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Montag, 05.02.2018

Was gegen fliegende Mitesser hilft

Im Sommer sind sie in Küchen zu Hause: Fruchtfliegen. Auch für Obstbauern sind sie ein Problem. Aus Dresden kommt Rettung.

Ein kleiner Plagegeist mal ganz groß. Die Kirschessigfliege unter dem Mikroskop. Dresdner Forscher wollen ihr Futterverhalten jetzt in der Natur beobachten.
Ein kleiner Plagegeist mal ganz groß. Die Kirschessigfliege unter dem Mikroskop. Dresdner Forscher wollen ihr Futterverhalten jetzt in der Natur beobachten.

© dpa

Der Obstteller auf dem Küchentisch ist ein Magnet. Zig kleine schwarze Punkte fliegen ihn an, lassen sich auf den schmackhaften Früchten nieder: Essigfliegen. Für viele sind sie nervige kleine Mitbewohner in der warmen Jahreszeit. Was zu Hause stört, wird für Obst- und Weinbauern zum riesigen Problem. Doch der Einsatz von Insektiziden ist vor dem Hintergrund des anhaltenden Bienensterbens keine praktikable Lösung. In Dresden forschen Wissenschaftler nach neuen Wegen.

Wie der heimischen Obstfliege beizukommen ist, wissen Dresdner Forscher schon seit gut zwei Jahren. Im Labor entdeckten sie, dass das Futter der Fliegen eine Auswirkung auf den Stoffwechsel und die zelluläre Zusammensetzung der Insekten hat. Die Nahrung hat Einfluss darauf, wie gut oder schlecht die Fruchtfliege hohe oder niedrige Temperaturen verträgt. Es zeigte sich beispielsweise, dass Hefen zwar die Resistenz gegen warme Temperaturen erhöhen, die Fliege allerdings nicht mehr widerstandsfähig gegen Kälte ist.

Das ist revolutionär. Damit sind die Forscher auf einen Ansatz gestoßen, dem so bisher noch nicht nachgegangen wurde. Wohl auch deshalb unterstützt nun die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Projekt mit insgesamt zwei Millionen Euro. Neben Dresdner Wissenschaftlern vom Biotec und der Biologie der TU Dresden sind auch das Julius Kühn-Institut in Pillnitz, das Paul-Langerhans-Institut Dresden, das Dresdner Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik sowie die Universität Mainz und die Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt.

Die Forschergruppe will die Laborergebnisse, die an der Fruchtfliege gewonnen wurden, nun in der Praxis beobachten. Und damit auch einem neuen Schädling beikommen. Seit 2013 hat sich die Kirschessigfliege in Sachsen niedergelassen. Die nur drei Millimeter kleine Fliege greift gesunde, reife Früchte an und kann binnen weniger Tage ganze Ernten zerstören. Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden, ob die bisher gewonnenen Ergebnisse auch auf diese Art zutreffen.

Dafür studieren sie nun das jahreszeitliche Futterverhalten von wildlebenden Frucht- und Kirschessigfliegen in Sachsen. „Das Julius Kühn-Institut hat Experimentierfelder, wo zum einen Fallen aufgestellt werden und zum anderen auch befallenes Obst untersucht wird“, erklärt Marko Brankatschk vom Biotec. Die dort abgelegten Eier werden ebenfalls analysiert. „Sollten Theorie und Praxis in diesem Projekt aufeinandertreffen, wären die Resultate von immenser Bedeutung.“

Nicht nur würde das Grundverständnis für biologische Phänomene wachsen, wie zum Beispiel für das Überleben eines komplexen Organismus bei und nach einem zeitweiligen Einfrieren. Auch neue Ideen für die Schädlingsbekämpfung wären möglich, die weitestgehend den Einsatz von Insektiziden reduzieren könnten.

Brankatschk kommt zurück auf die Hefen. Hefeextrakte bringen zum Beispiel Weinbauern im Sommer auf ihren Weinbergen aus. Ohne Effekt auf die Frucht- und Kirschessigfliegen. „Wenn sie sie beispielsweise im Spätherbst anwenden würden, wären die kalten Temperaturen in der Nacht für die Fliegen ein Problem.“ Die kühlen Temperaturen wären dann das Ende der kleinen Plagegeister.

Anfang 2018 ist das Projekt gestartet. Die Wissenschaftler hoffen, in den nächsten Jahren den Geheimnissen der Frucht- und Kirschessigfliegen auf die Spur zu kommen. Zu Hause schwören einige auf eine Mischung aus Wasser, Essig, Zucker und einem Spritzer Spülmittel, um die Fruchtfliegen zu fangen. Für Obstbauern kein gangbarer Weg. Sie müssen auf die Ideen der Forscher hoffen.

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