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Donnerstag, 12.07.2018

Was passierte in Russland während der WM?

Vier Wochen Fußball haben das Land aufgerüttelt. Das Mega-Event hat den Sport, die Menschen und auch die Wirtschaft beeinflusst - in ganz unterschiedlicher Weise.

Von Claudia Thaler und Thomas Körbel

Eine WM in 6 Fakten

Wladimir Putin bei einer Rede am Vortag der Eröffnung der WM, die er selbst als „die beste aller Zeiten“ bezeichnet.
Wladimir Putin bei einer Rede am Vortag der Eröffnung der WM, die er selbst als „die beste aller Zeiten“ bezeichnet.

© Alexander Zemlianichenko/dpa

Spielerisch gesehen hat die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland viele Überraschungen gebracht. Aber auch organisatorisch war die Spannung für den Gastgeber groß: War die WM, die von Wladimir Putin als „die beste aller Zeiten“ angekündigt worden war, ein Erfolg? Russlands Prestige-Projekt in einer dem offiziellen Finale vorweggenommenen Einzelkritik:

Eine WM in 6 Fakten

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RUSSLANDS IMAGE

Zehntausende Fans aus der ganzen Welt sind nach Russland gekommen. Viele von ihnen führte der Weg erstmals in das größte Land der Erde. Einige sind von der Freundlichkeit der Russen beeindruckt, vor allem der sonst so grimmigen Polizisten. „Ich habe mich sehr willkommen gefühlt. Ich kann kein Russisch. Ich kann aber sagen: Ich habe eine grandiose Zeit hier verbracht“, sagte ein Fan aus Frankreich. Die russische Organisatoren sind sicher: Die WM hat den Ruf des Landes, das mit Sanktionen belegt, in Kriege verwickelt ist und dessen Beziehungen zu einigen WM-Teilnehmerländern angespannt sind, deutlich aufgebessert. „Russland ist besser, als viele dachten, vor allem im Westen“, sagte WM-Cheforganisator Arkadi Dworkowitsch. Die WM hat Russlands Türen für die Welt weit geöffnet - gleichzeitig viele Probleme aber wohl nur für kurze Zeit ausgeblendet.

SOMMERMÄRCHEN-CHECK

Anfangs waren die Russen skeptisch, ob die Sbornaja überhaupt die Vorrunde überstehen wird - die Feierlaune in der Bevölkerung war eher verhalten. Doch allmählich begann in den WM-Städten tatsächlich eine Art Sommermärchen. Die Fanmeilen waren bei den meisten Spielen voll. Gäste aus Südamerika feierten gemeinsam mit Russen ausgelassen bis in die Morgenstunden, auch in den nicht dafür vorgesehenen Einkaufsstraßen. Der bunte Trubel und die teilweise hemmungslose Euphorie wurden im sonst so reglementierten Land als Ausnahmezustand toleriert. Die WM hat Russland in dieser Hinsicht lockerer gemacht, aber Beobachter sind sich einig, dass der Effekt wird nur kurzfristig sein wird.

POLITISCHER SCHATTEN

Hinter den WM-Kulissen brodelt es gewaltig: Eine stark kritisierte Rentenreform treibt die Menschen auf die Straßen. Die Regierung entschied kurz vor dem Eröffnungsspiel, das Rentenalter für Frauen um acht Jahre und bei Männern um fünf Jahre anzuheben. Mit Reaktionen rechnete die Machtelite zwar, aber die WM sollte die Bürger milder stimmen, sagen Politologen. Die Rechnung ging auf: Den Protestaufrufen der Gewerkschaften folgten nur ein paar Tausend Menschen. Festnahmen gab es kaum. Gegen WM-Ende mehren sich jedoch die kritischen Stimmen. Nach der Euphorie dürfte der Protest wieder aufkochen, sind sich Experten sicher.