommen?

Am frühen Dienstagmorgen hatten zwei Kräne den ersten Bus wieder auf die Räder gestellt. Um 11 Uhr war auch der dritte wieder in der Waagerechten.
Am frühen Dienstagmorgen hatten zwei Kräne den ersten Bus wieder auf die Räder gestellt. Um 11 Uhr war auch der dritte wieder in der Waagerechten.

© Robert Michael

Es lief besser als gedacht und passierte fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn die Kranführer aus Niedersedlitz und die Arbeiter einer Schwertransport-Firma aus Haren in Niedersachsen waren schnell, und dazu regnete es in Strömen. Sie brauchten am Dienstag nicht viel mehr als knapp drei Stunden, um das Busse-Monument auf dem Neumarkt abzubauen. Noch vor der Mittagszeit setzte sich der Tieflader-Konvoi mit den drei Bussen in Bewegung. Das Ziel war Berlin, wo die Monument-Teile zunächst gelagert werden. Im Herbst soll das Busse-Mahnmal in der Bundeshauptstadt wieder aufgebaut werden.

Der Abbau der Busse vor der Frauenkirche

Christiane Mennicke-Schwarz, die Leiterin des Kunsthauses Dresden, war den gesamten Vormittag auf dem Neumarkt. „Ich muss zugeben, dass ich heute Morgen auch so etwas wie Wehmut gespürt habe“, sagte sie, während die Arbeiter die Busse demontierten. Der Neumarkt habe sich durch das Monument sehr verändert. „Diese Momente, als Menschen Blumen hierher gebracht und Kerzen aufgestellt haben, das werden wir alle nicht so schnell vergessen.“

Kurz nach 8 Uhr war der erste der drei Busse auf einem Spezialtieflader festgezurrt. Kranketten und -seile anlegen, die Schrauben lösen, mit denen die Busse im Fundament verankert waren – das dauerte immer nur wenige Minuten. Kompliziert war dagegen, die Busse millimetergenau auf den Tiefladern zu platzieren. Dann mussten sie dort noch mit schweren Ketten verspannt werden. „Es gibt sehr viele Anfragen aus Deutschland und darüber hinaus“, sagte Mennicke-Schwarz zur Zukunft des Monuments. Zunächst sei das Mahnmal auf Reisen, erst einmal nach Berlin. Wo es dort stehen soll, ist noch nicht entschieden. „Auf jeden Fall im Bezirk Mitte.“ Das heißt auch, dass es vor dem Brandenburger Tor stehen könnte.

Manaf Halboumi hat den Abbau seines Kunstwerks nicht miterlebt. Der Deutsch-Syrer ist derzeit nicht in Dresden. Das Kunsthaus Dresden verwaltet sein Monument und hält Kontakt zu potenziellen Ausstellern in anderen Städten. Dazu gehören auch mehrere Interessenten aus Belgien und Polen.

Nachdem die Busse vom Neumarkt verschwunden waren, beseitigten Bauleute am Nachmittag den Unterbau des Fundamentes. Jetzt dient die Fläche vorübergehend als Kinosaal unter freiem Himmel. Im Rahmen des 29. Internationalen Filmfestes Dresden werden dort auf einer Videowand knapp 70 Kurzfilme gezeigt.

Das nächste Kunstwerk kommt am 25. April. Dann stellt ein Hamburger Künstlerduo dort die Skulptur „Denkmal für den permanenten Neuanfang“ auf.

Video: Der erste Bus am Haken

Bei der offiziellen Übergabe des Kunstwerks kam es zu Tumulten und lautstarkem Protest. Die Busse erinnern an eine Barrikade in der syrischen Stadt Aleppo. Die Verbindung des Kriegs im Nahen Osten mit der Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 stieß teilweise auf Unverständnis.

Auch nach der Einweihung sorgten die Aleppo-Busse für viel Gesprächsstoff. Ein Vermittlerteam des Kunsthauses war täglich vor Ort und beantwortete Fragen von interessierten Besuchern und von Kritikern. Die Mitarbeiter hätten sich nach eigenen Angaben vielen Aggressionen stellen müssen. Auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) wurde angefeindet. Mehr als 1000 Zuschriften aufgebrachter Bürger habe er in den vergangenen Wochen erhalten, sagte er.

Nach dem Abbau ist vor dem Aufbau: Das Kriegsmahnmal des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni wird nun als Leihgabe an das Berliner Maxim-Gorki-Theater überstellt. Das teilte vergangene Woche das Dresdner Kunsthaus mit. Halbounis Installation soll im Rahmen des Berliner Herbstsalons gezeigt werden.

Im Anschluss an die Ausstellung in Berlin soll das „Monument“ auf jeden Fall wieder nach Dresden zurück kommen, erklärte Kunsthaus-Chefin Mennicke-Schwarz. Hier soll es eingelagert werden, sofern es nicht gerade irgendwo aufgestellt wird. Neben der Bundeshauptstadt hätten auch potenzielle Aussteller aus Polen und Belgien angefragt. Mennicke-Schwarz schließt auch nicht aus, dass die Busse auch irgendwann wieder in Dresden zu sehen sein könnten. (fsc/jep/csp)

Video: Gespräch mit Kunsthaus-Leiterin Mennicke-Schwarz