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Donnerstag, 14.06.2018

Was Nordkoreaner vom Singapur-Gipfel erfahren

Pjöngjang feiert seinen großen Vorsitzenden. Der US-Präsident twittert nette Worte. Doch es gibt auch Enttäuschung.

Staunend lesen diese Nordkoreaner die Berichte über das Gipfeltreffen von Singapur. Dort hatten sich Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump in einer gemeinsamen Erklärung für eine robuste Friedenslösung auf der koreanischen Halbinsel ausgesprochen.
Staunend lesen diese Nordkoreaner die Berichte über das Gipfeltreffen von Singapur. Dort hatten sich Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump in einer gemeinsamen Erklärung für eine robuste Friedenslösung auf der koreanischen Halbinsel ausgesprochen.

© Kyodo News/dpa

Noch auf dem Rückflug vom Gipfel in Singapur begann Donald Trump, seine Botschaft von Größe und Einmaligkeit des Treffens mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un unters Volk zu bringen. Gleich nach der Landung setzte der US-Präsident das fort. Unterdessen beharrten Kritiker darauf, in Singapur sei gar nichts erreicht worden, der Gipfel eine Show ohne Wert.

Nach dem Gipfel hält Trump die Gefahr einer nuklearen Bedrohung durch Nordkorea für gebannt. „Jeder kann sich nun sicherer fühlen als am Tag meines Amtsantritts“, schrieb Trump am Mittwoch nach seiner Rückkehr. Nordkorea sei nicht mehr länger das größte und gefährlichste Problem der USA. Das Land habe großes Potenzial.

Beide Seiten wollen nun den Gesprächsfaden fortführen, bis hin zu gegenseitigen Besuchen. Trump hatte bestätigt, dass Kim eine Einladung ins Weiße Haus zu einem „angemessenen Zeitpunkt“ akzeptiert habe. Umgekehrt könne er sich auch eine Reise nach Pjöngjang „zu einer bestimmten“ Zeit vorstellen. Nordkoreas Staatsagentur KCNA feierte die Besuche bereits als praktisch ausgemacht.

Trump dankte Kim für dessen „wagemutigen ersten Schritt zu einer neuen hellen Zukunft“ für sein Volk. „Unser beispielloses Treffen – das erste zwischen einem amerikanischen Präsidenten und einem Führer Nordkoreas – beweist, dass echte Änderungen möglich sind“, twitterte er.

Am Dienstag hatten Trump und Kim in Singapur eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet. Darin bekennt sich Nordkorea zur atomaren Abrüstung. Als Gegenleistung bietet Trump unter anderem Sicherheitsgarantien an. In den USA wie auch international gab es Kritik an der Erklärung. Sie sei inhaltsleer und bleibe hinter früheren Vereinbarungen zurück.

Die USA wollen nach Angaben Trumps auch ihre gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea einstellen. Nach der Rückkehr twitterte Trump: „Wir sparen ein Vermögen, wenn wir keine Manöver abhalten, solange beide Seiten in gutem Glauben verhandeln – was beide Seiten tun!“ Eine Einstellung der Manöver wäre nach Auffassung vieler Kommentatoren eine enorme Konzession der USA gegenüber Pjöngjang. In Japan stieß die Ankündigung umgehend auf Kritik. Die US-Truppenpräsenz in Südkorea bedeute eine wichtige Säule der Sicherheit in Ostasien, hieß es aus Tokio. Die USA haben derzeit rund 28 500 Soldaten in Südkorea stationiert.

Das US-Verteidigungsministerium begrüßte die Ergebnisse des Gipfels, äußerte sich aber nicht zur Zukunft gemeinsamer Manöver. Berichten zufolge wurden Verbündete von der Ankündigung Trumps ebenso überrascht wie das Pentagon. In China stieß der Schritt auf Wohlwollen. „Mit einer Abkühlung der militärischen Aktivitäten“ und einem eventuellen Rückzug der US-Truppen“ werde die koreanische Halbinsel vollständig aus dem Schatten des Kalten Krieges treten. Trump und Kim hätten nun die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben: „Wenn Trump die vollständige Denuklearisierung der Halbinsel erreichen kann und Kim Nordkorea Wohlstand bringen kann, ist es eine große Leistung für beide.“

Trump hatte Kim mit einem eigens produzierten Video Möglichkeiten aufgezeigt, die eine Öffnung Nordkoreas eröffnen können. Das Video wurde im Internet veröffentlicht und erntete international auch viel Hohn.

Politikwissenschaftler in den USA und Asien waren sich einig, dass die erreichte Vereinbarung kaum über bereits vor Jahren formulierte Dokumente hinaus geht, die dann nicht einmal eingehalten worden waren. Auch diesmal findet sich in dem Papier kein verbindlicher Zeitrahmen für die von Nordkorea geforderten Schritte.

Auch die nordkoreanische Staatsagentur KCNA feierte den „historischen Gipfel“ von Singapur. Das Treffen sei durch den „festen Willen“ der beiden Staaten zur Beendigung der feindschaftlichen Beziehungen zustande gekommen, schrieb die Agentur am Mittwoch. Die Führer der beiden Staaten seien zusammengekommen, um erste Schritte zur Versöhnung „nach rund 70 Jahren Konfrontation und Antagonismus“ seit der Teilung der koreanischen Halbinsel zu unternehmen. (dpa)

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